Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Bortrag von Adolf Kohut. 245 wie bei Herder, der die Kabbala — kurz und bündig — ,als Grundriß der Welten, nach mosaisch - Chaldäischer Art: die Welt der Ausflüsse, ״der Schöpfung, der Bildung und oben der unendliche, verborgene Eine — definirt. — —" Es ist schon fast ein Jahrhundert verübergerauscht,- seitdem Herder mit der Fackel seines Genies Helle Lichtstrahlen geworfen in das Dunkel des orientalischen Geistes und der jüdischen Wissenschaft: aber noch heute haben seine Winke Rathschläge und Erklärungen ihre vollgültige Kraft, noch heute können sie anregend und belebend wirken auf eine Regeneration der Schriftauslegung und des wissenschastlichen Verständnisses des jüdischen Schriftthums; denn das ist eben das Eigenthümliche des wahren großen Mannes, daß die Spuren seines Wirkens selbst in spätesten Aeonen nicht untergehen; daß der Same des Erkenntnisses, den er ausstreut, nach Jahrhun׳ derten noch zur herrlichen Frucht heranreift, an dessen Süßigkeit sich ganze Generationen erquicken und laben. Und so schließen wir, indem wir aus vollem Herzen einstimmen in des Dichters Wort: ״Nie werde, was mit'reinem Sinn und Streben Rastlos gewollt ein edler Geist, verkannt! Auch er, um dessen Haupt sein eignes Leben Den wohlverdienten, reichen Lorbeer wand — Noch einmal soll er uns vorüber schweben; Auch Herders Name sei mü Stolz genannt, Und beigesellt den Herrlichen, Geweihten Die nimmer untergehn im Strom der Zellen."