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Jeschurun · 1884-12-04 · Heft 49 (4.12.1884) · p. 777

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 49 (4.12.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-12-04
Page
777 (sequence 1)
Language
German
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.49 ¥׳. Jcschnrun. i“ Kollektiv-Btrichtc ans Uitprii. XXXVJ. In den monotonen Ga IUI der Tagesereignisse und der geschästslosen Zeit kam der Borschlag der We* gierung, einem Juden Sitz und Lumme im Oder׳ Hause zu gewähren, und zum Uederslnsse auch ein Zirkular der israelitischen Landeskanzlei, als eine kleine Abwechselung. Der Negierungsvorjchlag hat schon viele red- und schreibselig gemacht und wird noch viele Zangen und Federn in Bewegung sehen. — Die Negierung proponirt, einen Juden ins Oberhaus zu bringen, Jstoezy und Konsorten keinen, Jokah, der tieuc Fahnenträger des Dualismus, wünschte deren zwei, einen Vertreter der Orthodoxen und einen der Kongregler. (Du aber, arme Status cino-Partei, mußt auch hier den Kürzeren ziehen und leer ansgehen, an dich denkt auch der großherzige Jokay nicht!) Die Frage wird übrigens nicht allein von den politischen Vertretern des Landes, sondern auch von den Vertretern der Juden im Lande eifrigst ventilirt. Wie bei uns in Allem, wird Voraussichtlich auch hier der Regierungsvorsehlag die SWajoritcit erlangen — und die Frage, aus welcher Partei wird daS jüdische Oberhausmitgtied hervorgehen? hält die Gemüther in Athen!. Die Orthodoxie will einen Orthoboxen, die Landeskanzlei einen Kongreßler und aus dem Lager der Status guo-Partei ertönt der Nus לגו חנזים. Wenn man erwägt, daß die christlichen Nesormirten, deren es zweifelsohne weniger in! Lande giebt als Inden, sechs Vertreter im Oberhause haben sollen, dann möchte man es noch als ein sehr bescheidenes Berlangen ansehen, wenn die Juden sogar drei, nämlich von jeder Partei einen Vertreter, im Oberhanse wünschten. Eitle Illusion! ans die wir leinen Dropsen Tinte weiter verspritzen wollen. — (Das ״Bndapester Tageblatt" ()ir. 207) berichtet: ״Bor einigen Tagen hat Herr Reich (Präses der Durchführuugskommission) einen der hervorragendsten oppositionellen Politiker ausgesucht!:nd dieser Persönlichkeit gegenüber seinen! Mißmuthe darüber Ausdruck gegeben, das: durch die geplante Oberhausresorn! die kirchliche Verfassung des Jndenthuius bedroht erscheine. Die jüdische Kirchenversassuiig kenne keine Hierarchie, weshalb auch die Vertretung derselben dtirch irgend ein Oberhaupt im Oberhause n uz 111 ä sj i g sei. Die Einberufung des Budapestcr Rabbiners würde und könnte die Jndenschast nicht befriedigen, da die Stellung des Budapestcr Rabbiners noch keine Gewahr dafür böte, das; er unter den Nabbineu der hervorragendste sei. Und weil die Vertretung der Judenschüft als solcher, aus Mangel eines hierarchischen Ober- Hauptes im Oberhause undurchführbar sei, werde daS ernannte israelitische Mitglied nur sich selbst vertreten. 7 Noch ähnliche Gründe führte der Vertreter des orthodoxcu Jndenthuius gegen die geplante Bk aßregel an, um im eigene!! sowohl als auch im Namen der orthoboxen Gemeinden gegen die Vertretung der Inden im Oberhause zu protestiren. ----- Vorläufig überlassen wir die Verantwortlichkeit für diese Notiz den! zitirten Blatte.) Wir gehen nun zur zweiten Bescherung über, und wollen sehen, welcher Geist der Gerechtigkeit und Huinanität diese durchwärmt. Die israelitische Landeslanzlei hat unter Zahl 0 363 an die israelitischen Kultusgemeinden folgendes Zirkular gerichtet: ״Löblicher Vorstand! Die israelitischen Distrikts- Präsidenten haben im Monat Dezember 1883 Sr. Exzellenz dem Herrn Kultusminister ein Memorandum überreicht, das ich Ihnen hiermit zu übersenden die Ehre habe. — In Felge dieses Meiuoraudlnus wurden im Knltnsmiiiisterinm die Verhandlungen aufgenominei!, jedoch bald wegen des Neichstagsschlusses und der in Sicht gewesenen politischen Wahlen vertagt. — Nachdein die Wiederaufnahme der Angelegenheit im hohen Knltilsministerinin in Bälde zu erwarten ist, eventuell aber zu urgircn sein wird, beehre ich mich, Ihnen hiervon Mittheilung zu machen und hieran auch eine Bitte zu knüpsen. — Da wir unter den Angriffen der sogenannten Antisemiten ohnedies genug zu leiden haben, finden wir es für geboten, all das zu vermeiden, was in unserer eigenen Mitte die Reibungen anznfachen und den im Erlöschen (?) begriffenen Bruderzwist wieder heranfzubeschwören geeignet wäre. Andererseits aber erachten wir es für eine gleich gebotene Pflicht, dahin zu wirken, das; unserem Gemeindeleben eine feste Grundtage gegeben, den Geiueindemitgliedern die bezüglich des Ausscheidens gestaltete Lannensreiheit (sic!) eingeschränkt, und unserer Konfession die den rezipirten Glaubensgenossenschaften zntoinmendcn Privilegien verliehen werden, damit nnserc Religion einmal aufhöre. eine geduldete zu sein. — Diesen unseren Intentionen sind wir bemüht, Geltung zu verschaffen, doch erweist es sich für nothwcndig, daß Sie uns hierbei kräftigst unterstützen. Wenn Sie daher unser Streben billigen, so mögen Sie die Güte haben, in einer an uns zu richtenden Zuschrift, die wir hohen Orts unterbreiten können, die Erklärung abzugeben: Der gefertigte Vorstand sei mit den Auseinandersetznugen des Memoranduius der Distriktspräsideuten an den Herrn Kultnsminister vom 23. Dezember k883 einverstanden und erachte demgemäß für dringend geboten, die Durchführung dessen: l) daß ohne Rücksicht auf die gegenwärtigen Parteischattirungen das Gebiet der Kultusgemeinden derart sestgestellt werde, daß jede Ortschaft Ungarns in eine Gemeinde eingetheilt, und eine jede arrondirtc Gemeinde so groß sei, um ihr

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