Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969684-2969693--0518-2970941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 Inhalts, daß nur gewisse Fleischer das Recht haben, das Prädikat „unter Aufsicht des Rabbinats" zu führen. — Gottlob! Israel ist gerettet, denn das Berliner Rabbinat constituirt sich als Schächter- und Fleischer-Aufsichtsbehörde. *) Und das in einer Zeit, wo man in Rußland Tausende ins Elend jagt, weil und obgleich sie sich um Koscher-Essen mehr gekümmert haben, als darum, wie man ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft wird; in einer Zeit, wo man in Oesterreich-Ungarn behauptet, die Juden benützten Menschenblut zu ihrem Gottesdienste; in einer Zeit, wo in Berlin noch täglich in einer Haupt-Verkehrsstraße (der Jerusalemer) an einer Zeitungs-Verkaufs-Stelle rote Placate die Schrift empfehlen: Ueber die Gemeingefärlichkeit des jüdischen Einflusses." — Alles das geschieht aber — die Berliner Gemeinde hat bisher noch keinen gefunden, der als „Wächter, auf den Mauern Jerusalems" gerufen hätte: Höret auf den Schall des Schofars", denn diejenigen, deren Beruf das wäre, die Rabbiner — nun sie sind ja beschäftigt mit Veterinär — und anderer Polizei! — Da bleibt keine Zeit, nach dem so nahe liegenden Vorbilde Vereine zu bilden, in denen Lehren über Moral und Ethik verbeitet, in denen wahrhaft jüdische Ideen gelehrt werden — Jünglings- Vereine, Jungfrauen-Vereine, in denen die Jugend aufgeklärt werde über die hochherrliche Religion, der sie angehören, aufgeklärt darüber, daß - wenn irgend wo in der Welt, an Höfen und in Palästen, in Kirchen und Kapellen — ein ernstes Fest, ein kirchliches oder vaterländisches gefeiert werden soll, es unsere Psalmen sind, die man singt — daß es Sprüche unseres Salomon sind, Worte unserer Propheten, die das Alpha und Omega jeder Betrachtung sind. Und diese Erkenntnis, die sich immer mehr verbreiten und welche natürlich mit der Belehrung verbunden sein müßte, daß koschere Fleischhandlungen unsere Religion gar nicht tangiren, diese Erkenntnis würde die jüdische Jugend geeignet machen, die Segnungen der vollständigen Gleichberechtigung immer mehr so zu genießen, daß diejenigen, die heute noch mit Mißtrauen, ja mit Abneigung die jüdischen Deutschen betrachten, endlich zu der Ueberzeugung gelangen, daß in Wahrheit das Christentum in seiner Morallehre nichts enthält, was nicht das Judentum der Propheten (nicht das der mittelalterlichen Codices) schon gelehrt hat. — Wie dies aber zu erreichen, darüber Gedanken auszusprechen, wollen wir uns einer späteren Betrachtung Vorbehalten, wenn die geschätzte Redaction uns den Platz dafür gewährt.**) *) Red. Das uns noch von anderen Seiten zugegangeue Circular der Nachfolger Geiger's und Aub's lautet: Berlin, im April 1882. An die geehrten Mitglieder der jüdischen Gemeinde hier. Es sind in letzter Zeit wiederholt Irreführungen dadurch vorgekommen, daß Fleischwaaren-Händler, die nicht unter unserer Aufsicht stehen, Firmirungen gebrauchten, wie „Unter Aufsicht" oder „Unter Aufsicht eines Rabbinats-Schächters" und ähnliche. In Folge dessen sieht sich das Unterzeichnete Rabbinat zu der Mitteilung veranlaßt, daß nur diejenigen Geschäfte, welche „Unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats" firmiren, unter unserer Controle stehen. Für die rituelle Beschaffenheit alles übrigen, in Läden oder auf Märkten als koscher feilgebotenen Fleisches lehnen wir jedwede Verantwortung ab. Das Rabbinat der jüo. Gemeinde, vr. Ungerleider, vr. Frankl, vr. Maybaum **> mit größtem Vergnügen. Red. Inhalt: Was lernen wir vom neunten Ab? Bon vr. N. Brüll. — Semitisches und Antisemitisches aus Österreich-Ungarn. Das Mädchen von Tisza-Eszlar. Bon vr. David' — Die Juden in Sicilien. Bon Jsidoro La Lumia. — Geschichtsbilder. Bon vr. M. H. Friedländer. — Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: vr. Adolf Brüll; Verlag von Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein) sämmtlich in Frankfurt am Main.