Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums · 1822-01-01 · 2 (1822) · p. Seite 400

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
1822-1823
Issue
2 (1822)
Date
1822-01-01
Page
Seite 400 (sequence 206)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969091-2969092-2969094--417-2969521
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 nicht für die ihnen ertheilten Rechte gebildet habe, und so schnell habe bilden können. Lacherlich und schimpflich nennt es der Verf., wenn man als Hauptgrund der NichtVersöhnung mit den Juden politische Furcht, daß sie alle bürgerliche Nahrung an sich ziehen würden, anführt. — Nec. aber frägt: Was soll der Jude nach der Ansicht der gegen ihn Uebelgesinnten wirklich beginnen, um den Schimpf von sich abzuwälzen? Bleibt er bei dem Handel, so wird ihm dieser zum Vorwurf gemacht, ihm aufgebürdet, er bequeme sich zu keinem andern Gewerbe, sei arbeitsscheu und auf schmutzigen Eigennutz bedacht; will er ein anderes Gewerbe treiben, so weist man ihn aus Furcht, er werde die Christen in ihren Gewerben zu Grunde richten, davon zurück. Man verachtet die Juden als einen Haufen Betrüger, und will zugleich auf der andern Seite, daß diese Menschenmasse lauter Betrüger für ewige Zeiten bleibe. Indem Ree. nun seine Meinung über die Ansichten des Vrfs. gegeben und sie im Ganzen mit den seinigen nur übereinstimmend hat finden können, daß nähmlich nur auf dem Wege der bürgerlichen Gleichstellung eine Umbildung der Juden statt haben kann, ist er auch der sichern Hoffnung, daß die erhabenen Einsichten der Regierungen und der Geist der Zeit spater oder früher dergleichen zweckmäßige Mittel ins Werk setzen werden. Alle gute Bürger^ stimmen gewiß in diesen Wunsch überein, und eben deshalb ist auch gegründete Hoffnung da. Es ist dies besonders von unserm teutschen Vaterland zu erwarten, das am längsten mit Gründen und Gegengründen zu streiten pflegt, dann aber auch am kräftigsten einwirkt. — Die Juden haben zwar Jahrtausende durchlebt, aber dennoch ist nicht anzugeben, was in ihnen keimt und nicht keimt, was in ihnen untergegangen ist und noch lebt, was jetzt untergeht und wieder zu einem neuen Leben erwachen wird. Bei den vielen Erfahrungen, die diese Menschenmasse erlitten hat, hat sie schon jeden möglichen Wechsel erfahren, jede mögliche Rolle durchgespielt?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.