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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-07-01 · Heft 7 (1.7.1881) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 7 (1.7.1881)
Date
1881-07-01
Page
Seite 174 (sequence 22)
Language
German
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174 sandt, um den gesunkenen Geist Israels wiederzuerwecken, uni uns das Theuerste wiederzugeben, was wir so lange vermißt, ein liebes Vaterland, eine edle Muttersprache. Das Volk überschritt auch die Grenzen der gernianischen Rasse, unter welcher unsere Glaubensgenossen zu Sklaven, zu Thieren erniedrigt wurden, erhob uns aus Elend und Verfall und machte uns frei, geistig, moralisch, bürgerlich. Schon blickten wir mit Stolz auf unsere großen Denker und Dichter, Grammatiker, Bibelforscher, Aerzte, Minister und Fürsten. Wir sangen frohen Herzens die herrlichen Hymnen eines Juda Halevi und Gebirol, wir nannten mit Genugthuung die Namen vieler israelitischen Berühmtheiten, deines Lehrers Mi gasch, der Philosophen Bachja und Jbn-Daud, der Sprachforscher Saruk, Gan ach, Abraham Jbn-Esra, wir sonnten uns im Strahlenglanze der jüdischen Fürsten und Minister Jbn-Schaprut, Samuel, wie seines Sohnes Joseph Jbn-Nagrela und Jehuda Jbn Esra; und nun beginnt wieder der Fanatismus sich wie ein Mehlthan über alle diese herrlichen Blüthen zu lagern und sie zu knicken. Unsere Harfen verstnmmen oder können abermals nur Klagelieder anstimmen Sind wir denn, lieber Vater, wirklich zu ewiger Wanderschaft verurtheilt?" „Der ewige Jude," entgegnete der Vater, ,.sollte besser die ewige Unduldsamkeit heißen; sobald diese aushört, hat der Jude eine Heimat. Es werden bessere Zeiten konmien. Siehst du, mein Sohn, diesen schneebedeckten Baum? wer sollte bei dem traurigen Ansehen desselben wohl denken, daß diese starren Aeste, diese zackigen Zweige in einigen Wochen schon grünen, blühen, sodann Früchte tragen könnten? Doch wir hoffen's, wir wissen's. Der Vogel baut sein Haus, die Schwalbe ihr Nest, auch unser Volk wird dereinst, wo es auck> wohnt, eine friedliche Heimat finden, ein Vaterland, welches es mit gleicher Liebe, wie seine übrigen Kinder umfassen wird. Nur müssen wir das heilig halten, um dessentwillen wir wandern müssen, und das unsere Väter treu und standhaft gehalten haben in aller Fährlichkeit, in Noth und Tod!" — Unter gegenseitiger Ermunterung und trostreichem Zuspruch hatte endlich die Familie Maimun, Vater, Mutter mit zwei Söhnen und einer Tochter, das Ziel erreicht. Am Hafen stand das Schiff mit seinen hohen Mastbäunien und stützenden Balken, mit seinem unentwirrbaren Netze von großen und kleinen Tauen, wie ein unerschrockener Kämpfer bereit, einen vierwöchentlichen Kampf mit den tückischen Fluthen des Mittelmeeres anfzunehinen. Die Reisenden stiegen ein, und als alle Kisten »nd Fässer, Fracht und Mundvorrath an Bord geschafft waren, ertönte die Schiffsglocke. Die Anker wurden gelichtet, und das flott gewordene Schiff stieß hinein in das brausende, schäumende Element. „Du bist so bleich, mein Kind. Hast du Angst?" frug der zärtliche Vater seine kaum noch zur Jungfrau herangewachsene Tochter und streichelte ihre Wangen. „Nein, lieber Vater," antwortete sie treuherzig, du bist ja bei uns und der resolute Bruder David. Auch Moses wird nicht immer studiren, sondern bisweilen uns Frauen durch Vorlesen und Erzählen die Langeweile verscheuchen, über uns Alle aber wacht ja der allmächtige Vater, der unserni Volke verheißen: „Gehst du durch das Wasser, ich bin bei dir, und durch Fluthen, sie werden dich nicht verderben!" „Du hast Recht, mein Kind," stimmte beifällig der Vater zu, „Israel ist auf offener See vielleicht noch sicherer als ans dem Festlande, die rohe Schiffsmannschaft macht keine Rassen- und Religionsunterschiede; auch die Reisegesell-

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