Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Gottheit zugetheilt. — Diese Seelenvermögen bestehen aber nicht allein in der Urtheils kraft, sondern auch in dem Schönheitsgefühl und in dem Gewissen. Große herrliche Gaben! — Sind wir vermöge der ersten Gabe im Stande das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, so lehrt uns das Zweite das Schöne vom Häßlichen, das Schickliche vom Unschicklichen, so wie die Dritte das Gute vom Bösen, das Löbliche vom Tadlenswerthen erkennen und beurtheilen. Diese Eigenschaften, womit alle Menschen von der Vorsehung ausgestattet find, und welches ihr ausgezeichneter Vorzug vor allen andern lebendigen ist, wird, durch den Willen Gottes, nach Lage, Umstände, Verhältnissen, in die seine Weisheit den einzelnen Menschen zu versetzen beliebt, ausgebildet und mannichfattig vervollkommnet und dadurch lernet nicht allein das Individuum, sondern das ganze Geschlecht, Verstand, Schönheit und Tugend lieben, das Entgegengesetzte meiden. Wie durch eine elektrische Kette theilt sich der Schlag allen denjenigen mit, die sie erfassen, wenn auch nur Ein Meister die fähige Kugel in Reibung setzt. — Auf diese verschiedene Seelenvermögen werde ich im Folgenden zurückkommen. Für heute leben Sie wohl. Dritter Brief. „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, das Gute wollen, das Beste thun, ist die Bestimmung des Menschen." Sie wissen welchem Weltweisen wir diescn goldnen Spruch verdanken. Und wahrlich, mein wißbegieriger Freund, die Kräfte die dazn erforderlich sind, bleiben die treuesten Gefährten des Menschen, und