Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Gin Vortrag von Adolf Kohut. 161 Triebfeder, ja sein Ideal der Moralität selbst. Dieser findet Zweifel, wo keiner fie findet; die schwarze phantastische Fliege verfolgt ihn, ohne daß ein Anderer als er sie siebet. Wie grausam ist's also, wie unvernünftig, nutzlos und unmenschlich, wenn sich ein Mensch, ein Gericht. das Verdammungsdas Verfolgungsurtheil über d!e Religion eines Andern, wäre es auch ein Indier oder Neger anmaßt. Dank der Menschbeit sei allen Denen, die so unerträgliche Lasten und Fesseln, die jede unziemende Beschimpfung, jede kränkende Verfolgung, die Menschen von götüichen oder menschlichen Rechtswegen ungesckeut, ja pflichtmäßig und frohlockend anthatew, in ihr wahres Licht stellten. Tie Rache solcher Verfolgungen ist nie ausgeblleben; es wäre aber endlich Zeit, daß wir aus bessern Gründen als aus bloßer Furcht solcher Rache zum Gefühl der Wahrheit und Menschlichkeit gelangten." Die Unterdrückung und Verfolgung der unglücklichen Indier und Neger schmerzt ihn tief. ״Wie glücklich könnte Hiudostan sein" ruft er einmal wehmuthsvoll aus — ״wenn sich nicht Menschenhände vereinigt hätten den Garten der Natur zu verwüsten, und die unschuldigsten der Menschengestalten mit Aberglauben und Unterdrückung zu quälen! — — Glückliche Lämmer, warum konntet ihr nicht auf eurer Aue der Natur ungestört und sorglos weiden?" — ״Welches Recht hattet ihr" nrft er wiederholentlich den Europäern zu, die den schmählichen Sklavenhandel mit Negern trieben — ״euch dem Lande dieser Unglücklichen nur zu nahen, geschweige es ihnen und sie dem Lande durch Diebstahl, List und Grausamkeit zu entreißen? — — Seit Jahrhunderten ist dieser Welttheil der ihre, so wie sie ihm zugehöreu: ihre Väter hatten ihn um den höchsten und schwersten Preis erkauft, um ihre Negergestalt und Negerfarbe. Bildend hat die afrikanische Sonne zu Kindern die Neger angenommen und ihr Siegel auf sie gedrückt: wohin ihr sie führet, zeihet euch dies als Menschendübe, als Räuber." Wenn Herders Herz sich gegen die Unterdrückung der armen Indier und Neger empörte, wie tief mußte es den Haß gegen die Verfolger des jüdischen Volkes empfinden, jenes Volkes, welches von den Tagen des Iesaja's ab bis zu unseren Zeiten stets ,Machtet war und verlaffen von Menschen, schmerzbeladen und durch Krankheit gezeichnet, das man verachtete, wie einen, vor dem man 11