Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1884)
- Article
- Was haben wir zu fürchten?
- Date
- 1884-11-27
- Page
- 755 (sequence 3)
- Language
- German
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755 beut Achselzucken, bcr gemessenen falten Höflichkeit n. s. w. rettungslos zum Opfer fallen. i vottsetzung folgt. - Der Erlaß Vca Herrn ÄnltnS- und Unterrichtsiuinistcrs von« t8. Ämi 1884. t >Z׳orlseYllNi;., Diese Prämie für den minder gewissenhaficn jüdischeu Schüler besteht in der sich ihm ungehindert eröffnenden gelehrten Laufbahn und dem erleichterten Militärdienst, während der crnsitichst Gewissenhafte ans beides Verzicht leisten must. Diejenigen jüdischen Eltern, welchen die Gewissenhaftigkeit ihrer Löhne höher gilt als äußere Vortheile, werden unter der Herrschaft dieses Erlasses Abstand nehmen müssen, ihre Kinder einem gelehrten Berufe;u widmen, wenn sic nicht, aus einen günstigen Zufall bauend, dieselben sich bis zum reisen Jünglingsalter für einen solchen vorbereitcn lassen und in des Lohnes Herz Hoffnungen wecken und pflegen wollen, die sich möglicher Weise als trügerisch ergeben. Zwölf Jahre lang müßten sie in beständiger Angst schweben, ob nicht der verhättgnißvolle eine Lonnabend des Abiturieuteneramens sic um die Frucht ihrer opscrvollen Erziehung betrüge, und auch eben so lange währt der viel gewichtigere und gnalvollere Zweifel, ob cs ihnen gelungen sein wird, ihr Kind zu einer solchen hohen Ltuse der Sitckichleit zu erziehen, daß dasselbe die ernste Prüfung zu bestehen vermag, der Religion jenen Verzicht zum Opfer zu bringen. Während andere Eltern iu freudiger Erwartung der Beendigung der Gymnasialstudien ihrer Söhne entgegensetzen, 1)111011*1־ jene in banger Oual, ob ein gütiges Geschick den Herrn Schulrath zur Festsetzung eines PrüsnngSprogrammS nöthigen wird, welches die Klippe des Lonnabend umschiffen läßt, oder ob entweder die Lebenslaufbahn oder die Sittlichkeit ihres Lohnes an diesem Riff zerschellen wird. Dürfen vernünftige Eltern also mit der einstigen Lebensstellung und der Sittlichkeit ihres Kindes ein verwegenes Glücksspiel wagen? Müßten sie nicht vielmehr ein gewisses zu erreichendes niedrigeres Ziel einem unbestimmten, von der Laune des Zufalls abhängigen höherem Streben für die Zukunftsgesiallnng ihres Kindes vorziehen: und würde demgemäß nicht den gewissenhaftcn jüdischen Ellern bei der Bestimmung über den zu erwählenden bürgerlichen Beruf ihrer Söhne der gelehrte überhaupt nunmehr ganz ausgeschlossen bleiben müssen?? Wir weisen den Gedanken, als ob ein derartiges Resultat mit der Entstehung des Minisicrialreskripls vom 18. Juni d. 3. in irgend welche Beziehung gebracht werden könnte, mit aller Enlschiedcnheit zurück, weil cS völlig unmöglich ist, daß in irgend einem Ministerium irgend eines deutschen Bundesstaates nach der ruhmwürdigcn Wiederherstellung des deutschen Kaiserreichs, an dessen Wiege die herrlichen, ewig nnvcrgeßlichen kaiserlichen Worte gesprochen wurden: ..Uns aber und Unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des 'Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern nnd Gaben des Friedens auf dein Gebiete nationaler Wohlfahrt. Freiheit und Gesittung", ein solcher gehegt werden könnte. Derselbe enthielte ja eine förmliche Verleugnung der erhabenen und wahrhaft großen, weil das wirkliche Heil des Volkes allein bezweckenden Grundsätze, die durch jenes erste kaiserliche Manifest ״an das deutsche Volk" als das ewig nnverrnckba־׳c Fundament des kraftvoll verjüngten Reichs geheiligt worden sind. Nicht gemehrt, sondern gemindert werden ״die Güter und Gaben auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt. Freiheit und Gesittung", wenn die geistige Kraft irgend eines der Nation geborenen jungen Wesens in seiner Entfaltung gehemmt wird; und gemindert, nicht gemehrt, wird das allerhöchste nationale Gut der Gesittung, wenn die Sittlichkeit irgend eines der Nation angehörigen Menschen getrübt, wenn das religiöse Gewissen in der Brust irgend eines Gliedes der Nation evtöMct wird. Und zu einer solchen Hemmung, Trübung und Tödtnng sollte ein Rath irgend eines deutschen Fürstenthrones Mitwirken wollen, nun gar der Rath des erhabenen Monarchen, welcher mit jenem Manifeste vom! 7. Januar 1871 dem wiederhergestellten deutschen Reiche die Lebensscelc eiugehaucht, und gerade derjenige Rath, dessen Obhut und Pflege vor allen anderen hohen Würdenträger« der Krone eben der kostbarste nationale Schatz der geistigen, sittlichen und religiösen nationalen Ent- Wickelung anvertraut ist?! Vcrdammcnswerthcr, vernnnstwidriger Gedanke, vor!velchcm uns die Zuversicht in die Weisheit eines königlich preußischen Unterrichts- Ministeriums schützt, welches erhaben ist über jegliches Vornrthcil, dem niedriger Stehende und Denkende das Wort zu reden sich nicht entblöden mögen. 3n den Räumen eines königlich preußischen Unterrichts- Ministeriums kann und darf kein Platz sein — nnd ist kein Platz, dessen find wir gewiß — für den von der kurzsichtigsten, eigensüchtigsten, häßlichsten Leidenschaft gehegten Wunsch, daß des jüdischen Bürgers Kind nicht zur vollen Entfaltung nnd ungehinderten Bethätigung seiner geistigen Anlagen gebracht werde, damit es nicht theilhastig werde eines Einflusses und. Ansehens im bürgerlichen und politischen Leben, welche durch jene Entfaltung erlangt werden können. Mögen die Förster nnd Genossen ihre desfallsigcn Wünsche niederlegen wo auch immer, die Pforte zum königlich