Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Memoiren eines Schames. Von —u—. t Ich war achtzehn Jahre alt, als ich zum ersten Male die Lichter Ln der Synagoge anzündete, nie werde ich des Augenblickes vergeffen, der mich in mein Amt einführte! Aber mein Dienstantritt war auch kein gewöhnlicher, kein tagtägljcher. Die aufopferndste Selbstverläugnung, die reinste Menschenliebe war es, die, den hochherzigen edeln Mann, der meine Mutter und mich bis zur Thüre der Synagoge begleitete, während sieben langer Jahre das Amt eines Schames für mich hatte versorgen lassen. Als mein Vater starb, war ich ein Knabe von elf Jahren, das älteste Kind meiner trostlosen Mutter. Vier jüngere Geschwister, das Kleinste noch an der Brust, war Alles, was mein seliger Vater uns hinterlaffen . hatte. Und doch nicht Alles — einen Namen, ein Andenken, daS zwanzig Jahre treuer Pflichterfüllung und edelster Begeisterung für alles Gute und Heilbringende zu einem geachteten und gesegneten gemacht hatten. Doch die Gemeinde war nicht sehr bemittelt und an eine Wittwenpension für meine Mutter nicht zu denken, da man doch einen neuen Gemeindediener anstellen mußte. ״Wärst du nur wenige Jahre älter," jammerte meine Mutter als die sieben Tage des ersten heftigsten Schmerzes, welcher keinen andern Gedanken hatte auf-