Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Hoffnungslosigkeit der Reformbesirebungen. ZI und wenn du noch Ohren hast zu hören und Augen zu sehen, so nimmst du das so leichtfertig und unüberlegt ausgesprochene Wort zurück. Dreißig Jahre wären verfloffen, seitdem eine solche Entgegnung gesprochen, auf welche ich damals mit theoretischen Gründen, mit dem Hinweis auf die Geschichte der damaligen Vergangenheit hätte antworten müssen, eine Widerlegung, welche man durch den kurzen Sah: eine solche Zeit ist noch nicht dagewesen, alle Analogieen und Theorien werden von dem Leben und den Thatsachen zu Schanden gemacht, entkräftet zu haben glaubte — dreißig Jahre ״Geschichte" liegen hinter uns — wer hat den Beweis der Thatsache für sich? Der Beantwortung dieser Frage seien diese wenigen Zeilen gewidmet. Jahrhundertelange Verfolgung und Bedrückung hatte die deutsche Judenbeit abgeschlossen von der nichtjüdischen Umgebung, die Kluft, welche zwischen dem Juden und Nichtjuden lag, schien unüberbrückbar, die Thoren des Ghettos, das mit der Muttermilch eingesogene, von der Erziehung großgezogene Vorurtbeil der Christen umgaben wie mit einer chinesischen Mauer unsere Vorfahren und hinderten jeden socialen Verkehr, jeden geistigen Gedankenaustausch mit der christlich ׳germanischen Außenwelt. — Jüdische Ideen von der Freibeit und der Gleichbeit aller Menschen, jüdische Principien von der Unverlierbarkeit der Menschenwürde, von der Unantastbarkeit der Menschenrechte aber hatten inzwischen angefangen die civrlisirte Menschheit zu bewegen, hatten begonnen Triumphe zu feiern in den Herzen und Gcmüthern, in der Bezwingung der Tyrannei und hielten ihren Einzug in die Versammlungen der Völker, in die Cabinetre der Fürsten. Wenn auch mit Widerstreben und Unbehagen — auch den Juden mußte man theilnchmen lassen an den Freiheiten und Rechten, die man errungen, die man gewährte. Da erfaßte ein Taumel der Ueberraschung die Jugend, — sie, die Söhne des verachteten, gehetzten, gedrückten Stammes, sollte — wenn auch nicht als gleichberechtigt und nicht vollgültig und ebenbürtig — eintreten in den Kreis der Staatsangehörigen! — Man fühlte sich geehrt, gehoben — dte voll ׳ Gleichberechtigung, die ganze Anerkennung, das ZugestLndniß der Ebenbürtigkeit winkte mit reizenden Verlockungen und man hielt sich selbst in dem dermaligen Zustande noch allzusehr verschieden in Sprache, Gewohnheit und Sitte, als daß man