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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-01-01 · Heft 1 (1.1.1881) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 1 (1.1.1881)
Date
1881-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Are antisemitische Bewegung in Deutschland. Von I)r. Albert Linel. Als vor zehn Jahren das deutsche Volk in der Wiederaufrichtnng des ehrwürdigen Kaiserthrones seine politische Wiedererstehung sich errungen hatte, da ging ein begeisterter Zug der Freude durch die deutschen Gaue. Zum erstenmale nach langer Zersplitterung und schmählicher Ohnmacht sah das deutsche Volk sich wieder geeinigt und mächtig, und so wie alle seine Glieder ihr Gut und Blut eingesetzt hatten, das geliebte Vaterland frei zu machen, so fühlten sich auch Alle mit Stolz und Hingebung als gleichberechtigte Söhne desselben. Ein edler Gemeinsinn vereinigte Alle zu einem starken, begeisterten Ganzen, das in dem Frieden und der Eintracht seiner Bürger, in der Pflege der Humanität und der edlen Ziele der Menschheit sein festes, unverrückbares Fundament haben sollte. Nicht nach Judenthum, nicht nach Christenthum frug man als Kriterium der Bürgertüchtigkeit, nein, der patriotische Opfermuth Aller hatte sich in dem blutigen Kriege, in dem heißen Ringen bewährt, Schulter an Schulter standen sie in dem Dienste des Vaterlandes nebeneinander, gleich tüchtig, gleich tapfer, Christ und Jude. Um so schmerzlicher muß es deßhalb berühren, daß wir noch vor Ablauf des ersten Jahrzehnts eine heftige Agitation gegen die Juden in Deutschland sich breitmachen sehen, eine Strömung, die ans das gehässigste gegen, dieselben Stimmung zu machen sucht, nämlich die sogenannte antisemitische Bewegung. Die Juden sollen aus ihrer gleichberechtigten socialen und politischen Stellung als Fremde verdrängt und ihr Vaterland, für das sie doch geblutet und gekämpft haben, ihnen wieder entrissen werden: dies der Wunsch und das Ziel ihrer Feinde. Kein Mittel der Verunglimpfung und der Verdächtigung ist diesen zu schlecht, um die Juden verhaßt, verächtlich zu machen und sie als gemeinschädlich hinzustellen. Schmähschriften werden gegen dieselben verfaßt, Zeitungen gegründet mit dem ausgesprochenen Zwecke ihrer Bekämpfung, Vereine in das Leben gerufen mit prinzipiell judenfeindlicher Richtung. Man konnte bei dem schönen Beginne des letzten DeeenniumS einen so garstigen Abschluß desselben gar nicht ahnen. Wahrlich man glaubt sich in die finsteren Zeiten des Mittelalters versetzt, wenn man die zahllosen Hetzschriften der Judenfeinde liest! Was bekommt man da nicht Alles zu hören! Alte, längst widerlegte Mährchen aus den trüben Anschauungen alter Zeiten werden wieder anfgewürmt, um zum Jndenhasse zu reizen; alle möglichen Schmähungen und Verunglimpfungen erlaubt mau sich zu gleichem Zwecke. Aus Gründen ihrer persönlichen Eigenschaften, ihrer bürgerlichen Thätigkeit, ihrer Religion und der Inferiorität ihrer Ethik zieht man gegen die Inden los und verleumdet sie. Eine Zeitschrift, wie die vorliegende, die sich zum Zwecke setzt, richtige Ansichten über jüdisches Leben und jüdische Wissenschaft zu verbreiten, darf solche Anschuldigungen, so grundlos sie auch sind und die deßhalb an der innerlichen Haltlosigkeit zerfallen werden, doch nicht ignoriren, denn bei der nrtheilslosen Menge kann selbst die krasseste Unwahrheit vorübergehend Aufregung und Unheil erzeugen. Kemper aliguick Imeret ist ja ein alter Satz, auf welchen die Lästerer um so mehr bauen können, als sie wissen, daß in gar manchen Kreisen noch von Altersher vielfache Vorurtheile gegen Juden cxistireu. Was unsere Zeitschrift thnn muß, das ist, daß sie die gegeu die Juden erhobenen Anschuldigungen sachlich prüft und auf ihren wahren Werth znrückführt, damit

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