Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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77 Wahrheit. Unter andern den Menschen auszeichnenden Eigenschaften, ragt der Vorzug hervor, der alle übrige verdunkelt, daß er freien Willen hat. Diese Freiheit der Wahl kann er aber ohne Verstand und Urteilskraft nicht ausüben. Beweises genug wie hoch wir diese Gabe des Geistes schätzen müssen. Die Verdienste, die der Mensch auf der Welt, als den Schauplatz seiner Tätigkeiten, erwirbt, müssen daher auch Frucht seiner Anstrengung, seiner Aemsigkeit, seines Fleißes seyn, oder es sind keine Verdienste. Es muß sclbstcrworbenes, nicht ererbtes Gut seyn. Eben Das gilt auch von unsren Handlungen. — Hab' ich eine tugendhafte Handlung begangen, wenn ich durch äußere Gewalt gezwungen werde, meinen Beutel zu öffnen und Allmosen zu spenden? Habe ich Menschenliebe bewiesen, wenn mich Peitschenhiebe in den Strom jagen, um meinen Mitbruder aus der Flut zu retten? — Muß nicht freie Wahl, gegründet auf Pflichtgefühl hinzukommen, um meine That zu einer edlen That zu machen? Und bei der Erwerbung der ewigen Wahrheiten sollte es nicht eben der Fall seyn? Müssen sie nicht auch die Frucht der Ueberlegung, der Prüfung, und der Ueberzeugung seyn? — Wie nun, wenn die Gottheit in ihrer Weisheit eS beliebt hat, dem Volke dem sie sich offenbart hat durch Propheten sich zu offenbaren, deren Sprache noch nicht ausgebildet war, und die ewigen Wahrheiten auf diese Weise in Schleier und Dunkel zu verhüllen? Wenn die Gesetze, die sie ihm durch diese begeisterte Manner mitgetheilt, uns zwar nicht alle einleuchten wollen, dem damaligen Erdensohn aber nicht allein genügten, sondern auch zu seiner Erhaltung nothwendig warm? Wie,