Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- Seite 271 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Jaul de Murgos. *) In der Kathedral zu Burgos Ruht der Erzbischof Alonso, Feierlich ist die Kapelle, Die dem Sarkophag geweiht. Weißer Marmor giebt uns wieder Des Geheiligten Erscheinung, Mit des Erzbischofs Emblemen Harret sie des jüngsten Tags. Pietätvoll ist gebreitet Ueber das Gebild. das heil'ge, Eine rothe Sammetdecke, Dargebracht von frommen Händen. D.m Alonso ward gefeiert Mehr noch als sein Vater Paulus, Der des Hauses Ruhm begründet, Als er sich zum Heil bekehrte. vierzig Jahre zählte Paulus Als der heil'ge Geist ihm nahte, Ihn aus Finsternis; befreite Und aus schweren, bangen Zweifeln. Er vertauschte seinen Namen, Der ihm gute Eltern gaben; Salomo Halevi neigt sich Um des Heil'gen Namen Paulus. Seine alte Mutter folgte. Und es folgte ihm sein Bruder, Alle seine Kinder folgten Seinem Wort, von Gott erleuchtet. Alle kehrten sie den Rücken Judas Stamme, dem gebeugten, Wandten sich zum neue;; Bunde, Der in Glück und Herrschaft strahlt. Nur Johanna, Paulus Gattin, Weigerte sich der Berläugnung Ihres so geliebten Glaubens, Der ihr Kraft und Hoffnung gab. Groß ist wohl die Gattenliebe, Groß die Liebe einer Jüdin, Größer aber ist die Liebe, Die ihr Herz erfüllt zu Gott! Paulus stieg von Würd' zu Würde, Bis ihn Burgos, sein Geburtsort, Dem zur Ehre er gereichte Als den Erzbischof begrüßte. Alles jauchzte seinem Einzug, Lauter Jubel füllte Burgos; Des Palastes Pforten glänzten, Ihn mit Würde zu empfangen. Ihn empfingen im Palaste Tief gerührt die alte Mutter Und sein gutes Weib Johanna, Das die Gattenlieb' bezwang. Sieht ihn in dem Festgewande Mit der Miene eines Heil'gen — Alles neigt sich voller Ehrfurcht Harret sehnsuchtsvoll des Segens. Da ergreift sie die Verzweiflung, Reißt sich los von dem Berräther, Stürzt hinaus mit heißen Thränen, Schreit zum Gotte Israels. — Paulus sieht es ungerühret, Ob er auch sie innig liebte, War sie ja sein ganzes Leben, Das sein Herz mit Freude füllte. Nur noch härter ward sein Wesen, Und er wandte sich mit Eifer Gegen die verlassenen Brüder, Schmähte sie mit gist'gem Hohn. Suchte jetzt, sich zu betäuben, Drückte jede Stimme nieder, Die ins Ohr ihm Duldung raunte Gegen das gehetzte Volk. Früher unter den Verfolgten, Ward er selbst jetzt ein Verfolger; Mit des Erzbischofes Stabe Schlug er jede Meinung nieder. Doch nichts scheuchte seinen Kummer, Daß sein Weib ihm schien zu zürnen; Tag und Nacht sann er auf Mittel, Ihre Liebe zu gewinnen. „Hat das Leben uns entfremdet, Nun, so soll der Tod uns einen!" Eine Klosterkirche baut er, Ward geheißen einst St. Pablo. Dahin ward gebracht Johanna, Als im Tod sie Paulus folgte, Ward gebracht von ihren Söhnen, Die sie gleich dem Vater liebten. *) Vergleiche über ihn l)r. N. B r ü l l Jahrbücher für jüdische Geschichte und Literatur I V. Jahrgang, S. 5)0. Paulus Burgensis war früher Rabbiner zu Burgos und hieß Salomon Levi. Bei der Taufe erhielt er den Namen?au!u8 äs Santa Maria. Die Red.