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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-02-01 · Heft 2 (1.2.1883) · p. Seite 34

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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34 Spinoza war Jude, obwohl die Juden seiner Zeit ihn ausschlossen. Er war Jude, nicht deshalb, weil er nie Christ geworden ist, sondern weil er, von dem Geiste der jüdischen Religionsquellen genährt und nach demselben erzogen, ganz in Uebereinstimmung mit denselben dachte nnd handelte. Er suchte die Wahrheit zwar nicht von Religionswegen, etwa um die Religionsquellen selbst auf ihre Wahrheit zn prüfen, oder die Wahrheit der verschiedenen Religionen unter sich zn erforschen: er nahm vielmehr die Wahrheit nicht auf dem Wege der religiösen Offenbarung nnd Überlieferung entgegen, sondern er erforschte sie selbständig, unabhängig von den gegebenen Religionsquellen nnd ganz gleichgiltig dagegen, ob die Resultate seines Denkens mit den Wahrheiten des religiösen Glaubens übereinstimmten. Aber er war Jude, weil er trotzdem auch auf diesem Wege zur vollständigen Uebereinstimmung seines philosophischen Denkens mit der religiösen Offenbarung seiner angestammten Religion gelangt war und um so unverbrüchlicher daran festhielt, weil er an diese Wahrheit nicht blos glaubte, sondern sich davon überzeugt hielt. Er war Jude, weil das freie Denken an sich den Grundsätzen des Christentums, nicht des Judentums widersprach und er mit den Resultaten seines Denkens im vollen Gegensätze zu den Glanbenswahrheiten des Christentums, nicht des Judentuins getreten war. Kein Wunder daher, daß die christliche Geistlichkeit ihn verfolgte; die jüdische that dies widerwillig , nur gezwungen und auf Betreiben ihrer christlichen Machtherren damaliger Zeit. Man kann die civilisatorische Macht und den weltbildenden Einfluß des Judentunis nicht leugnen. Schon während des Aufenthalts Israels in Palästina ist der Einfluß, welchen das Judentum auf die Philosophie Griechenlands und die religiöse Macht des Heidentums übte, unleugbar. Es waren jüdische Ideen, womit Anaxagvras, Sokrates und Andere der irreführenden und Sitten verderbenden Macht des heidnischen Priestertums entgegentraten. Verbannung und Tod, welche diese Philosophen für ihre Bahn brechende Opposition und ihre, angeblich die Jugend verderbenden, sie andere Götter lehrenden, Borträge erlitten, sind nur die Parallelen zu dem ähnlichen Tode des christlichen Religionsstifters- In ähnlicher Weise wurden die aufgeklärten und aufklärenden Philosophen Griechenlands von den heidnischen Priestern der Irreligiosität, des Abfalls und des Unglaubens angeklagt, wie die Juden bei den Römern aber- und ungläubig galten, weil sie nicht wie diese die Götter in sicht- und greifbaren Gestalten und Bildern anbeteten. Die eivilisatorische Macht des Christentums, welche wir vollständig anerkennen, beruht vollständig und durchgängig auf den Ideen, welche dasselbe vom Judentum entlehnt und den Völkern des Oeeidents zu bringen übernommen hat, wie dies für den Orient seitens des gleichfalls auf dem Judentum fußenden Islam geschehen ist. Der mächtige Einfluß, welchen die spanischen Juden des Mittelalters auf die Wissenschaft und Bildung der ganzen Welt übten, ist ein anerkanntes geschichtliches Ereignis. Auch hierfür hatten die Juden von der die Freiheit des Denkens beschränkenden Kirche zu dulden; sie erlitten in Masse dafür den Feuertod oder Verbannung. Als Typus hierfür gilt der Träger der spanisch-jüdischen Philosophie: Maimonides. Er mußte ans Betreiben der Inquisition in die Verbannung wandern, und seine Schriften wurden verbrannt und verpönt, wohl nicht ohne Mitwirkung einzelner jüdischer Gelehrten, aber hauptsächlich durch Schuld des christlichen Klerus. In gleicher Weise ergieng es Spinoza. Auch er stellte sich in den Riß gegen die das freie Denken heinmende Scholastik, welche auf christlichem Gebiete die Wirkungen der Refor-

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