Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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50 der Zeit zu einem silbernen, ferner zu einem bleiernen und zuletzt zu einem eisernen verschlechterte. — Freilich! in gewisser Beziehung könnte man nach dieser Annahme fast glauben, daß wir uns schon im bleiernen, ja sogar im eisernen Zeitalter befänden — im bleiernen der Drucklettern, womit man Lügen und Verleumdungen selbst unter das sogenannte „Volk der Denker" verbreitet, und wiederum im bleiernen der Schußwaffen, womit selbst zur Friedenszeit so zahlreiche Heere gegeneinander gerüstet sind; dann im eisernen jener barbarischen Naturen, die namentlich im östlichen Nachbarstaate gegen eine wehrlose Bevölkerungsklasse wüten. — Wenden wir aber unfern Blick auf die außerordentlichen Errungenschaften der Gegenwart auf dem Gebiete der Naturwissenschaft und Philosophie, der Gesittung und Bildung, Cultur und Civilisation im Allgemeinen gegenüber den inhumanen Zuständen im Mittelalter, so können wir unmöglich unsere Zeit als eine verschlechterte betrachten! Die heilige Schrift nimmt daher den entgegengesetzten Standpunkt ein, indem sie erzählt, nachdem das erste Menschenpaar das Paradies kindlicher Unschuld verlassen hatte, bei den Nachkommen gar bald durch die Leidenschaft des Neides und der Mißgunst ein Brudermord vollführt wurde; und es bedurfte mehrerer Jahrtausende, bis die Menschen zur wahren Erkenntnis und Bildung gelangten. Ja, vielleicht verstreichen noch viele Jahrhunderte, bis die Humanität den Sieg über die ganze Menschheit errungen haben wird, wo dann, wie der Prophet verkündet „kein Volk gegen das andere das Schwert erhebt und die Menschen nimmer mehr die Kriegskunst üben! (Jesaja 2, 4.) Nach dieser Einleitung wollen wir die verschiedenen Arten von Aberglauben betrachten und zunächst die Bedeutung dieses Wortes erörtern. Das Vorwort „Aber" stammt von dem veralteten Verhältnißwort „After". Demzufolge bezeichnet das zusammengesetzte Begriffswort „Aberglauben" ein gegenüber dem wahren Glauben.,sich äußerndes übermäßiges und falsches Glauben*), wobei Natürliches und Übernatürliches mit einander vermengt und bald von natürlichen Ursachen übernatürliche Wirkungen erwartet, oder — umgekehrt — natürliche Wirkungen von übernatürlichen Ursachen abgeleitet werden. Es giebt darum nicht nur einen religiösen, sondern auch einen physischen Aberglauben. Wenn Jemand z. Bglaubt, daß gewisse Krankheiten von schädlichen Geistern veranlaßt werden, so ist das ein religiöser Aberglaube; oder wenn man glaubt, daß die Erscheinung von Kometen am Himmel Vorboten von Landesplagen, wie Krieg, Pest, Hungersnot re. seien, so ist das ein physischer Aberglaube. Ebenso ist zu unterscheiden zwischen Irr- und Aberglauben. Bei jenem ist der Zusammeuhaug von Ursache und Wirkung nicht übernatürlich, jedoch irrtümlich. Wenn man z. B. —• wie das öfters auf dem platten Lande geschieht — meint, daß die Mixtur eines sogenannten Wunderdoctors alle möglichen Krankheiten heile, so ist das Irrglaube. Glaubt man andrerseits natürliche Krankheiten mündlich durch sogenannte Beschwörungen zu heilen, oder schriftlich durch sogenannte Amulette zu verhüten, so ist das Aberglauben. Anders verhält es sich jedoch mit dem andächtigen Gebete, das ein Kranker — mit oder ohne Lippenbewegung — selbst verrichtet, wodurch Geist und Gemüt im Vertraue» auf Gott, den Schöpfer der Natur ermuntert und gestärkt werden und — da „der Geist das Fleisch beherrscht" — zuweilen auch *) Gerade wie das Wort „Aberwitz" oder „Afterwitz" einen schlechten Witz oder falsche Weisheit bedeutet.