Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Gin Vortrag von Adolf Aohut. 4 159 gemächlicher Breite dahinfließende Prosa gewöhnt ist, unmöglich zu, sagen kann. Und doch wie schön ist die herder'sche Prosa für den, der dafür Berstäntniß genug besitzt! Aus diesen, hier blos angedeutete.!, Gründen werden auch die Dersuche, die neuerdings durch einzelne Literaten, wie Herrn vr. Horst- Akferstein in Dresden, angestellt wurden: durch Auszüge und Lichtstrahlen aus Herders Werken diese populär zu machen, so lange erfolglos bleiben, bis sich diese Richtung selbst ändert. Wenn eine Periode eintritt, iu welcher die Banden des Materialismus zurückgewiesen werden und unser Jahrhundert sich wieder dem Zdealismus zuueigen wird: werden auch die Schriften Herders gelesen, studirt und geprüft werden und die deutsche Nation wird sich bekennen einen Mauu vernachlässigt zu haben, der zu den Größten gehört, die sie je gehabt und der im Reiche des Geistes ein Fürst war unb zwar ein legitimer. Die Iudeuheit aber, die sich stets durch ihre Pietät für chre Wohlthäter ausgezeichnet, darf die großen Derdienste Herders nicht unberücksichtigt lasten: vielmehr muß es unsere heiligste Pflicht sein, sie — wenigstens in Bezug auf die Juden und die jüdische Wissenschaft.— zu würdigen und in's ge-- hörige Licht zu setzen. Wen« das Grundpriucip der goühe'sckeu Weltanschauung die Lschetstche Schönheit und der Kerngedanke aller schiller'jchen Dichtungen und Schriften die sittliche Vollkommenheit ist: so ist der Maßstab, den Herder au die gesamnrte intellektuelle Webt anlegt, die Humanltat. Durch alle seine Werke — betrachten wir die Ideen zur ׳Geschichte der Menschheit, Briefe zur Beförderung der Humanität, Stimmen der Völker in Liedern, Eid, Adrastea, GeK der ebräischen Poesie, Briese das Studium t« Th olvgie betreffend u. s. w. — zieht sich, wie ein rocher Faden, diese G?undansicht hindurch. Herder ist der genialste und entschiedenste Vertreter der Humanitäts-Jdsen des 1L. Jahrhunderts, er ist der Virtuose oder — wie ihn?Gustav Merkel treffend nennt — ״der Hohepriester der HMWität". Seine Ansicht über Humanität spricht H. im 2ten Theile der ״Ideen zur Geschichte der Menschheit" folgendermaßen aus: ״Wenn wir die Menschheit betrachten, wie Mir sie kennen, »ach den Gesetzen, die in ihr liegen: so finden wir nichts Höheres