Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1886)
- Article
- Die Agitation gegen das Schächten
- Date
- 1886-12-23
- Page
- 806 (sequence 2)
- Language
- German
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Professor Di*. Ellenberger in Dresden, Mitglich der Veterinär-Kommission, schreibt am 7. Novemder 1666: ״Die Anwendung des Genickstiches oder dcS Kopfschlages nach dem Schächten hat absolut keinen Werth. Sie ist überflüssig und unzweckmäßig, erstereS aus den Gründen, welche das Lehrerkollegium der Berner Thicrarzneischule ansührt, und letzteres deshalb, weil cS das gewöhnliche Ausbluten der Thicre hindert." Professor Dr. PolanSki, an der t k. Thierarzneischule in Wien, giebt unterm 6. November 1686 feine Meinung dahin ab: ״Frage 1): Liegt eine Beranlasstmg vor, nach Vollzug des Halsschnittes beim rituellen Schächten durch irgend einen weitern Akt die Schmerzempfindung zu vermindern? ist mit Nein zu beantworten, da in Folge der eintrctenden Verblutung das Bewußtsein jo rasch schwindet, daß der Kopfschlag oder der Genickstich wohl erst bei cingetretener Bewußtlosigkeit ausgeführt werden kann, eine Verkürzung des Schmerzes ist daher durch diese Methode nicht zu erzielen. Frage 2): Würde eine Betäubung durch Kopfschlag oder Genickstich nach dem Schächtschnitte hinsichtlich der Qualität des Fleisches sich als zweckmäßig, erweisen? Durch den Kopfschlag oder Genickstich wird die Verblutung nicht gefördert und ist daher die AuSführung derselben nach dem Schächten nicht zweckmäßig." De. He rtwig, Oberstabsarzt des städtischen Zentralviehhofes zu. Berlin, unterm 21. November 1886: ״Ich habe nur einmal, als ich einen Antrag auf Bestrafung einiger bei dem Schlachten im Allgemeinen vorkommenden unnützen Quälereien cingcbracht hatte, Gelegenheit genommen, über das Schächten mich dahin zu äußern, daß ich dasselbe nicht für eine Thierquälerci halten könne. Diese Acußerung ist meine Ucbcrzcugung und sollte ich von maßgebender Seite ansgefordcrt werden, ein Gutachten darüber abzugebcn, jo werde ich cS stets in dem vorstehend ausgesprochenen Sinne thun. Was nun Ihre zweite Frage betrifft, die lieberflüssigkeit, Unzweckmäßigkeit und vielleicht auch Schädlichkeit des Genickstiches oder Kopfschlages nach dem Schächten, so kann ich dieselbe nur dahin beantworten, daß ich eine Schädlichkeit d. h. nachthcilige Wirkung auf das Fleisch zwar für ausgeschlossen, den Genickstich oder das Kopfschlagen aber für mindestens überflüssig und zwecklos halte." A. Fick, Professor au der Physiologie in Würzbürg, unterm 27. November 1886: ״Die Frage: Liegt eine Veranlassung vor, nach Vollzug dcS Halsschuittcö beim Schächten durch irgend einen weiteren Akt die angeblich noch andauernde Schmerzempsindmig des ThiercS zu vermindern, sowie die Frage, ob durch jene Betäubung eine Verkürzung dcS Schmerzes für das geschachtete Thier gesichert sei, glaube ich mit einem entschiedenen ״nein" beantworten zu dürfen. Die Begründung für diese Antwort habe ich in einem eingehenden Gutachten vor etwa zwanzig Jahren gegeben, das Ihnen vorliegt." Geheimer Medizinalrath Professor vr. Meißner, Direktor dcS physiologischen Instituts zu Göttingen, unterm 29. November 1886: ״Da Sie einen Werth darauf legen, meine Meinung über die drei bezüglich des Schächtenvon Ihnen formnlirten Fragen zu erfahren, so thcile Ihnen sehr gerne mit, daß auch ich davon überzeugt bin, daß jede weitere Operation, die nach gelungener Ausführung des HalSschnittcs noch vorgenommen werden sollte, in der Absicht, die SchmerzenSempfiudung dcS Thiereö zu mindern und abzukürzcn, völlig überflüssig und zwecklos ist. Ich setze dabei voraus, daß durch den Halsschnitt die beiden großen Kopfschlagadern vollständig durchgetrennt und frei geöffnet sind, ebenso halte auch ich es für richtig, daß in Folge der plötzlichen Anämie des verlängerten Markes eintrctcnde Krämpfe zur vollständigen Ansblutung wesentlich unterstützend beitragen und daß direkte Verstörnng des Markes durch Genickstich in dieser Richtung nur hinderlich werden könnte." Professor Dr. H c u {cit, Direktor des physiologischen Instituts zu Kiel, unterm 29. November!886: ״Meiner Ansicht nach muß das Bewußtsein sehr rasch schwinden und statt dessen ein schlasähnlichcr Zustand cmtretcn, weil die Unterhaltung der Gehirnthätigkcit durch den Blmstrom säst aufhört. Ein Genickstich würde ungünstig auf die Entleerung dcS Blutes eiuwirkcn, weil er eine Erschlaffung der Gefäße zur Folge hat." Professor Dr. P reycr, Hofrath, Direktor der physiologischen Anstalt in Jena, unterm 1. Dezember 1886: ״Die dritte Frage — (ob durch Betäubung nach dem Schächten eine Verkürzung des Schmerzes gesichert wäre) — dagegen muß ich in der vorliegenden Formulirung entschieden verneinen. Denn daß eine durch Kopsschlag oder Genickstich herbeizusührende Vctänb'.mg nach dem Halsschnitte eine Verkürzung der Dauer der SchmerzenSempsindung nicht ״sichert", folgt schon aus der Unmöglichkeit, je'oeSmal sogleich beim ersten Versuch den Schlag und Stich richtig, d. h. rechtzeitig an der rechten Stelle und kräftig genug ausznsühre«. Beide Operationen sind außerdem an sich ohne allen Zweifel schmerzhaft." - Professor vr. Eckhard, Direktor des anatomischeu Theaters und physiologischen Instituts an der Universität Gießen, unterm 2. Dezember 1886: ״Ohne ans eigener Anschauung das Verfahren des SchächtenS zu kennen, kann ich ein in jeder Beziehung sichergestelltes Gutachten nicht abgebcn. So viel ich darüber habe erfahren können, halte ich die Angriffe auf dasselbe von Seiten der Thierschutzvereine für unbegründet und; glaube insbesondere, daß die Prozeduren, welche man