Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1884)
- Article
- Was haben wir zu fürchten?
- Date
- 1884-12-04
- Page
- 769 (sequence 1)
- Language
- German
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X"VIT_ h(»1f i)645. 1fo AQ F^orhbllsrhriü zur Förderuug jüdistheu Geistes nn& jüdischen Lebens XVTL ffcnfmirmri . \o 10 in Haus, Gemeinde und Schule. ßcgriindi'i uou Smnsmi 9iftp(jl1cl Hi eich, iiaB&iiicr 11.?srncfiiififini dirfiflioHRgcfcfiTtfiaft?,1! ^raiiKfiul a. Ä 3ieuc Folge. - Zweiter Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Asaac KirsH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag nlindestenö 2 Bogen stark. .— Abonnementspreis bei allen Bostanstalten und Buchhandlungen 2 J(>. 0יז für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwin g'sche Berlagsbnchhandlnng zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Ztreisband den Jahrgang für \2 Ji oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich׳, für MJi oder 18 Fr. nach den Ländern deS Weltpostvereins. — 5( u geige 11 werden mit s. d. .!gespaltene Peritzcile oder deren Raum berechnet. — Expedition: Hannover. Artillcricstr. Inhalts-Ver,;«׳ichrrist von Nr. 49. WaS haben wir $11 fürchten? i Fortsetzung:. — Edward von Hartmann über die Iudensrage. — Mceressahrt. — Be- , trachtnngen über den NeligionS-Unterricht. .Fortsetzung!. — Nachtgestirne.! Fortsetzung?. — Kollektiv-Berichte aus Ungarn. — Radantz. — Korrespondenten und Nachrichten: Breslau, Main^, Bonn, Würzburg, Frankfurt a. M., Wien c2\ Ans Kurland, Ans Südrnstlanv, Palästina. — Nihilismus und Zudenthum (Fortsetzung). — Inserate. Win, habcii wir st! fiiidjtcH ־? (Fortsetzung.) Es ist nicht zu verkennen, daß dieses Argument in gewisser Beziehung triftig ist. Die Mißachtung und Abneigung, welche im sozialen Verkehr wahrgenommen werden, verletzen empfindlicher und treffen das innerste! Wesen des Menschen sicherer, als der brutale Ausbruch! gehässiger Bosheit. Ein Faustschlag ist öfters leichter zu verwinden, als ein fortgesetztes höhnisches Lächeln. Man müßte auch blind sein, wenn man in Abrede nehmen wollte, daß nns das — wie soll man es bczeichnen? — an geerbte ober anerzogene eigcnthümlich verächtliche Gefühl, welches in der Brust unserer nichtjüdischen Mitbürger bei der intimen Begegnung mit Inden rege wird, auf Schritt und Tritt begleitet. Der Jude wird nun einmal noch nicht als ebenbürtig betrachtet, mag er Baron, Geheimer Kommcrzicnrath, Richter, Abgeordneter, Stadtverordneter oder was auch sonst immer sein, so bleibt er der jüdische Baron, der jüdische Gehcimrath u. s. w., und er empfindet cs, daß die Gesellschaft nur widerwillig und unter Ueber- Windung jener besonderen Abneigung mit ihm als ihres Gleichen verkehrt. Der Einzelne redet sich dann freilich manchmal gern in die Vorstellung hinein, als ob man ihm besonders und ausnahmsweise den Fehler seiner Geburt und seines Vekenntnisscs edelmüthig verzeihe, und wenn alle Inden so reich, angesehen, gelehrt und gebildet wären, würde jene Abneigung endlich schwinden; aber es bedarf nur eines geringen Anlasses, so wird er zu seiner schmerzlichen Enttäuschung seines Irrthnms inne, und schließlich wird den Rothschild, Bleichröder, Lion, Laster, Löwe, Slraßmann u. s. w. der Jude dennoch aufgemutzt. Es ist auch nicht zu leugnen, daß sicherlich manche Juden dadurch, und in Zukunft vielleicht noch mehr, bewogen fühlen können, sich von der Gemeinschaft mit ihren Stammes- und Glaubensgenossen loszusagcn. Hat doch der bekannte Satz Mommsens von der Schwierigkeit des Beharrens in einer konfessionellen und sozialen Sonderstellung für manche Verhältnisse unzweifelhaft feine Berechtigung.