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Jeschurun · 1869-07-01 · Heft 4 (Juli 1869) · page 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 4 (Juli 1869)
Date
1869-07-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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306 Schicksale -e- Talmuds im Mittelalter. berühmten Denkschrift an den Kaiser, so sei der Talmud eben nicht dazu geschaffen, ״das jederman mit ungewaschnen füssen drüber laust und sag, er käuds auch. Wan nun yetz ein. unverstendiger keme und fprech aller großmechtigster keyser aller gnedigster Herr ewer mayestat sol die bücher der alkimie (argunaeniuw »L bominsm!) unterdrukken und verbrennen für die weil in denselben büchern stond lesterliche schändliche und auch narrechtige farliche ding geschrieben wider uusem christlichen Glauben.. . Was sollt die keys. may. einem solltchen biffel oder esel zu antwurt geben anders als das er sagte Du bist ein schlechter Mensch vil mer zu verlachen dan zu willfaren... Die weil nun am so kleinfinniger Kopf nit mag ergreiffen und fasten die Heimlichkeit ainiger kunst und ist dero nit wirdig und verstat die ding anders dan sie an in selber sind, wollten ir raten das man solliche bücher verbrennen solte, darum das sie ain ungelerter man nit kändt recht verstohn. Ich glaub wol nain! . . Wilder und wilder wurde das Geheul, und Reuchlin, der friedliche Forscher, wurde aus einem Zeugen ein Delinquent. Was er für und durch den Talmud gelitten, soll hier nicht erzählt werden. Weit und breit, über ganz Europa, entbrannte der Streit. Eine ganze Literatur von Brochüren, Flugschriften, Caricaturen flog auf. Nicht weniger als zwei und vierzig Sitzungen wurden von der theologischen Facultät zu Paris in dieser Sache gehalten. Sie endeten damit, daß Reuchlin in aller Form verurtheilt wurde. Doch blieb er nicht allein im Kampfe. Denn um ihn schaarten sich, einer nach dem andern, Herzog Ulrich von Würtemberg, der Kurfürst Friedrich von Sachsen, Ulrich von Hutten, Franz von Sickingen, — derselbe, dem die Kölner schließlich ihre Kosten im Reuchlinprozeß zu zahlen hatten, — Erasmus von Rotterdam und jene glänzende Phalanx der ״Ritter vom heiligen Geist", der ״Heerschaaren der Pallas Athene*, der ״Talmudphili", wie die Urkunden jener Zeit fie verschiedenartig bezeichnen:,— sie, die wir die Humanisten nennen. Und ihr Palladium und ihr Krregsgeschrei war — o, wunderbare Wege der Geschichte! — der Talmud! Reuchlin vertheidigm, bedeutete ihnen ״das Gesetz" vertheidigen; für den Talmud kämpfen, hieß für die Kirche kämpfen! ״Non te,“ schreibt Egidio di Biterbo an Reuchlin, »seä legem: non Talmud, 8ed JEcclesiam!״

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