Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 3 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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618 Wenden wir uns nunmehr zum zweiten Theile unserer Aufgabe/ der Darstellung des historisch Reinmenschlichen in den empyrischen Modificationen der Seele. Hierher gehören die Leidenschaften. ^. Von den Leidenschaften überhaupt. Von dem, was die Rabbinen über die Leidenschaften im Allgemeinen und deren reales Princip, im Gegensätze mit dem der tugendhaften Handlungen dachten, sey hier nur—um nicht in das Gebiet ihrer Sittenlehre zu streifen — so viel gesagt, daß sie sich die mannigfachen, in ihrer Aeußerung, Richtung und ihrem Zweck so verschiedenen Begierden aus einem Quell abgeleitet dachten, welchen sie, nach ihrer gewöhnlichen Darstellungsart, mit dem Namen!NN NL^ (böser Sinn, böses Gebilde) bezeichneten.") So sehr nun aber auch dieser Ausdruck gäng und gebe geworden, und im Talmud häufig, sowohl im allgemeinen Sinne (als Grundnei- Hung) als auch im particulären (bestimmte Begierde) vorkommt; so laßt sich doch nirgends eine nähere Bestimmung dieser bloß gedachten cotlectiven Einheit historisch nachweisen. Aus einer Aeußerung derselben, daß 2t) NN P",N IL'' 5NN sM NN N1ON *jd5^O Dieser Rabbi behauptete auch 6or. 5. Z.) in Uebereinstimmung mit diesem und den Lehren der Stoiker, haß eine jede Übertretung eines moralischen Geboths von einem (gewissen Grad) Wahnsinn (NIDA MD.eige. Nicht unrichtig! Venn man nämlich bedenkt, daß der Wahnsinn in der Fixion einer bestimmten Vorstellung in der Einbildungskraft, die die Freiheit oder Macht des Willens (sich ihrer zu entschtagen vnd nach einer entgegengesetzten handeln zu können) hemmt, besteht, und diese Ohnmacht eben der psychologische Grund alles moralischen Nebels ist.