Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Schenkungen für die Vereins-Bibliothek; Beilage 2 enthält einen Aufruf und die dringende Bitte um Sammlungen für die Begründung fester Heimstätten. Beilage 3 Statuten der isr. Allianz zu Wien. Beilage 4 Musterstatut für die Filialen. Eine wahre Zierde dieses Jahresberichtes ist ein Excurs von Josef Ritter v. Wertheimer, Präses der Allianz über die Emanzipation unserer Glaubensgenossen. Mit dem heutigen Tage, sagt der Redner, vollendet sich mein 82. Lebensjahr, und es vollendet sich damit zugleich mein 70. Dienstjahr in den Reihen der Kämpfer für das Recht und für die Freiheit unserer Glaubensgenossen. Denn schon den zwölfjährigen Knaben entflammte die Unbill, welche die Aechter und Verächter seines Glaubens und Stammes diesem zufügten, zum begeisterten, wenn auch ungelenken Worte. Seitdem ist der Kampf in Israel und für Israel gar oft an mich herangetreten, und ich habe mich, wie der schwachen Kraft, so auch des festen Willens bewußt, in die Reihen der Combatanten bis zum heutigen Tage gestellt. Nun aber winkt die Friedenspalme mir zu, und so sei es mir vergönnt, bevor sie sich iiber mich neigt, noch einige Worte an meine Kampfes- und Leidens-, Stamnies- und Glaubensgenossen zu richten, vertrauend, daß, wie sie vom Herzen kommen, sie auch wieder ihren Weg zu dem Herzen finden werden. Der Verfasser spricht von der Emancipation nach außen, da sei darauf zu achten, daß nicht irgend eine Rechtsungleichheit vor dem Gesetze sich auf die socialen Verhältnisse übertrage. Wo jenes dem Juden auch nur ein gelbes Fleckchen anhängt, da werden namentlich die unteren Gesellschaftsklassen einen Entschuldigungsgrund in der bis zu Angriffen auf die Sicherheit des Lebens und der tiefer gehenden Mißachtung des mehr oder minder zum Paria gestempelten Juden erblicken. Indem der Verfasser einen Überblick über die politischen Verhältnisse aller Israeliten auf der Erde wirft, sagt er: Wo nun die Erlangung der zukommenden Staatsbürgerrechte in so nebelhafter Ferne liegt, wo es so ungewiß ist, die Israeliten zu Staatsbürgern zu machen, da ist vorzusorgen, daß sie als Weltbürger ihre Stelle in der menschlichen Gesellschaft einnehmen können. Hierzu wird — wenn wir vor allem die Massen vor Augen haben — die Verwendbarkeit zum Ackerbau und zu Handwerken zuiueist qualificieren. Tief eingehend bespricht dann der Verfasser die Auswanderungsverhältnisse, und kommt dann auf die Emancipation nach innen in Bezug auf die frühzeitige Verheiratung der Kinder, auf die Ehescheidungen und ihre Bestimmungsgründe, wobei ich folgenden Passus eitiere: Welch ein greller Kontrast gegen die uns durch die Tradition bewahrte Sitte der Eheschließungen in den Tagen der Selbständigkeit. Da wurde der heiligste Tag, der llolu-Lipuidazu erkoren, daß die Jünglinge ausgingen sich Gattinen nach Herzensneigung und Überlegung zu erwählen, und die für jeden Tag anberaumte Verlesung des Wochenabschnittes, in welcher vor Schließung unerlaubter Ehebündnisse gewarnt wird, beruht ganz allein auf dieser Bestimmung, die nun gegenstandslos geworden, in unserer Zeit mit Recht beanstandet und in der Synode zu Augsburg zur Abstellung empfohlen wurde. Zll der Reform in der Familie gehört auch die Erziehung der Kinder, worüber der Verfasser sehr niitzliche Lehren giebt. Schule und Haus, sagt der Verfasser, das sind die Arsenale, in welchen unsere Waffen gegen die wilden Ausbrüche des Antisemitismus — dem neuen Worte für die alte Niedertracht — geschmiedet werden. Waffen, deren wir im Kampfe um das Dasein mit den Verhältnissen und mit den zu Unmenschen entarteten Menschen dringend benötigen „und die uns in den finstern Zeiten, da selbst Päpste zu dem Wissen jüdischer Ärzte ihre Zuflucht nahmen, zur Abwehr gedient haben.