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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-04-01 · Heft 4 (1.4.1882) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 95 (sequence 23)
Language
German
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95 Juden durch Herzensgute und Mildtätigkeit aus und unterscheiden sich vorteilhaft von den sogenannten Frommen in Deutschland, daß sie sich nicht so äußerst strenge, so peinlich und ängstlich au den Buchstaben halten, auch sind sie äußerst tolerant, müßig und genügsam bis zur Askese. Der Menschenschlag ist ein schöner und trifft man in Wilna Jdealgestalten von Menschenformen, oft auch wahre Hünengestalten und fallen besonders alte Leute durch ihre Wolgestalt auf. Auch der Mädchenwelt schenkte der Reisende seine Aufmerksamkeit und verlohnt es sich seinen Schilderungen nach an Sabbatnachmittagen den botanischen Garten, den Sammelplatz der Wilnaer Juden, zu besuchen, woselbst man Mädchen von feiner, zarter, edelgeformter Gesichtsbilduug sehen kann, die an gewöhnlichen Tagen nicht so zum Vorschein kommen, wodurch man veranlaßt werden könnte, iu seinem Urteile über die Wilnaer Mädchen ungerecht zu werden. Der russische Jude hängt mit Liebe an seinem Vaterlande, am Kaiserhause und hält die russische Staatsverfassung für die beste, worüber vielleicht nach den jetzigen traurigen Vorgängen bei Vielen sich die Ansichten geändert haben werden. Auch die Reform auf Mendelssohn'schem Standpunkte hat in Wilna Anhänger, deren Sammelpunkt die sogenannte „Berliner Schule" ist, welche sich von anderen Synagogen dadurch unterscheidet, daß statt des wirren Durcheinanders daselbst ein Chor auzutreffen ist und überhaupt mehr Wert auf Ordnung und Schönheit im Gottesdienst gelegt wird- Der Verfasser gibt uns noch einige Mitteilungen über Minsk, wodurch mau ein Bild gewinnen kann über die ungeheuren Schäden, die jährlich durch das Feuer iu Rußland angerichtet werden. Wir beschließen unser Referat mit Rüls's eigenen Worten: „Leider, leider, daß alles Gute unserer russischen Glaubensgenossen in so wenig ansprechender Form sich kundgibt und daß man das Häßliche mehr verabscheut als das Schlechte. Hier ist der geheimnisvolle Grund, weshalb der russische Jude die Beachtung nicht findet, welche er verdient. Mau kennt den russischen Juden nicht, man kennt den Juden überhaupt nicht, der Jude kennt sich selber nicht" und mit dem Wunsche, daß sich zur Tugend auch Schönheit geselle, damit das Judentum in Rußland würdig in Erscheinung trete und sich als eine Lebensniacht bewähre, die Selbstachtung nach innen bringen, der Achtung und Anerkennng von außen folgen muß. Personalien. (Prof. Moritz Oppenheim.) Samstag den 25. Februar 1882 8 Uhr abends starb daheir der in weitesten Kreisen berühmte Maler Prof. Moritz Oppenheim. In Hanau am 20. Januar 1801 geboren, wurde er trotz seiner hervorragenden Fähigkeiten im Zeichnen von seinen Eltern für den Knufmannsstand bestimmt und erst in seinem 18. Lebensjahr war es ihm gelungen, ungestört seinem Genius folgen zu können und die künstlerische Laufbahn §n betreten. Oppenheim erhielt seine Ausbildung in München, Paris und Rom und ließ sich, nachdem er sieben Jahre erfolgreich gearbeitet, im Jahre 1825 in Frankfurt nieder. Durch die Bilder aus dem jüdischen Familienleben, die eine ungemein große Verbreitung gefunden, hat er sich am meisten ausgezeichnet. Diese Bilder hat Oppenheim in seiner K indheit lebendig vor sich gesehen und es verstanden, sie zu verklären durch den Hauch poetischer Empfindung, der sie alle durchweht. Er hatte in Hanau und auch in

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