Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1884)
- Article
- Der Erlaß des Herrn Kultus- und Unterrichtsministers vom 18. Juni 1884
- Date
- 1884-12-11
- Page
- 787 (sequence 3)
- Language
- German
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787 lichen Erwartung, daß der -Herr Minister gern bereit sein wird, feine Verfügung }iiriUfjiiucIjmcn, sobald ihm non zuständiger Seite diese zur Erkenntnis gebracht werden. Wir erachten eö deshalb für die heiligste Pflicht tUcr preußischen Synagogen - Gemeinde - Bertretungen lind Rabbiner, unverzüglich bei dem Herrn Minister dahin vorstellig zu werden, diesen Erlaß wieder aufzuheben. -Hierzu allerdringendst zu mahnen, ist der Zweck der eingehenden Behandlung, die wir diesem Reskript gewidmet haben. — Möge derselbe sich nicht als verfehlt erweisen. äalo!11l»llslijt Simiiliiüfiölifif. 3$on camfoii Raphael Hirsch. XXV. Der Staat. Fürchte Gott, mein Sohn, und den König, Unter Andersgesinnte mische dich nicht. Denn Plötzlich ersteht ihr Unglück, Und ihrer Beider Unheil wer evmißt's! 20. 21.) Achte und beachte die göttliche und menschliche Ordnung, die göttliche, die überall lind immer gilt, und die menschliche, die die Menschengesellschaft, in deren Mitte du dich befindest, zur Grundlage und Leitung ihrer Angelegenheiten sich gegeben, imb halte dich von Andersgesinnten fern, die mit ihren Ansichten, Grundsätzen, Reden und Handlungen der göttlichen und menschlichen Ordnung feindlich gegenüberstehen, selbst wenn du überzeugt zu sein glaubst, du würdest kein Genosse ihrer Gesinnungen und Handlungen werden. Denn beide enden nicht gut, ihr Unglück kontmt plötzlich, so daß dl! nicht sagen kannst, du willst dich zeitig von ihnen trennen, bevor ihr Unglück kommt, und weder du noch sie können ermessen, wie weit das Unheil, das sie trifft, das Unheil, das sie erreicht, reicht. In großer Volkszahl liegt Verherrlichung des Königs, Und in Abnahme der Bevölkerung der Schrecken des Nahrungsmangels. (14,28.) Es giebt eine Anschauung, die von Uebervölkerung spricht, die einen steigenden Zuwachs der Volkszahl mit Angst betrachtet und eine Verminderung der Bevölkerung als ein von der Staatsleitung anzustrebendes Augenmerk preist. Einer solchen Anschauung tritt unsere Sprnchweisheit entgegen. Sic meint, eine jede Staats׳ leitnng habe es als ihren Stotz zu betrachten, die Ein׳ richtungen des ihrer Fürsorge anvertrauten Gebietes so zu treffen, zu überwachen und zu leiten, daß eine möglichst große Scelenzahl die Befriedigung ihrer Bedürfnissc finden könne. Sie meint, eine Verminderung der Bevölkerung gebe keineswegs den Ucberblcibendcn die Gewähr, nun um so ausgiebiger ihre Existenz finden zu können. Vielmehr mögen sie sich nicht verhehlen, daß die Ursachen dieser Verminderung bleiben und auch sie mit Nahrungsmangel drohen. * Pflichtgercchtigkcit bringt ein Volk empor, Staaten --Huld ist Sünde. (14,34.) צדקה, Gerechtigkeit, und zwar jene Gerechtigkeit, die Jedem das leistet und gewährleistet, was ihm nach seinen Rechtsansprüchen gebührt, oder was ihm nach seiner besonderen Lage von der Gesammtheit zu leisten Pflicht ist, sic ist das Prinzip, das, wenn es in einer Bolksgesellschaft zur vollen ungeschmälerten Geltung kommt, das Volksgemcinwescn emporbringt. Sie ist das Prinzip, zu welchem alle Volksgenossen in völlig gleichberechtigter, und völlig gleichberechtigenderBeziehung stehen, und das Jedem in dem Vollgcnnß seines Rechtes erhält. Allein הפד bevorzugende Liebeshnld, die mehr als das Gebührende gewährt oder nach Rechtspflicht obliegende Leistungen erläßt, kann nicht vom Staate als solchen geübt werden. Eine solche -Huld kann immer nur Einzenen zu Gute kommen und ist daher auch nur von Einzelnen zu üben. Nur der Einzelne hat Mittel und Gerechtsame, die ihm allein zustehen, über die er daher auch nur nach eigenem Ermessen, auch nach Steigung und Wohlwollen verfügen kann, ohne Anderen zu nahe zu treteu. Allein der Staat als solcher hat über nichts Eigenes zu verfügen, er hat nur der Gesammtheit ungehörige Gerechtsame und Mittel, er kann Keinen bevorzugen ohne allen klebrigen Unrecht zu thnn, er kann kein הסד ulen, das nicht zu gleicher Zeit חטאת wäre. ¥ Huld und Wahrheit beschützen den König, Und er festigt durch -Huld seinen Thron. (20,28.) Ein König, der in Wahrheit das Recht der Armen vertritt, Dessen Thron bleibt für immer begründet. (28,14.) Ein König ist nach Anschauung unserer Spruch- Weisheit der -Höchstgestcllte, dem von der Gesammtheit eine Fülle von Mitteln und Rechten in die -Hand gegeben sind, auf daß er sie nach bestem Ermessen zum Wähle Einzelner und zum -Heile des Ganzen verwende. Schaut unsere heilige Sprache doch den Fürsten als בשיא, als ״Wolke" an, die, über dec Erde hoch emporgehoben, auch von der Erde das lebcubediugende Naß in Fülle sammelt, um es fruchtbringend und Leben fördernd der Erde wieder ,;u Gute kommen zu lassen. Der König kann הסד, kann -Huld üben, ja, diese Huld ist seine beglückendste Prärogative. Und wenn er sic in Wahrheit und mit Wahrheit übt, wenn diese Huld keine einsichtlose ist, wenn sie auf weiser Erwägung der