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Jeschurun · 1884-12-18 · Heft 51 (18.12.1884) · p. 804

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 51 (18.12.1884)
Article
Chanukah
Date
1884-12-18
Page
804 (sequence 3)
Language
German
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804 letzten 2d1cÜcntö11c11 verstummte. Wie freudig leuchteten , da alle Mienen auf! ״Gäste", schwirrte cs hell durch-; einander, und man eilte;um Empfange l)üta1u\ Tropfende schritte, um den Schnee von den Schuhen zu schütteln, das Rauschen schwerer Pelze, herüber und hinüber fliegende Helle "Worte und dazwischen einzelne Triller eines fröhlichen Lachend. ״Gelt, wir sind die Ersten?" ״O bitte, um so grösser das Vergnügen, welches Sie uns bereiten." ״Ah, tausendmal willlonnnen, bester Freund. Das ist schön von Ihnen, daß Sie so püuktlich sind." ״Freilich, cs näre ja unverantwortlich, auch mir eine Sekunde vom ersten Ehanukahabcnd ohne Roth einsam zu verbringen." ״Schau, welch köstliche Ucberrajchung, auch daS liebe Töchterchcn da!" ״Werde ich nicht als ungeladener Gast vor die Thüre gestellt werden?" fragte eine liebliche Silberstimme. ״Machen Sie sich keine Sorgen darüber, liebes Kind." ״Aber um dcö Himmels Willen," brummte die herzliche, aber etwas tiefe Stimme des angckommcncn;»wti-r liiniilias, wir wollen doch nicht von hier aus den Aufgang der Morgenröthe detvnndern!" Allgemeines Helles Gelächter und herein kainS mit geräuschvoller Heiterkeit in das freundliche, warme Zimmer. Ich freilich mußte mit langer Rase in das Gcsiudczimmcr abziehcn. Von hier aus hörte ich noch einige Schlitten hcrauklingcln, vor der Thi'uc stehen bleiben und sich unter den oben geschilderten Auftritten seiner Insassen entladen. Aber die Betrübniß meines Herzens dauerte nicht lang, und meine ׳Rase kehrte bald in ihrc normale Größe zurück. Ich erinnerte mich der meiner harrenden HauSherrnpflichtcn und gelangte zur tröstlichen Uebcrzcuguug, daß ich ja eigentlich im Gcsiudczimmcr am rechten Platze wäre. Ich richtete mich also sehr gravitätisch in die Höhe und begann, um meinen Gästen ordentlich zu imponiren, steif und stolz im Zimmer auf und ab zu spazieren. Nichtig entstand bald vor der Thüre ein Getrippel, ein Gcpicpse und Gewisper, als ob sich draußen die Natten deö ganzen Ortes Ncndezvouö gegeben hätten. Ich wartete aber lange vergebens, daß die Thüre geöffnet werde. DaS Gewisper und Getrippel dauerte immer fort, nur etwas lebhafter wie im Anfang und dicht von dumpfen Lauten unterbrochen, wie solche durch Erthcikung von Püffen zu entstehen pflegen. Von einer bösen Ahnung befallen, reiße ich jetzt selber die Thüre auf und sehe da meine lieben Gäste zu einem dichten Knäuel zusammeugcdrängt, sich gegenseitig au den Haaren und Ohren zausend und mit Püffen rcgalircnd. Wie ich,später in Erfahrung brachte, war der Streit über die Frage auSgebrochen, wer die Thüre aufmachen sollte. Am schlimmsten schien den Ohren meines sehr geehrten Freundes Baruch Esel — er war allgemein unter diesem Namen bekannt — mitgcspielt morden zu sein. Ihn hatte uäntlich die gütige Borschung mit ein Paar mächtig entwickelten Ohrlappen gesegnet und diese leuchteten jetzt in einem so glühenden Roth wie zwei Sonnen an einem bitterkalten, nebligen Iannarmorgcn. Bald jedoch waren die Leiden und Prüfungen des Kampfes vergessen, und mit ausgelassener Freude gruppirten wir uns um den großen Tisch. — Summend drehten sich die Trcndelchcn, laut kollerten die Rüsse über die Tischplatte, und die erste und einzige Unterbrechung trat erst ein, als uns ein lukullisches Souper servirt wurde.... So wurde ehedem daS jüdische Narionalfeft in jüdischen Häusern begangen: Helle Lust und Freude bis in den verborgensten Winkeln! O- Vor unserem Fenster stand ein Knabe mit abgezehrten, bleichen Wangen, zitternd vor Kälte und die Hände in den Acrmeln des zerschlissenen RöckchcnS verborgen. Er bemühte sich, in das Zimmer zu blicken, doch es gelang ihm nicht durch die stark zngcsrorencn Scheiben, nur unser sröhlichcr Lärm drang an sein Ohr. Es war ein Waisenknabe, der die Feststimmung der Menschen benützend, von HanS zu HauS durch den Schnee watete, um ein paar Groschen zu sammeln. Ein tiefes Weh zuckte durch seine bleichen Mienen, und Thräncn rollten ihm über die Wangen. Er brauchte sie nicht abzntrockncn, sie gefroren bald. — — — Du lieber, guter Gott, wenn Du mir eine Frage gestatten möchtest, so wollte ich mir Aufklärung darüber erbitten, warum Du cs so eingerichtet hast, daß auf Erden Licht und Schatten sich immer so nahe sind. -Sollte cS nicht sein, um den Menschen Gelcgenhcit zu geben, sich Deinem hehren Wesen zu nähern, — die Elenden durch die Läuterung der Leiden und die Glücklichen durch diejenige des WohtthunS? — — KkütiihtnilM iilicr k!1 Wigioilg- Werricht. Von ciiicm ciricriiirlcn Schulmeister. Gorlsetzurig.) Es ist wahrlich traurig genug, daß der NeligionSunterricht als das Aschenbrödel betrachtet wird, aber die betrübende Thatsachc ist nun einmal nicht abzulengncn. Und dennoch sollte cS nicht also, und zu keiner Zeit weniger, als in der Gegenwart sein. Tritt doch die Versuchung häufiger und verlockender an den Inden unserer Tage heran, als ehedem: in der Schule, in dem kameradschaftlichen Verkehr für die Kleinen; in der Btteratur, dem Geschäfts- und Berufsleben, in der Gesellschast für die Großen. Rur wenn cS uns Lehrern im Verein mit dm Eltern gelingt, den Vcrstatlb unserer

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