Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 # In Bonn war es ganz besonders Ritschl, der durch die ihm eigene, sinnige, anregende Art der Behandlung der classischen Literatur auf Bernays einen mächtigen dauernden Einfluß aüsübte, so daß die Liebe zu diesem Wissenszweige in ihm noch erhöht wurde. Wenn er auch durch Freitag in die orientalische Literatur und durch Brandes in die alte Philosophie eingeführt wurde, so ist Bernays doch als eigentlicher Schüler Ritschl's zu betrachten und so wurde die classische Philologie in den Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Thätigkeit gerückt. Ritschl erkannte in dem eifrigen Bernays bald ein bedeutendes Genie und hielt ihn für seinen begabtesten und tüchtigsten Schüler, der seine Aufmerksamkeit und sein Interesse durch gediegene literarische Arbeiten schon im Bonner philologischen Seminar erregte. Am 14. März 1848 erhielt er die philosophische Doctorwürde und ließ sich im darauffolgenden Jahre als Privatdocent an der Bonner philosophischen Facultät für Philologie nieder, wo er gleizeitig an der Herausgabe des „Rheinischen Museum" sich sehr lebhaft betheiligte. Seine Aufsehen erregenden Arbeiten über die Fragmente des Heraklitus, des 'dunklen Weisen von Ephesus, haben den Namen Bernays in weitere Kreise hinausgetragen. , 2n der Abhandlung über diesen Denker hat Bernays mit großem Scharfsinn eine der schwierigsten Partien der griechischen Philosophie behandelt. Aber trotzdem, daß Ritschl seinen so verdienten Schüler in sein Herz geschlossen, gelang es ihm doch nicht bei aller darangesetzten Mühe, den Mittellosen durch staatliche Beförderung vorwärts zu bringen, wie auch alle Anerkennung, die Bernays literarische Thätigkeit in weiteren Kreisen gefunden, von der Regierung mit Stillschweigen übergangen wurde und ihni so auch nicht die geringste Aufmunterung zu Theil geworden ist. Jni Jahre 1854 folgte er aus diesen Gründen einem Rufe als Lehrer an das neugegründete jüdisch-theologische Seminar Fränkel'scher Stiftung nach Breslau. An dieser Anstalt ertheilte er Unterricht in classischen Fächern und hielt Vorträge über jüdische Religionsphilosophie; zugleich war er als Privatdocent aß der Breslauer Universität thätig. Im Jahre 1857 erschien von ihm daselbst „Die Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tragödie", eine Arbeit, die in der Gelehrten-Welt großes Aufsehen erregte, nachdem er sich schon früher durch seine meisterhafte Biographie Scaligers einen wohlverdienten Rainen erworben hatte. 1861 erschien von ihm eine Schrift „Die Chronik des Sulpicius Severus, ein Beitrag zur Geschichte der classischen und biblischen Studien" in welcher Abhandlung auch auf das Verhältnis Titus zur Eroberung Palästinas neues Licht fällt. Große Gelehrsamkeit und glänzender Scharfsinn charakterisireu alle Schriften Bernays. Im Jahre 1866 wurde er an Ritschl's Stelle als außerordentlicher Professor und Oberbibliothekar an die Universität, >vo er seine Lehrjahre zurückgelegt Hatte, berufen, >vo er fünfzehn Jahre der ihm übertragenen Aemter mit großen Pflichteifer waltete. Trotz der Berufsgeschüfte in seinem neuen Doppelwirkungskreise in Bonn war seine literarische Wirksamkeit eine verhältnißmäßig reiche zu nennen. Im Jahre 1869 schrieb er über die dem Heraklit zugeschriebenen Briefe, 1872 gab er eine Uebersetzung der drei ersten Bücher der aristotelischen Politik heraus und schließlich noch die in weiteren Kreisen bekannte Schrift über „Phokion und seine neueren Beurtheiler."