Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Angela. ״Der Kinder Gemütb ist biegsam wie Wachs, wie dieses empfänglicb, jeden Eindruck in sich aufzunchmen; ihr zartes Herzchen gleich! einem weißen, noch unbeschriebenen Blatt Papier und heiligfte Pflicht der Ettern lft es, dafür zu sorgen, daß keine unsaubere Hand darauf sich ernschreibr. Zbr bolder Klemer mit seinem rei, neu unschuldsvollen Kuldergcmüth, ist leicht begeistert für alles Hehre und Edle aber — ganz gewiß auch zugänglich den sinfteren, engherzigen —" ״Aber bester Herr Doktor, sagen Sie mir doch um des Himwelswillen, was bat Zbnen der arme junge Heller denn gethan? Ueberal! hat man ihn als einen braven gesitteten jungen Mann empfohlen, und sein ganzes Benehmen läßt vermutben, daß er diese Empfehlung verdient; auch Earl ist ihm von ganzen Herzen zugethan-" Em überlegenes Lächeln umspielte den etwas zu breiten Mund des Toners, er lehnte zurück in seinem Fauteuil, faltete die Frnger seiner weißen, wohlgepflegren Hände leicht in einander und ließ die beiden Daumen umeinander kreisen. ״Erlauben meine Gnädige. Ihnen zu bemerken, daß . gnädige Frau so eben sich selbst wieder׳- sprochen. Beliebten doch zu scherzen über meine Ansicht, daß der teinlebrer- Ihres Sohnes Einfluß erlangen könne auf seines Schülers Gemurb, und nun gestehen doch selbst, zu, daß der Kleine an ihm bängt. Das ift's ja, was ich fürchtete; so ist es ja selbstverständlich, daß er Einfluß auf!hu bat." ״Aber was schadet denn der Einfluß eines wohlgesitteten — * ״Pardon, meine Gnädige, daß ich unterbreche. Der Einfluß eines wahrhaft Wohlgesitteten, woblgesittet in der wirklichen Ledemung des Wortes, kann allerdings nicht schädlich sein. Doch der Begriff wohlgesittet wird allzuoft Mißbraucht. Nicht jeder ist wohlgesittet, den man so nennt, nicht jeder wohlgesittet, dem man nicht geradezu Nachweisen kann, daß er gestohlen." ״Und Heller Härte gestohlen? unmöglich!" ״Dre Zuneigung ihres Sohnes doch ganz gewiß." ״Rücken Sie doch endlich offen mit der Sprache heraus, Herr Doktor!" rief die junge Frau, nicht mehr im Stande ihren Unmuth und ihre Ungeduld zu verbergen, ״sagen Sie mir endlich was Sie gegen den jungen Mann haben."