Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fkptiir - umsenscksstlic^ ottttfsi b lütter 5 in: töcfcljntng 116er Das Judentum für Gebildete aller Confeffionrn. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vi. Adolf Brüll. Abonnelllentspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des Inmtb Auslandes. 2. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. November 1882. Nummer 11. Me deutschen Juden vor und in fünfzig Jahren. Von Emil Lehmann, Rechtsanwalt in Dresden. l Fortsetzung.) Ein frommer Jude durfte vor 50 Jahren nie barhaupt sein, selbst nachts nicht. Ich entsinne mich, daß die Orthodoxen Geiger zum Vorwurfe machten, er schlafe ohne Nachtmütze. Nun die hat er unfern Glaubensgenossen gründlich heruntergezogen! Noch größeres Ärgernis erregte es, daß er sich rasiren und nicht mit Benutzung der übelriechenden Salbe zwicken ließ. Das Fasten gehörte zu den Gewohnheiten. Außer dem großen Jomkippurfasten wurden auch die verschiedenen Erinnerungstage an die Zerstörung Jerusalems, der Sterbetag Gedaljas, der Fasttag der Esther von den Frommen durch Nüchternheit gefeiert, Manche fasteten am Vorabende jedes Neumonds, Andere sogar allwöchentlich Montags und Donnerstags. Eine ganz besondere Scheu und Ängstlichkeit waltete schon mehrere Wochen vor Neujahr und in der Zwischenzeit von Neujahr und Versöhnungstag, wie an diesen „ehrwürdigen Tagen" selbst. Schon vor Tag begann der Gottesdienst mit zahllosen Verzeihungsgebeten in unendlichen Wiederholungen. Die Gebetschulständer wurden mit Servietten bedeckt, sie sollten weiß sein, wie die Beter weiß und rein hervorgehen wollten aus denl Gerichtstage. Wochenlang allmorgens fortgesetzte endlose Schofarklänge, und hinwiederum deren plötzliche Unterlassung am Vorabend des Neujahrs, ihr wirres Durcheinander am Schlüsse des Neujahrsgottesdienstes — das Alles sollte Satan irre führen, damit er, der himmlische Staatsanwalt, es versäume, am Gerichtstage zu erscheinen und den Ankläger zu spielen. Am Neujahrstage ging's an den Fluß, um mit