Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 meinen, dies besonders bedenken und sich zu Herzen nehmen." Die jüdische Presse, die so nach innen den Götzen des Wahnes bekämpft, und dem Wurme der Negation und Zweifelsucht, der an der Wurzel des Judentums nagt, den Kopf zertritt, hat auch den Verteidigungskampf nach außen zu führen. Worin aber eine Hauptaufgabe der Presse liegt, sie wird mit allem Eifer dahin wirken, das Studium der jüdischen Literatur zu fördern. Mit unerhörter Kälte steht das jüdische Volk der jüdischen Wissenschaft und den Vertretern derselben gegenüber und giebt sie schimpflich und schändlich Preis. Der beste Teil des jüdischen Geistes liebt in seiner Literatur, welche quantitativ und qualitativ jeder Literatur stolz an die Seite gesetzt werden kann. Und doch, die meisten Glaubensgenossen haben keine Ahnung von einer jüdischen Literatur und lassen zuweilen die Träger derselben hungern und darben. Und wir, die wir die berufenen natürlichen Interpreten der jüdischen Literatur vor dem Forum der Weltliteratur und der Völker sind, müssen literarische Bestrebungen stützen und fördern, anstatt daß wir sie als unpractisch und nutzlos betrachten. Die Mischen Schriftsteller müssen heute mit Zagen daran gehen, ein neues Werk der Öffentlichkeit zu übergeben, weil sie gewöhnlich, und darauf deutet schon die Vignette „Im Selbstverläge des Verfassers" hin, nicht auf die Druckkosten kommen. Wer zählt die Leiden der armen jüdischen Literaten, dieser Märtyrer des jüdischen Volkes? Der Feuereifer und die Begeisterung des jüdischen Schriftstellers müssen unter so gearteten Verhältnissen erlahmen und wahrlich nicht zum Nutzen des jüdischen Volkes. Ein literarisches Mäcenatentum, das bei allen übrigen eivilisierten Völkern die Literatur so mächtig hebt, giebt es leider im Judentume nicht und ist auch unter den vielen nahmhaften Stiftungen noch kein bedeutendes Legat zu literarischen Zwecken gemacht worden. Und haben wir nicht in unserer Mitte auch zahlreiche stolze Barone, Ritter und Millionäre? Strecken sie auch nur den Finger aus, um die jüdische Literatur zu stützen? Die jüdischen Pairs und Lords haben in ihren Bibliotheken noch nicht einmal Raum für ein jüdisches Werk. Wenn es gilt, die Juden zu verlästern, so hält man uns unsere Reichen vor. Doch die jüdische Wissenschaft thut den traurigen Ausruf: „Ihr meine Getreuen, die ihr mich stets liebet und pfleget, saget es in meinem Namen Eueren Brüdern, sie haben mir mit grausamer Lust den Todesstoß versetzt — doch..sie selber folgen mir bald nach, wenn es nicht anders wird". Hier muß eine Änderung zum Besseren eintreten. Die Reichen müssen die geistigen Bestrebungen des Judentums fördern und durch Geld stützen, denn auf sie zunächst sind die Augen unserer scheelen Gegner gerichtet. Stärket gute dahin zielende Bestrebungen, so lange es noch Zeit ist, stärket aus all Eueren Kräften das Judentum, damit es in den Tagen der Not auch Euch ein festes Bollwerk der Verteidigung werde und vergesset nicht daran, daß Ihr dem Judentume Eueren Glanz verdanket. Seht doch, die Ihr so gerne Fremdes nachahmet, einmal hin aus die christlichen Cavaliere und lernet es dem hohen christlichen Adel ab, wissenschaftliche Bestrebungen zu fördern. Und die Presse hat dann auch die Aufgabe, die Trägerin der Cultur zu den Juden des Ostens zu werden. Nur unter der Fahne des Lichtes und der Aufklärung kann das Judentum gedeihen. Vergessen wir nicht, von den sieben bis acht Millionen Juden ist noch kaum ein Drittel aufgeklärt und erleuchtet. Der größte Teil liegt in den Banden geistiger Verwilderung dem religiösen Obscurantismus und Zelotismus verfallen. Hier liegt ein weites Feld zur Arbeit. Nicht zum Geringsten findet der Antisemitsmus in Österreich-Ungarn wie in Deutschland seine stärkste