Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DoMlÄ -MMnsMMckq zur Zeteyrnug über das Judentum für Gebildete aller Confeffionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von v I Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 2. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. September 1882. Nummer 9. Pie Aristokratie des Judentums. Bon vr. Ad. Kurrein, Rabbiner in Linz a/D. Unter den reichen Schätzen des Wissens und der Lebensanschäuungen, die die Bibel und das Judentum in ihren ergiebigen Fundgruben bergen, nimmt einen der ersten Plätze die Idee ein: Die Herrschaft der persönlichen Tüchtigkeit. Sie durchzieht nicht nur wie ein goldener Faden die ganze Bibel und das Judentum in der Theorie, sie hat sich durch eine vieltausendjährige Praxis in den Geist des jüdischen Volkes ganz eingelebt und sich mit ihm unzertrennlich verbunden. Dieser Gedanke war auch ein nicht zu verkennender Faktor in der Erziehung des jüdischen Volkes, denn da wo jeder weiß, nicht Geburt, nicht überkommenes Recht, nicht Vorurteil, nur der persönliche Wert entscheidet, da kann Talent und Genie zur Entfaltung kommen, da sucht auch jeder einzelne seine Kräfte anzustrengen, sie zur Geltung zu bringen und das Bestmöglichste zu leisten. Dieser Grundsatz, die Herrschaft der persönlichen Tüchtigkeit, der einzig und allein im Stande ist, die Menschen, sei es nun zu tüchtigen Arbeitern auf dem Gebiete des Geistes und des Lebens, sei es nun zu sittlichen Eharacteren zu erziehen, blitzte zu wiederholten Malen im Geiste der Menschen wie ein Funke himmlischen Lichtes auf, ja suchte sogar als die ewige Lampe des Genies leuchtend bei der Menge sich zu erhalten, konnte aber in keiner Zeit und bei keinem Volke dauernd sich behaupten, nur das jüdische Volk hat diesem Gedanken den Boden zum unausrottbaren Wurzeln in seiner Mitte urbar gemacht und das Judentum Lebenskraft ihm gegeben. Das ist die Aristokratie d. h. die Herrschaft der Besten im Sinne Aristoteles. Dieser Philosoph, der als Bürger Griechenlands die verschiedensten Staats-