Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Wiener Aerzte contra die Beschneidung. ]05 die der Vollzug dieses Aktes involvirt. Folgt tnan ihnen nicht, gelangt man nicht zu ihrer Ueberzeugung, nun denn, sie immerhin tonnten sich beruhigen in dem Bewußtsein, bieder und consequent und überzeugungstreu das Ihrige gethan zu haben. Das wäre der gerade, ehrliche Weg, den ein Biedermann wandeln zu müssen sich vorschreiben würde. Und ganz gewiß, auch die Herren Unterzeichneten betreten in ihren Wünschen und Bitten keinen andern Weg als diesen! Nicht wahr? Nein — nicht wahr! Einen ganz andern Weg! Man höre tcre eigenen Worte: ״Wir verlangen nicht, daß die Beschneidung als religiöser Akt aufgehoben werde; wir verlangen dies nicht, weil wir wißen, daß es nicht durchführbar sei; weil wir wissen, daß es nicht in Ihrer Macht stehe, es zu dekretiren, selbst wenn Sie, hochgeehrte Herrn, es wollten, und weil wir wissen, welchen unheilvollen Riß es in unserer friedlichen Gemeinde bringen würde. Aber wir sprechen es vom Standpunkte unseres ärztlichen Berufes, der Humanität und der Gerechtigkeit aus, daß es Ihre Pflicht sei, die sakulativen Rechte des Einzelnen zu wahren- Dem Vater, der-befangen von vollkommen gerechtfertigter Furcht vor den Gefahren der Beschneidung und in richtiger Aufiaffung des Religions» gesetzes diese Operation an seinem Kinde nicht vornehmen, dasselbe aber trotzdem im Glauben seiner Väter erziehen lassen will, sollen keine Hinder» niise welcher Art immer in den Weg gelegt werden. Eine ,reisinnige Regierung hat in unfern Findelhäusern den Taufzwang aufgehoben und fo beinahe das Amt eines Proselytenmachers für unsere Religion übernommen — und wir sollten entgegen dem Gesetze, entgegen allem humanen Fortschritte, entgegen der Klugheit einen Zwang üben, der den Widerstrebenden dahin drängt, sein Kind in einer andern Religion erziehen laßen zu muffen! Gestalten wir uns, zunächst einmal diese Lätze zu betrachten. Ta wollen wir es denn doch nicht Unterlasten, zuvörderst ״eonke8sa bestens zu acceptiren." Die Herrn Doktoren sind so gütig, nicht zu verlangen, ״daß die Beschneidung als religiöser Akt aufgehoben werde." Nicht aber etwa, daß sie aus übertriebener Gewisten. Hastigkeit sich die Frage stellten, ob denn ein solches Verlangen in ihrer Competenz stände, quo titulo sie, 66 Aerzte mosaischen Glaubens in Wien, — doch auch in Wien nur ein verschwindendes nicht nennenswerthes Bruchtheil der Gemeinde; und ob denn überhaupt Jemand dies nach Motiv und Zweck unzulässige Verlangen stellen könnte -Nicht so! Sie verlangen es nicht — aus Politik! ״Weil