Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DoMir-rvMemclmftliclih zur Netehrung über dn8 Judentum für Gebildete aller Confrfsionrn. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben V0ll vi. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 2. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. Januar 1882. Nummer 1. Hlnsere Aufgabe. Bon Rabbiner Guttmann in Hohenems. „Laßt uns wandeln im Lichte des Ewigen!" Wie flehentliche Bitte tönt dieser Ruf an unser Ohr, uttb wir möchten ihn mit tausend und abertausend jungen hinaustragen, auf daß er mächtig erklinge in jedem israelitischen Herzen, in jedes Menscheil Brust, auf daß er die Mutigen, die bei aller Schmach und Verkennung das göttliche Feuer hüten, wahren und unterhalten, stähle, die Verzagten und Hilflosen, die den Zwiespalt des Lebens mit der Religion sehen, und vergebens bemüht sind, sich aus demselben zu befreien, kräftige, die Gleichgiltigen, die Dasjenige, was unseren Vätern das Erste und Heiligste war, als das Letzte als nnbedelltende Nebensache behandeln, aufrüttle. Jeder Nerv, jedes Herz und jeder Kopf, die höchsten Güter des Judentums, seine gesammte Kraft, seine ganze Intelligenz, sein in vielhundertjährigen Leiden bewährter Heldenniut, müssen eingesetzt werden zur Abrvehr der Gefahr, welche das Göttliche, das Ideale, die Gewissensfreiheit, den Fortschritt bedroht. Die traurige Thatsache, daß der Verfall des religiösen Geistes und Lebens, blaßkrünklicher Jndifferentismus, Zerfahrenheit und Unklarheit in religiösen Anschauungen in erschreckendem Maße um sich gegriffen, wird keinem denkenden Beobachter entgangen sein. Ebenso muß die traurige Thatsache anerkannt werden, daß unserer Zeit der ideale Sinn, wirkliche Sittlichkeit, der verklärende Zauber religiöser Erkenntnisse abhanden gekommen ist und das sichere Gefühl für Wahrheit und Recht, die ehrliche, gerade Gesinnung und Handlungsweise, die Thaten reiner Liebe und Begeisterung mehr und mehr schwinden.