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Jeschurun · 1884-12-11 · Heft 50 (11.12.1884) · p. 790

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 50 (11.12.1884)
Article
Chanukah
Date
1884-12-11
Page
790 (sequence 2)
Language
German
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700 Umrisse einer bekannten Form wiedererkennen würden, ' — doch wir haben keine Zeit den Eindruck klar in; uns anszu nehmen, mit rastloser Eile durchsegeln wir! das Sd)attcm־eid) her stille stehenden Zeit: der Vcrgangcnheit. Da rölhct ein blasser Schimmer die dichten Schalten, wie wenn durch das Rebelchaos einer Dezembern acht auf weiter Haide ein Hinenseuer seinen 2d)cin wirst. Der Schimmer wird immer Heller, immer rosiger, die Schatten schwinden und wie eine Lerche am Maimorgen bleibt die 2eeU mit ansgAweilelem Filtig schwebend in der krystallenen Atmosphäre hangen. Drunten prangt von lieblichem Pnrpurlicht übergossen das Arkadien des KindeSaltcrs. Bon blauem Dnst umschwebt, stecken die niederen kleinen Akazienhainc ihre runden grünen Häupter zusammen, dag es wie ein türkiseher Kuppelbau ansschant, ans welchem einige junge, schlanke Pappeln wie Minarets hinauSragen. Ans der vergoldet leuchtenden ivtur schillert durch das frische >?almengrüu in herrlichem Farbenwechsel das Feenheer der rothen, blauen, gelben und weißen Blümchen. Wie in detn glücklichen Einst Hüpfen mir wieder fröhlich durch das Feenreich, winden sorgenlos einen Kran; anS wilden Rosen, Wasserlilien, Maiglöckchen, Veilchen und Ginster und legen ihn um unser Haar, welches wieder in;arten Löckchen um das blühende Kindes antlitz ringelt. So bekränzt sehen wir uns an den Rand des schntalen Bächleins, welches wie flüssige Diamanten dahinglitzert. Dort giebt eS eine so reiche Auswahl an glatten, runden und tänglichen Kieselsteinchen in allen Schattirmigeri von Roth, Braun, Tiefblau, Grün und Gran. Fetzt lockt uns die lauschige Dämmerung des nahen Haines, wir lassen das Spiel mit der! Kieseln und eilen dahin. Kein Blatt rührt sich dort, keilt Heimchen zirpt, aber durch die Lust rieseln süßschwere, heranstchende Düste wie von Tymian ttnd Rosen. Die gebogenen Zweige eines knorrigen Nosengebüsches bilden eilte geräumige, dunkle r^rotte, von deren Wölbung voll ansgeblühte in der Dunkelheit glühende Nostm herabhängen. Wir sinke!- hin, die Düste legen sich verhüllend' um ^die Sinne, uttd die Lichtgestalten strahlender Visionen ziehen vor unteren Geist. . . Horch! — Durch die Schleier der traumhaften 3in 11 ci> 11 mncbc 11 nוa schlagen dhthirambische, brausende Hymnenllängc an unser Ohr: Hort, du Felsen meines Heiles, Dir;iemt der Lobgesänge Ruhm — Wie ein schlummernder Held beim Schutettcru der SieaeSsansarc anssährt und den glorreichen Klängen nachctlt, so entringt sich unsere Seele den sausten Schlingen des Traumes und ratischt von dannen, dorthin, woher die Ehörc brausen. — Düstere, hoch in den Hirnute-i hineinragende Meilen;eiger kenn;eichnen die Grcnzjch.idcn der Jahrhunderte. Eins, zwei, drei . .. sechszchn, siebenzehn - immer deutlicher jubeln die Hpmncn — achtzehn, neunzehn, zwanzig!.Gittc wilde Schlucht im Libanon. Ans sein breites, zweischneidiges Schwert gestützt steht der graue Held MatiSjahn. Den geweihten Prieslcrrock hat er mit dem erzschuppcnen Panzer, die Priestermütze mit dein schweren Kriegshelm vertauscht. Bis;um Gürtel hinab fällt der wellige Barl, welcher leuchtet wie der Schnee aus der höchsten Spitze des Libanon; wollig ist die erhabene Stirne und die lodernden Blicke suchen finster den Boden. Dumps rauschen die Eederu, auf dem schroffen Felszacken oben und um ihn zwängt sich weinend der 'Wind durch die Klüfte. — Schwere Sorgen müssen es sein, die dieses gewalnge Haupt zu beugen vermögen. Wo nur der junge Leu Iehudah so lange säumt und die übrigen vier Heldensöhne. Wird der Weckruf, den er durch seine fünf Söhne durch alle Gauen Palästinas verkündet, Wiederhall finden in den verbitterten, stumps gewordenen Gemüthern, werden die umuachteten Geister noch empfänglich sein für die heroische Bertheidigung der hehren Ideale, die er auf sein Banner geschrieben, für: ״Gott und Sein Heiligthnm?"-Da hallt ein Nus durch die Berge, wie ihn der Löwe anSstößt, wenn er die furchtbaren Klauen krümmt, um sich ans den gegnerischen Tiger zu werfen. Der Heldengreis erhebt das Haupt, er hat den Donnerrns erkannt — so kann nur Iehudah rufen! llnd er ist'S, er kommt. Furchtbar, wie ein Racheeiigel des Himmels, erscheint er, wo er hintritt erbebt die Erde und die muthigsten Herzen ziehen sich zusammen vor seinem Anblick. Und ihm nach strömt von den Bergen herab eine auserlesene Schaar, von seinem Mnthe und seinem Geiste bcfcltcr Männer. Auch die klebrigen kommen, und ein Jeder von ihnen bringt ein Häuflein todeSmuthiger Streiter .... Der entscheidende Moment ist gekommen, schweigend und ernst schaarcn sich die entschlossenen Männer um ihren greisen Feldherrn. Bald sollen die Würfel fallen. Malisjahn sinkt ans die Knie, die vorgcncigte Brust ans den Griff seines Schwertes gestützt, den er mit beiden Händen umklammert. Sein Hanpt ist zur Erde geneigt, doch seine inbrünstigen Gedanken und Flüslerworte fliegen aufwärts zum Himmel, vor den Thron des Wettenlenkers, der über den AnSgang der Schlachten beschließt. Wie die Eederu umragen stolz den knieenden Helden seine fünf Söhne, über Alle erhaben Iehudah, der furchtbare Leu, der Hammer, der zerschmetternd aus die Tausende der Feinde herniedersährt. Auch seine Brust erfüllen die Schauer der Andacht im Angesichte deS Ereignisses, von welchem das Schicksal Israels abhängcn soll. Sein Hcldeuhaupt ist ans die nmpanzcrte Brust herabgesunken, seine flammensprühenden Blicke suchen dcmnthSvoll die Erde und

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