Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 3 (April 1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Würdigung der gegemoSrikgen Keformdestreßungim. iffg Prinzipienlosigkeit der Resormrabbiner sitz eben nur inr Zerstören zu bewähren vermag. Das'Streben der Reform hat sich übrigens längst gerichtet; wie es auch gar nicht fehlen konnte bei dem unsittlichsten aller Motive, aus dem es hervorgegangen: in dem Gottesgesetze eine Rechtfertigung und Sanctionirung des Abfalls und Ungehorsams von dem Gottesgesetze zu ftatuiren. Seit sechszig Jahren und länger wird an diesem Werke gearbeitet, mit allen Mitteln und Kräften gearbeitet — aber vergebens. Noch ist es nicht gelungen, und nimmer kann es gelingen, ein Prinzip aufznftellen, eine Formel zu finden, welche Gesetzesverachtung in dem Gesetze, das man mißachtet, legalisirt. Alle drei Fractionen haben, mit so vieler Emphase sie auch davon sprechen, weder eine Ueberzeugüng, noch eine Religion, weder eine ״geläuterte", noch überhaupt eine Auffassung des Judenthums. Haltlos und schwankend haben sie je nach den Verhältnissen, bald eine christliche Form, bald ein halbverstandenes Philosophen: auf ihre Fahne geschrieben und gewähren das widrigste Zerrbild der Hohlheit und Halbheit, und zwar in der Gegenwart mehr als in der Vergängenhmt. Selbst noch vor 30 Jahren hätte es unter den Reformern manche geben können, welche sich Illusionen über ihr Streben hinzugeben fähig gewesen wären — heute ist das fast unmöglich. Nichts documentirt dies deutlicher als die Ereignifie der jüngsten Zeit: das traurige Schauspiel der Casieller Conferenz in allen ihren Einzelheiten, welche derartig sein müsien, daß die Veröffentlichung der Protocolle noch bis heute nach Jahresftist nicht gewagt werden kann. Um diese Erbärmlichkeit einer totalen Rathlosigkeit und Unfähigkeit zu verdecken, ist die Berufung einer ״Synode" nach Leipzig in's Werk gesetzt. Wenn die Reform noch irgend einen Hoffnungsschimmer hätte, sie würde sich nicht zu diesem Schritte entschlossen haben, mit welchen! sie Valet sagt dem letzten Scheine eines ernsten Strebens, einer wiffenschaftlichen und legalen Begründung ihrer selbst. In einer zugleich aus notorisch Unwissenden zusammengesetzten Versammlung über Veränderungen bestehender Gesetze beschließen zu wollen, ist etwas Unerhörtes; nur die vollständigste Verzweiflung, nur der totalste Bankerott an dem letzten Rest von Achtung vor dem jüdischen Religionsgesetze, vermag diesen Schritt zu erklären.