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Jeschurun · 1884-12-04 · Heft 49 (4.12.1884) · p. 772

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 49 (4.12.1884)
Article
Eduard von Hartmann über die Judenfrage
Date
1884-12-04
Page
772 (sequence 2)
Language
German
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772 geblieben, so daß die jüdische Wohlthätigkeit unS noch ijeute alvf Muster dienen kann. Die gesetzliche Zwangs- Versicherung ist nichts als ein Versuch, das deutsche Volk durch staatliche Bevormundung zu dem zu zwingen, was die Juden von jeher selbst gethan haben: nicht die ganzen Einnahmen zu verbrauchen.-In dem Kapitel ״Religion" empsichlt der Verfasser den Juden, sich vom Judcnthume loszusagcn, ohne zum Christenthum überzutrcten und sich mit den gleichfalls vom Christenthunle abgcwendetcn Christen zu einer neuen Religion zu vereinigen. In dem Kapitel ״Stammcsgcfühl und Nationalgcsühl behauptet der Verfasser, daß bei den Juden das Ltammcsgcfühl das Nationalbcwnßtsein noch überwicgc, und daß hierin der ideale Kern der Judcnfragc stecke. Die Herbeiführung eines umgekehrten Verhältnisses sei die stillschweigende Voraussetzung bei der Emanzipation der Juden gewesen. Erst nach Erfüllung dieser Vorausfetzung könne man in Deutschland die Juden ebenso wie in Frankreich zu allen Staatsämtcrn zulasscn. Das Eiuströmcn des Inden in die juristische Carrmrc habe sich verderblich gezeigt. Im Kapitel ..Mittel zur Abwehr" heißt es endlich: ״Wenn das deutsche Volk behaupten wollte, daß es bei der jetzt den Juden ciugcräumtcn wirthschaftlickcn Freiheit unfähig sei, sich gegenüber einer Minderheit von 1gegen wirthschastlichc Knechtung zu wehren, so würde cs damit sich selbst ein so furchtbares Armuthszcugniß ausstcllcn, daß man vom unbefangenen knltnrgeschichtlichen Gcsichtpunktc aus darauf nur noch mit der Erklärung antworten könnte, ein so inferiores Volk verdiene gar kein anderes Schicksal, als zur wirthschaft׳- lichen Knechtschaft unter einer überlegenen Nasse herabgesetzt zu werden und unter deren Leitung seine wirthschaftlichen Kräfte für den Kulturprozeß ausnützcn zu lassen. Je deutlicher das deutsche Volk die ihm drohende Gefahr erkennt, desto energischer soll es sich zusammenraffen, um aus seinem wirthschaftlichen Schlendrian hcrauszukontmen und mit den Juden in den Vorzügen zu wetteifern, welche allein ihnen die wirthschastlichc Kraft zur Ausbreitung verleihen, nämlich: Mäßigkeit, Enthaltfamkcit, Sparsamkeit, -Häuslichkeit und Familiensinn." ----- 'Wir sparen uns eine Besprechung dieses hochbedeutenden Werkes bis zum vollständigen Erscheinen desselben auf. -Hier sei zunächst nur auf dasselbe als ein solches hingcwicscn, welches einer eingehenderen Besprechung von Seiten der jüdischen Presse ebenso würdig wegen des Autors, als bedürftig wegen seines Inhalts erscheint. M k e r t s s 111] r t. Bon F. I. P. M. Noch ein letztes Signal, ein Helles Läuten der Schisssglocke, zurückgezogen wird die Laudungstreppe, das letzte Baud, das uns noch mit dem Kontinente bindet, füllt, und wir stoßen ab. Stolz peitschen die schweren Schaufelräder das Wasser, hellauf sprüht die weiße Gischt. Majestätisch dnrchschncidet der Kiel die Fluth; — allmählich vcrsinken die Küstenlichter und erscheinen wie eine Lichtlinic in der verschwindenden Ferne, nur die breite Schaumfläche, die das Schiss hinter sich läßt und die so seltsam glänzt und knisternd zischt, zeigt uns den Weg, den wir.zurückgelegt. — Jetzt wird die Bewegung schon schaukelnder, höhere Wogen heben und senken das Schiff, das Auge vermag die Grenze zwischen Wasser und Horizont nicht länger zu ziehen, dunkler wird die Nacht, ein anderer Sternenhimmel wölbt sich über uns, im Takelwcrke heult und pfeift der Sturm seltsame Melodien, in der Ferne blitzt dann und wann ein Helles Licht aus und erlischt bald wieder — wir sind im offenen Meere angetangt. Acngftliche, müde Gemüthcr suchen nun den Schlaf auf, das jüdische Gemüth jedoch giebt seinen Gefühlen Ausdruck durch ב׳א׳ה׳א׳מ׳ה שעשה את הים ״ הגדולDem Name, 0 Gott, werde gefördert. Du König des Alls, der das große Meer geschaffen hat!" Wahrlich, wohl wenige ברמיית ringen sich mit solchem Gefühle aus der jüdischen Brust wie diese! Nirgends so zeigt sich Gottes Allmacht und Größe, seine Erhabenheit und Unerreichbarkeit wie auf dem Meere! Wer weiß, wie die Fahrt verlaufen, ob Sturm sich erheben, ob Nebel gefahrdrohend nnS ein hüllen wird, ob verborgene Klippen und Risse Verderben bringen werden, wer weiß das! Aber das jüdische Herz vertraut auf seinen Schöpfer יידו אפקיד רוחי. Hoffe auf Gott und Er führt dich zum sicheren Port. ״ בזעם תצעד ארץ נאף תדוש גריםWenn Du im Zorne die Erde durchschreitest, in Deinem Zürnen Völker niedcrtrittst יצאת לישע עמך לישע את פשיהך סן bist Du damit ausgczogen zum Heile Deines Volkes, zum Heile Deines Gesalbten." דרבת בים סופך המר ״ פיה רביםWenn Du Deine Rosse das Meer betreten lüssest, so werden zu gefügigem Thone die mächtigen Fluthen!" ״Was zitterst Du vor den Gewalten der Natur, was buhlst Du um ihre Gunst? Nicht Schöpfer j ist die Natur, das entsesseltc Element, sondern gcsctzenfolgendes Geschöpf, und je größer, furchtbarer dir das Geschöpf erscheint, desto mehr erkenne die Allmacht und Größe des Schöpfers. Nirgends so wie aus dein Meere erscheint dir der Eine Einzige so als Meister,

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