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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 80 (sequence 24)
Language
German
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80 glauben, ist nur allzuwahr. Möge der Herr Verfasser uns bald durch seinen Index zu der Literatur der Leichenreden erfreuen, da dadurch besonders für die Kenntniß der Todestage hervorragender Männer viel schätzenswerthes Material zu erwarten ist, und dazu ist gerade eine große Belesenheit und Literaturkenntniß, wie sie dem Verfasser in so reichem Maße zu eigen ist, von Nöthen. zur $eöenfifeier der hlmdertjähriiM SöronGefteifliuifl des hochseligen Kaisers Joseph II. Gehalten am 80. November 1880 von Dr. I. Unger, Rabbiner der isr. Cnltusgemcinde in Jglan. Jglan 1880. Verlag von Anton Bayer. Der 30. November vorigen Jahres wurde als hundertjähriger Gedenktag der Thronbesteigung Joseph's II. auch in Gotteshäusern festlich begangen. Es liegt uns eine bei dieser Gelegenheit gehaltene Rede des Herrn Rabbiner I)r. Un ger zu Jglan vor, in der mit Bezug auf Gen. 42, 6. 8. die Verdienste Joseph's um die Förderung der allgemeinen Staatswohlfahrt und um Begründung der Gewissens- und Glaubensfreiheit in schönen und klaren Worten, die in unserer Zeit sehr leseuswerth sind, betont und hervorgehoben werden. Redner schildert, wie die religiöse Duldsamkeit als die edelste Blüte an dem Baume des Culturlebens durch das Toleranz-Edict vom 15. Oktober 1781 die erste gesetzliche Weihe eines deutschen Fürsten empfangen, und wie, obwohl in demselben über Juden und Judenthum kein Wort sich vorfand, doch dieses Edict als der Morgenstrahl eines neuen Tages begrüßt wurde, an dem die Ketten des Druckes gesprengt, die Fesseln des Glaubenszwanges gelöst und die Gewissen frei werden sollten. Zur Wirklichkeit gestalteten sich die Hoffnungen der Israeliten durch die kaiserlichen Verordnungen vom 19. October, 2. November und 19. December des Jahres 1781, durch welche sie von allen den schmählichen Bedrückungen, unter denen sie zu leiden hatten, frei geworden sind. Kaiser Joseph hatte durch sein edles Wollen und Wirken es auch dahin gebracht, daß bei anderen Regenten erbgesessene Vorurtheile zu schwinden begannen und daß hochbegabte tonangebende Staatsmänner sich immer wieder zu der Ueberzeugung bekannten, daß man die Gleichberechtigung der Juden als ein heiliges Vernunftgebot, als eine unabweisliche Anforderung der Gerechtigkeit und Kultur betrachten müsse. Mit Recht behauptet der Redner, daß Joseph's volksbeglückenden Grundsätzen die Zukunft gehört, trotz der bedauerlichen Verirrung, die sich eines Theiles des verhetzten deutschen Volkes zum Leidwesen seiner Freunde bemächtigt hat, einer Verirrung, von welcher sich der verklärte Geist Joseph's mit Trauer abwendet. Möge der Geist der Duldung, des Friedens, der Liebe und Humanität, der sein Haupt verhüllt, wieder erstehen in neuem Glanze und erstrahlen in herrlicher Pracht zum Segen aller derer, die von ihm erfüllt und durchdrungen sind. Inhalt: Der Dekalog. Von I)r Ad. Jellinek. — Gegenwärtiges im Lichte der Bergangenheit. Bon Dr. M Dessauer (Coethen). — Geschichtsbilder. Non Dr. M. H. Friedländer. — Mittheilungen von Dr. Grünwald — Bücherschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: Dr. Adolf Brüll; Verlag von Franz Benjamin Ausfarth; Druck von H.' L. Brönner's Druckerei (F W. Brei den stein) sämmtlich in Frankfurt am Main.

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