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Jeschurun · 1884-11-27 · Heft 48 (27.11.1884) · p. 762

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 48 (27.11.1884)
Article
Zur Lage der Juden in Demnat (Marokko)
Date
1884-11-27
Page
762 (sequence 2)
Language
German
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762 vom (^ouDcruciir dieser Stabt auferlegt waren. Anbei! das Edikt: ' ..Durch nachfolgende- Edikt geben nur bekannt, daß; wir alle Acrgcrinsse, ivelchen die Israeliten von Demnat von Seiten ihres Gouverneuransgesetzt waren, abgc׳ . schasst haben und;war׳ I) Der Zwang. au solchen Tagen zu arbeiten, wo ihnen von ihrer Religion Ruhe . geboten wird. 2) Ihnen die Reinhaltung iufizirtcr j Räume auszuei legen, 3) Sie;um Tragen ans dem j :)kucken zu schweren Gegenständen zu zwingen. 4) Sic :;111־ Arbeit ohne V0I)u;11;wingcn. 5) Die Frauen : ohne Zustimmung ihre- Mannes zur Arbeit;11 zwingen. ' »;) Ihnen ihre Waare für den halben Werth ab;nnehmen. 7) Sic;11 zwingen, Produkte, wie;. B. Sek, zur Zeit der Baisse abzunehmcn und bei Hausse zu zahlen. 8) Ihre Zsastlhicre ohne ihren Willen und ohne Bezahlung zu verwenden.;>) Sic zum Eintausch salscher (Feldstücke zu zwingen. 10) Desgleichen zur Einlösung der Dirhams zu 13 Dukaten per Douro. 11) Und hernach die DonroS mit 13 Dukaten cinlöscn zu müssen. 12) Ihnen unentgeltlich ihre gegerbten Häute wegzuiichmeii. 13) Bon ihnen gegerbte Häute gegen srische einzutauschen. 1-1) Sie zu zwingen, gegen ihren Willen die Wolle ihrer Schasc abzugebcn. 1 3) Ihre Betten und Möbel den Gasten des Gouverneurs zur Disposition;11 stellen. 1 <>) Ihren Glaubensgenossen von Tesmit andere Beamte auszuzwingen. 17) Die gewohnten Gesetze zu überschreiten, indem man ihnen außergewöhnliche Steuern und Kontributionen auserlegt. Wir gebieten ihrem Gouverneur, unserem Sklaven Hadj el Gillaui el Demnati. alles Vorhergehende ausznheben, wohlwollend zu sein ihnen gegenüber, der 1111־ gerecht!gleit und dem Druck ein Ende zu machen und sie in jeder Beziehung wie die Israeliten anderer Städte zu behandeln. Wir gebieten den Israeliten dagegen, die ihnen gestellten Grenzen nicht zu überschreiten und ihre Pflichten aus das Gewissenhafteste zu beachten. Pa ix, den 2b. des Kacda!301." Unglücklicher Weise ist dieses Edikt ganz nutzlos. So laiigc der Kaid seine Stellung behält, wird er seine Forderungen fortsetzen־, die unglücklichen geflüchteten Israeliten von Demnat können nicht daran denken, dorthin zurückzu kehren. Auch in anderen Gegenden von Marokko kommen viele Fälle von Gewaltthatcn, Verfolgung, Ruhestörungen. und — was noch ernster ist — von Attentaten gegen europäische Staatsangehörige m:d Schützlinge vor. So wurde in Azimnr bei Mazagan ein französischer Israelit ohne Grund fcslgeuommen, cingefpcrrt und mit Stöcken geschlagen; bis jetzt! hat die Regierung weder Frankreich noch der Familie Salisfaktion gegeben. Jit Fe; wurde kürzlich ein achtzigjähriger Israelit, der in guten Verhältnissen lebte und sich des besten Rufes erfreute, mngcbracht. An den Thoren von Fez wurde er hingetnordct und diezcS Vcrbrechen, welches des Diebstahls wegen verübt wurde, ist nicht geahndet worden. Der tzokalbchördc siel cS gar nicht ein, die Mörder sestzuuehmen. In derselben Stadt wurde vor Kurzem gegen die Inden eine Maßregel getrossen, welclte große Aufregung hervorries. Seit der Ankunft des Sultans in der Hauptstadt hat der Gouverneur allen Israeliten — seien es Eingeborene oder Schützlinge fremder; Mächte — verboten, Schuhwerk;11 tragen. Die Prole-! Nationen eines Israeliten — französischen Schützlings,! wurden vom Gouverneur mit Stolz abgewicsen. Ein : unter portugiesischen! Schutz stehender Israelit, welcher ‘ die Straße mit Schuhen betreten, wurde von den Arabern! verfolgt und säst gesteinigt. Er beeilte sich, sich seines! SchnhwcrkS zu entledigen, um dem sicheren Tode zu; entgehen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich bei einem Israeliten, amerikanischem Schützling. Er wurde in der Nähe seines Badens von einer Sokdatcn-Patrouille angefallen, die ihn niedergemacht haben würde, hätte er seine Schuhe nicht augenblicklich abgelegt. Ein Dritter ging in Schnhwerk außer den Stadtmauern, als er vom Bizir überrascht wurde; derselbe versetzte ihm eigenhändig einige Peitschenhiebe und überließ ihn dann seinen Dienern, die ihm die grausamsten Martern auferlegten. Die französischen Zeitungen von! 29. Oktober melden, daß die marokkanische Regierung dreizehn fremde Schützlinge, worunter vier Franzosen, scstnchmcn und sic in Kelten nach den Gefängnissen zu Fe; schleppen ließ, indem sie vorerst alle bedeutenden Städte passircn mußten. Eö cxistirt augenscheinlich in Marokko gegen gewisse Europäer eine Agitation, deren erste Opfer die Israeliten geworden, die aber die Protestatioueu der europäischen Staaten bald Einhalt thun werden. : Judciipolitik und das Bamitr des Tch'ma! Israel!! Ein offene^ Sovt an die ״Reue Preußische Kreu׳^)ZeiLuug". , Wir stehen dem politischen Getriebe fern und - haben mit der Sozialdemokratie und dem Fortschrit! nicht mehr Berührungspunkte, als mit dem ehrlichen! aufrichtigen Konservatismus. Die jüdischen Deutschen! gehören den verschiedensten politischen Parteien an, wie! auch die christlichen Deutschen in ihrer politischen An-! schaumig anscinandcrgehcn. Als Inden treiben wir keine Politik. Es ist dieses in diesen Blättern oftmals i nachdrücklich betont worden. > Da jedoch fortwährend von der Gegenseite das

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