Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1868-10-01 · Heft 1 (Oktober 1868) · page 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 1 (Oktober 1868)
Date
1868-10-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2933206-2933208--11291-2968787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36 KarpeleS: Heinrich Heine und das Fudenthum. junger Aufgeklärter findet fich in den vorliegenden Blättern. Es versteckt fich auch die Ueberzeugnng nicht hinter umschreibende Ausdrücke; fie erröthet nicht, wie so mancher frommer Jude, sich in so vornehmer Gesellschaft als ganzen Juden zu zeigen; nicht zudringlich und ohne Anmaßung, aber, wo es am Platze ist, offen und ausdrücklich wird gesprochen von dem ״Wesen des Judenthums, wie es uns von der Bibel bis herab zu den letzten Gesetzauslegern als rin unverbrüchliches und untheilbares Ganzes überliefert wurde"; wird das Streben gerügt ״mit der Abstellung mancher Mißbrauche, - als der verdorbenen Aussprache, des jüdisch-deutschen Jargons rc. die Ceremonialgesetze vollständig auszubeben." Wie diese Offenheit an sich schon eine erfreuliche Erscheinung ist, so scheint uns der dargelegte Standpunkt den Verfaffer auch vollkommen für seine Aufgabe zu legitimiren. Die Beziehung Heine's zu dem Judenthume soll erörtert werden, es soll eine zur Charakteristik des Dichters durchaus zu beantwortende Frage behandelt werden: ״was war das Judenthum Heine?"; es soll eine nicht minder wichtige Frage, welche nickt Heine sondern das Judenthum betrifft, beantwortet werden: ״kann und muß das Judenthum, das seine Ritter des Geistes und des Wortes so gern den Nachkommen nennt, von ihnen und ihren Thaten so gern erzählt, in den Katalog seiner Heroen auch diesen Namen einreihen; oder hat es ihn als einen aus dem eigenen Fleische hervorgegangenen Schaden zurückzuweisen und von sich zu stoßen, wo es der Heimgegangenen Größen ehrend gedenkt; oder muß er gar der Zahl der Feinde Jsrael's zuzeführt werden, die ihm von seinem Entstehen bis zum heutigen Tage in offenem oder verstecktem Kampfe den Untergang geschworen hatten?" Es ist klar, daß zur Lösung dieser Aufgabe ein Jude am besten geeignet, wenn nicht unumgänglich nothwendig ist; und zwar ein Jude, der von dem Werthe und der Heiligkeit des Judenthums und der Totalität seiner Einzelheiten durchdrungen ist; der nicht mit einem frivolen Witze ein durch Jahrhunderte auf seinen alten Grundlagen unerschütterliches, in stetem Ausbau der Perwirklichvng begriffenes Monument abfertigen zu kön» ue» vermeint. Nur ein Jude auf diesem ausgesprochenen, wir wollen sagen, auf diesem entschiedenen Standpunkte kann bei diesen Bekachtuugen wahrhaft unpartheiisch sein; er weiß, was Judeuthum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.