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Jeschurun · 1884-12-04 · Heft 49 (4.12.1884) · p. 775

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 49 (4.12.1884)
Article
Nachtgestirne
Date
1884-12-04
Page
775 (sequence 1)
Language
German
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Machkgestirne. .historische }coDette autf der Feudalzeit Ungarns. Bvn Samucl Lcrthold Rosner. — - (.>!aä,druck verboten 11. lieberj״umsv:'vedu 1> or 1׳ e b a 11 e n.!Fortsetzung.) 1׳׳i>c15־ci{)unc\׳ gnädiger Junker," bat Leah, die Hände cmporstreckend, ״Verzeihung, das; es Eure Magd gewagt hat, Euch die Beschwerde dieses mühevollen Rittes zu verursachen! Ich bin jene Unglückliche, welche ihre letzte Hoffnung auf Euren Edclmuth gesetzt hat, ich bin die Tochter, des Mannes, der mit noch zwei Brüdern im Kerker Eures gnädigen Paters schmachtet und unschuldigerweise zum Tode vernrtheilt worden ist. Trauer und Verzweiflung herrscht in den ihrer -Häupter beraubten Familien. Strecket Eure mächtige Hand aus, um Thränen zu trocknen, um viele menschliche Herzen von dem sie zerfleischenden Schmerze $1! befreien!" ״Armes Mädchen," sagte mitleidig Engen, der sich ans dem Satte! geschwungen hatte, ״Du bist die Tochter eines der eingekerkerten Juden. Ja, ich glaube Dir, daß Dein Vater unschuldig vernrtheilt wurde —" ״Herr," fiel Mara heftig ein, ״so wahr ich dem Tode näher als den! Leben stehe und rein und makellos iu's Grab steigen ntöchtc, so wahr ich eine Bekennerin der Religion des Gekreuzigten bin, neben dessen Bilde wir stehen, so wahr ist cs, daß der unglückliche Vater dieses Mädchens und seine Brüder an dem Raube der Kircheilgeräthc unschuldig sind Ich bin leider schuld an ihrem Unglücke, ich habe mich vom Pfarrer überreden lassen, meine Hand zu dem Frevel zu bieten. Ich habe renmüthig meine Schuld vor den Herren vom Gerichte bekennen wollen, aber auch er, der das ganze Verbrechen verursacht hat, war ׳unter ihnen, und darum wollten sic meinen Worten nicht glauben, und haben sich einander zugeslüsiert, daß ich eine Wahnsinnige sei und haben mich ans den Saal hinausschleppen lassen. Herr, ich bin mein Leben lang immer ein gottcsfürchtiges, dcniüthigcs Wcib gewesen und habe ntich nie erfrecht, gegen Gottes Nathschluß zu murren oder zu klügeln, aber seht Ihr, damals — Gott verzeihe mir meine Sünde! — habe ich doch gemeint, daß ein mächtiger Blitzstrahl unter die Brut der Gottlosen fahren müßte, wenn es mit rechten Dingen zuginge/' ״Laßt cS gut sein, brave Frau," beruhigte Eugen die brave Alte, noch sind jene Bösewichter nicht unbestraft ausgegangen. Der Beschluß Gottes erfüllt sich oft erst aus langen Unwegen, aber ausblciben thut er nie." ״O, daß ich altes Weib mir das erst von Euch muß sagen lassen, gnädiger junger Herr," sagte Mara beschämt und wollte Eugens Hand küssen, was dieser nur mit Mühe verhindern konnte, ״aber wenn Ihr wüßtet, mit welchen Qnalen das erwachte Gewissen meine Seele folterte und zerriß! — Da glaubte ich nun die Gelegenheit gesunden zu haben, mich durch ein reumüthigcs Geständniß, welches alles verursachte Unglück wieder gut machen sollte, von diesen höllischen Qualen zu befreien, als jene Schelme mich wieder in den Nachen der schrecklichen Gcwissenspeinigung zurück- .stießen. Euch flehe ich mm an, edler Janker, erbarmt Euch eines alten Weibes und gebt ihm die Ruhe des Gewissens wieder, dadurch, daß Ihr jene erlösen helft, die durch seine Verschuldung in׳s Elend und Unglück gestürzt wurden." ״Ich möchte ja gerne Helsen, wenn ich könnte. Leider besitze ich aber wenig Einfluß bei inciiicnt Vater, ich habe schon einige Male versucht, meine Stimme zu Gunsten der Eiugekerkerten zu erheben, mein Vater achtete jedoch nicht daraus und verbot mir streng, ihn wieder in dieser Angelegenheit zu belästigen. Ihr sehet also, meine lieben —" ״Verzeiht, gnädiger Herr," wagte Leah schüchtern ihn zu unterbrechen, ״das ist cs auch nicht, um waS wir Euch unterthänigst bitten möchten. Es würde auch voraussichtlich wenig nützen, noch so inständigst um Begnadigung bei Eurem Herrn Vater zu flehen, nachdem die armen Gefangenen schon vcrnrthcilt sind. -Heute kann uns nur noch die Majestät des .Königs Rettung bringen — und — wenn ich cs wagen dürfte —" ״Sprich unverzagt Dein Anliegen aus, itnb bei meiner Edelmannsehre schwöre ich Dir, daß ich Etlch mit allem Möglichen beisteheu werde." ״Q, tausend Dank, edler Graf, für diese Zusage," rief Leah mit bebender Stimme, ״wenn inbrünstige Gebete noch etwas vermögen, so wird das meinige Euch gewiß die ungetrübteste Glückseligkeit vom Himmel zu erflehen im Staude sein. O, edler Herr, Ihr seid der Sprosse einer der mächtigsten Familien des Landes, Euer Wort wiegt schwer beim König, der, wie wir vernommen haben, jetzt in Prcßburgweilt; verhelft mir gnädiger Herr zu einer Audienz vor dein König, und ich werde Euch wie einen von Gott gesandten Schutzengel preisen." ״Diesen Gedanken hat Dir Gott cingcgebcn, Herz- Haftes Mädchen," rief Engen freudig, ״und die Fügung des Schicksals scheint Dein braves Vorhaben zu begünstigen. Morgen schon begebe ich mich nach Preß.- bürg, um an den Bcrathungcn des Landtags Thcil zu nehmen; ich werde Dir demnach persönlich die Audienz erwirken und auch sonst ein warmes Wort beim König für Deine Angelegenheit einlegen." ״O, wie werde ich Euch danken können, Ihr edelster der Menschen," sagte Leah, vor freudiger Er-

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