Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Judenbekehrung und Judenverfolgungen in Rumänien. 299 wie sie im Mittelalter auch im Abendlande stattfand. Liese Derfahrungsweise ist aber auch in Rumänien schon alt genug; zu Anfang des vorigen Jahrhunderts setzte der Hospodar Stefan Kantakuzeno eine Judenverfolgung Ln Bukarest in Scene, wobei der Judentempel zerstört wurde — nur mit großen Summen wurde die Erlaubniß, diesen Tempel wieder aufzubauen, erkauft. Im Jahre 1814 ging aber die Sache nicht mehr so harmlos ab, denn der Pöbel plünderte die Judenhäuser und wurden dabei 130 Juden getödtet. Aehnliche blutige Scenen fielen 1647 in Galacz vor, nach dem letzten Krimkriege eben so blutige Vorgänge in Fokschany, dann m Ismail, in Braila und Galacz wiederholt. Vor ein paar Iahicn erlebten wir in Bukarest auch was Aehnliches; auch hier endete es mit der Zerstörung des eben neu aufgebauten jüdischen Tempels, und seitdem gehen uns von Rumänien fortdauernd Nachrichten von Pöbelexcefsen in einzelnen Städten und — von judenfeindlichen Maßregeln zu. Diese Verordnungen, welche jetzt dort gegen die Juden erlaffen werden, sind eigentlich keine neuen Stipulatisuen, sondern die oben erwähnten alten Gesetze, die zwar publicirt, aber nie in Ausübung gebracht und stets ad acta gelegt wurden, jetzt aber auf's Heue wieder vorgenommen, das heißt in Wirksamkeit gesetzt werden. Daß der ebenso liberale als menschenfreundliche Minister Cozolnitscheauo damit jetzt hervortritt, muß allerdings Wunder nehmen, aber es gründet sich diesmal auf eine andere, diesem Staatsmann als Noth- Wendigkeit sich darstellende Thatsache. Cogolnitscheano hat bekanntlich die Bauernemancipation durchgeführt und er setzt Alles daran, dieses Nationalele.ment dem denatioualisirten Bojarenthum gegenüber zu heben, es zu kräftigen, oder, sagen wir es geradezu, zu verlebendigen. Nun ist der rumänische Bauer durch den langen Druck so verthiert, so indolent geworden, daß es in der That keilte kleine Aufgabe ist, ihn zu der Höhe seiuer Gerechtsame und Freiheit zu erziehen, ihn aus seiner Indolenz herauszureißen. Man muß ihm fortwährend und in allen möglichen Tonarten beibringen, daß er ein Romane, daß er ein freier Mensch ist; man muß beständig hinter ihm her sein und ihn lehren, von seiner Freiheit auch Gebrauch zu machen. Daraus ergiebt sich nun zweierlei: Damit der Bauer begreife, daß er Romune, also ein Anderer wie die anderen Menschen