Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1886)
- Article
- Die Toleranz des Judenthums
- Date
- 1886-12-16
- Page
- 786 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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786 Der Lehrer, welcher also seine Schüler nicht ans seine eigene Tugend verweist, sondern auf die Lehre der Religion, deren Kenntniß er ihnen vermittelt, wird der Jugend allerdings auch in der bescheidenen Gesnmnng und in der ernsten Auffassung der LcbcnSausgabe als leuchtendes Vorbild erscheinen, trotz der Mängel und Schwächen, welche seinem Wesen anhaften. Der Lehrer aber, welcher in sträflicher Geringschayung dcS NcligionSgesctzeS dessen Anforderungen nicht Gehorsam leistet, welcher in Leichtfertigkeit und Hochmnth sich von der Erfüllung der NeligionS- Vorschriften cmanzipirt, der Lehrer ist ein Verführer der Jugend, der crtödtct in ihr das sittliche Bewußtsein und verleitet sie zu Abfall und Sünde. Besser gar keinen Religionsunterricht, als einen solchen von einem gewissenlosen, leichtsinnigen Lehrer. Man lasse die Jugend lieber ohne Kenntniß aufwachseu, als sie durch das verderbliche Beispiel eines die Heiligkeit dcS Neligionsgesctzeö durch sein Leben verspottenden Lehrers zu Verächtern dcS Judenthnmö heranbildcn. Wir sind uns der Tragweite dieses Ansspruchs voll bewußt, aber auch der entschiedenen Ansicht, daß cs weit vorZuziehcn ist, unsere Kinder in Unwissenheit hcranwachscn zu lassen, daß sie ihrer Psticht aus Unkenntniß nicht genügen, als daß sie in bewußter Anslchnung muthwillige Verächter. des Gesetzes werden. Wir glaubcu hierfür das מוטב שיהיו שוגגים iu Auspruch nehmen zu sollen. Es ist ein harter Ausspruch, aber eine leider kaum zu bestreitende Thatsache, daß für den traurigen Zustand der Gegenwart: die religiöse Gleichgültigkeit, die Mißachtung des NeligionsgesetzeS, die Entfremdung dcS Lebens vom jüdischen Ncligionsgcsctze, wie sich solche in der Entweihung des SabbathcS und anderer rcligionSgcsetzlichcr Institutionen in vielen Kreisen in erschreckendem Umsange unzweideutig dokumentirt, die Lehrer mit an erster Stelle verantwortlich sind. Wenn de!n Abfälle und Trenbruch, der Gleichgültigkeit und Leichtfertigkeit überall der Lehrer und Rabbiner — dieser Wächter der GefetzcStrcne im Kreise der Gemeinden — Gewissenhaftigkeit, Stand- Hastigkeit, Begeisterung und Ernst entgcgenzuhallcn gcwcsen wäre, so hätten wir über den furchtbaren Bruch der Zeit nicht in dem Maße zu weinen, wie im Hmblick aus die furchtbare Verheerung, welche die sogenannte' Reform in unserer Mitte angcrichtet, nur allzu gerechtfertigt .ist. Wenn nufere Lehrer und Nabbiuer — die Letzteren sind ja gewiß die obersten Religionölchrcr —.'in'edler Begeisterung der Fahne des jüdischen..HeiligthümS den Eidschwur der Treue bewahrt und den: Gemeinden das leuchtende Beispiel ol ^.׳willigsten Gehorsams gewährt hätten, eS wäre nicht so.weit gekommen. Ähr Wort, ihre Lehre, ihr Beispiel hatte dem Abfall Einhalt geboten und eine ganze Generation vor religiösem Verfall bewahrt. In jeder Gemeinde wäre doch wenigstens ein Hüter des Gesetzes, ein Wahrer der alten Gewissenhaftigkeit vcrblieben als unentwegter Mahner und Warner. Das Jndenthum hätte überall doch wenigstens einen Vertreter gehabt, der den Abtrünnigen die Helligkeit, Unantastbarkcit 'und ewige Verbindlichkeit dcS jüdischen NcligionsgesctzeS zum Bewußtsein gebracht und dem gänzlichen Erlöschen der Kenntniß eines wahrhast gesetzmäßigen jüdischen Lebens vorgebeugt haben würde. ES hätte doch das Jndenthum in konkreter Verwirklichung nicht gänzlich in Vergessenheit gerathen können, wie cS leider in manchen Kreisen heute der Fall ist. Statt dessen waren cö aber an vielen Orten gerade Lehrer und Rabbiner, die dem Abfall huldigten und durch ihr Beispiel dem Leichtsinne und Trcubruch immer neue Opfer in die Arme führten. Lehrer und Rabbiner waren cs, die den Trenbruch predigten, das Gewissen des Volkes einschläferten, Gleichgültigkeit gegen die Religion erzeugten, Mißachtung der NeligionSsatzung sanklionirtcn — kurz, welche durch Lehre und Beispiel den ganzen Verfall verschuldet haben. Sie waren es, welche den Ungehorsam gegen die Gebote der Religion als Aufklärung und Fortschritt, als Frömmigkeit und Tugend priesen — und da kann cö sie Wunder nehmen, wenn das Volk auch dasjenige, was sie als Religion lehren, verachtet, und ihren Mahnungen kein Gehör giebt?? Wahrlich sie allein sind die bewußt Abtrünnigen, die מזידים, das Volk aber fehlt und sündigt aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit, die sie verschuldet. .(Schluß folgt.) Von Nabbmcr Dr. E. Plcßner. des WmWlS, (Schluß.) Auf den Fittigcn dieses SeraphimgesangeS schwang sich ihr Genius himmelwärts empor in jene lichten .Räume der Verklarung, während auf ihren physischen Trimmern stolz und kühn die Ehreudeulmälcr für Israels Glauben sich erhoben. Doch die Tyrannei mußte erfahren, daß die Macht der GlaubenStreuel) uiibcsicgbar ist. Als das Heidenthum zu Grabe getragen ward und das Christcnthnm die Herrschaft erlängte, da war cs wiederum der Stifter der christlichen ') Israels Standhaftigkeit im Glauben wlrd in dem Pint: "א1מ א(י הומה" des ״Hoschauah Nabbah" herrlich besungen.