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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-04-01 · Heft 4 (1.4.1882) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 Harandas, irrrtümlich als Brandweinschenken beschrieben, aber in der Thal allgemeine Waarenlager, wo Wein und Spiritualien verkauft werden, verhindern. Wir haben auf die Perejaslawer Petition hingewiesen, dast Jüdinnen keine Seide und Satins tragen sollten. Diese Austreibungen und Petitionen waren die einzige Antwort, welche die Stadträte Rußlands in der Judenfrage gaben. Indessen, was ist in dieser Sachlage geschehen? Nicht schwer ist es, zu erraten, welche Mittel vor dem ersten Erscheinen der anti-jüdischen Gesinnung im Süden hätten angewendet werden können oder müsse». Wenn Befehle gegeben worden wären, daß jeder General-Gouverneur jüdische Gemeinden mit einer Wache zu versehen habe, auf das Gesuch des Rabbiners nnd der Gemeindeältesten; wenn irgend ein Edikt erlassen worden wäre, welches allen Schaden, der den Juden durch Aufstände zugefügt wurde, den Communalabgaben der Stadt oder des Dorfes zugeteilt hätte, wenn, vor Allem, eine Proklamation erlassen worden wäre, erklärend, daß alle jüdische Unterthanen so gut zum Schutze des Lebens und des Eigentums berechtigt wären, wie ihre orthodoxen Mitbürger, und die Existenz eines jeden Ukases verneinend, der das Eigentum der Juden übertrage, — die Annahme mag eine sichere sein, — daß die Unruhen nicht so weit hin sich verbreitet haben würden, und gewiß nicht so lange gedauert haben würden. Anstatt dessen wurden zu Kiew Instruktionen erlassen, daß das Militär erst in der äußersten Notlage herbeigezogen werden solle. Schon am 23. Mai sprach der Czar, von einer Deputation der Petersburger Juden, unter der Führung des Baron Günzburg, angegangen, seine Absicht aus, nunmehr dem Übelstande ein Ende zu machen. Demgemäß wurde Graf Kutaissow nach den« Süden abgesandt, um Nachforschungen zu halten. Er kehrte zurück mit dem Reftlltate, wie es scheint, daß noch weitere Nachforschungen nötig seien. General Jgnatiev ergriff die Gelegenheit, ein System einzuführen, durch welches die Zemstvos, oder Provinzialversammlungen, durch Lokalcommite's von Experten über dieses spezielle Sujet ersetzt werden sollten; am 3. September war dann folgendes Rescript erlassen: «Seit einiger Zeit hat die Regierung den Juden und ihren Verhältnissen zu den übrigen Einwohnern des 'Reiches, ihre Aufmerksamkeit geschenkt, in der Absicht, die schlimme Lage der Christen, welche durch das geschäftliche Verhalten der Juden herbeigeführt wurde, zu erkennen. „Seit den letzten zwanzig Jahren hat die Regierung in verschiedener Weise versucht, die Juden den andern Einwohnern zu nähern, und hat ihnen fast gleiche Rechte mit der eingeborenen Bevölkerung gegeben. Die Bewegungen indeß gegen die Juden, welche vergangenes Frühjahr im Süden Rußlands begannen, und sich dann nach Mittelrußland verbreiteten, zeigen unbestreitbar, daß alle ihre Versuche unwirksam waren, und daß eine gehässige Gesinnung jetzt wie immer seither unter den jüdischen und christlichen Einwohnern dieser Gegenden herrscht. Nun haben die Verhandlungen bei dem gerichtlichen Verfahren gegen die des Aufstandes Beschuldigten ergeben, wie auch andere Zeugnisse, daß die Hauptursache dieser Aufstände und Bewegungen, — welcher die Russen als Nation fremd sind, - nur eine geschäftliche war, und die folgende ist. Seit den letzten zwanzig Jahren haben sich die Juden allmählich nicht nur in den Besitz jedes Geschäftes und Handels aller Branchen gesetzt, sondern auch durch Ankauf und Pachtung in den eines großen Theiles des Landes.

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