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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-10-01 · Heft 10 (1.10.1881) · p. Seite 226

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 10 (1.10.1881)
Date
1881-10-01
Page
Seite 226 (sequence 2)
Language
German
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226 und Frieden verheißt den Fernen wie den Nahen und Niemand von ihm verstoßen und verworfen wird, der nicht selbst sich von ihm wegwendet und mit eigener Hand das heilige Band der Religion zerreißt, das den Menschen zu feinem Gotte hinzieht. „Kinder seid ihr des Ewigen Eures Gottes". Der Herr, der Liebe uns verheißet, Liebe Allen, die seinen heiligen Namen bekennen, auch wenn sie einst durch Gedanken des Frevels und Thaten des Unrechts ihn beleidigt hatten, offenbart sich uns da als ein Vater, der allen seinen Kindern mit gleicher Treue zugethan ist und keines auf immer verläßt und verstößt. Seine Kinder nennt uns der Herr und wenn es auch heißt, bemerken unsere Weisen, „sie sind thörichte Kinder, sie kennen den Weg des Herrn nicht, auf bent sie dahinwandeln sollen, das Recht ihres Gottes nicht, das sie bewahren und ausüben sollen;" doch werden sie noch immer Kinder genannt, und wenn auch die Propheten von ihnen sagen „sie seien böse und verdorbene Kinder, die den Ewigen verlassen, den heiligen Gott Israels herabgewürdigt und in ihrer Entartung tief gesunken sind" — noch immer werden sie vom Herrn Kinder genannt und wenn es in der Thora selbst bezeugt wird „sie seien treulose Söhne, die den Glauben der Wahrheit verwerfen und der Verkehrtheit huldigen", die das Erhabene ins Gemeine hinabziehen, noch immer sind sie des Ehrennamens nicht verlustig geworden, der sie daran erinnert, daß Gott ihnen ein liebreicher Vater ist und wo es völlig an seinen. Orte wäre, daß ihnen erklärt werde, sie seien nicht mehr das Volk des Herrn, wird ihnen immer zugerufen: „Kinder seid ihr des lebendigen Gottes", er lebt in Ewigkeit und in ewiger Liebe erbarmt er sich Euer. Als Kinder eines Vaters, dessen Liebe die alleinige Stütze unseres Heiles und Bestandes, unserer Hoffnung und Zuversicht ist, erkennen wir uns und zur Wahrheit soll werden, was der Prophet uns weiter verheißt: „Die Söhne Judas und die Sohne Israels, die so lange getrennt gewesen, sie sammeln und einen sich wiederum, ein Geist beseelt sie, der eine Gott ist ihr Haupt, ihr Führer und Schirmer, und so erheben sie sich über die irdischen Bestrebungen, die so vielfache Keime der Zwietracht in sich bergen, an diesem großen heiligen Tage, an dem der Herr die Saat seines Lichtes uns in's Herz streut, auf daß sie zu lieblicher, herrlicher Heilesfrncht gedeihe. Friede wird von Gott uns verheißen und Friede soll es auch in Israel sein, Friede mit den Fernestehenden, die es oft verkennen, daß auch sie zu uns gehören und Friede mit den Nahen, die sich uns nie verleugnen und entfremden mögen, so lehrt es uns der Ewige, der uns ein liebreicher Vater und huldvoller Spender des Friedens ist, und so soll der Riß geheilt werden, der in unserer Zeit in das Hans Israels so tief eingedrungen ist. Der Friede in Israel ist der Mahnruf des Versöhnungstages, an den das alte, unserer heutigen Seelenstinimung so zusagende Psalmwort: „Friede sei in deinen Mauern, Eintracht in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Frelinde willen will ich den Friedensgruß dir künden!" uns erinnert. Wodurch der Friede uns erhalten wird, und was wir durch den Frieden bezwecken und erzielen sollen, das ist in diesem Zurufe des heiligen Sängers, in den >vir selbst mit voller Seele einstimmen, so deutlich gesagt und so klar ausgesprochen, daß wir uns denselben als ein bleibend Besitzthum unseres Geistes und Herzens durch wahre vertiefende Betrachtung gerne aneignen dürfen. Vor den Thoren Jerusalems stand der heilige Sänger und sein Herz jubelte und ein selig Entzücken dnrchströmte sein Gemüt bei' dem Anblicke der

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