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Jeschurun · 1886-12-09 · Heft 49 (9.12.1886) · p. 778

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 49 (9.12.1886)
Article
Deutschland und Rußland
Date
1886-12-09
Page
778 (sequence 2)
Language
German
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778 als der theuerste Schatz der.Menschheit. Und wenn auch in den Kreisen dieser Gesetzcstreuen, dieser aufrichtig und wahrhaft frommen Juden Deutschlands nicht in dem Maße jüdische Gelehrsamkeit anzutreffen ist wie in Rußland, wenn in Deutschland heute vielleicht nur Wenige sind, die sich auf dem weiten Gebiete der talnmdischen Wissenschaft mit den russischen Gelehrten messen könnten, so muß man doch zugestehen, daß nicht das umfassende Wissen, sondern die Bethätignng dcö für wahr Anerkannten das Hauptsächliche ist. Die frommen deutschen Juden haben auS ihrem Wissen die wahre Erkenntnis zu schöpfen vermocht, sie haben sich erprobt unter der schweren Versuchung deS sie umgebenden Abfalls, sic sind stark geblieben den Verlocknngen einer gleißncrischen Wissenschaft gegenüber, sie sind von aufrichtiger Begeisterung für das Judenthum erfüllt und jederzeit zu den schwersten Opfern bereit, sie gewähren ein vollgültiges Beispiel treuer Pflichterfüllung. WaS sie anstreben, ist über jeglichen Verdacht einer unlautern Nebenabsicht erhaben. So wird unter ihren treuen Händen das Judenthum in Deutschland zu einer herrlichen Entfaltung und Blüthe gedeihen. . Stätten acht jüdischer Wissenschaft, in ächt jüdischem Geiste gepflegt, werden dort erstehen und ein Geschlecht hcranblühen, erfüllt von jüdischer Erkcnntniß, und solche bewahrheitend im Leben in wahrhafter Ausklärung und achter Bildung. (Schluß folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten Deutschland. #־ Hannover, 7. Dezember. Es wird uns mitgctheilt, daß das Präsidium des deutschen ThierschntzvcrbandeS seine frühere Petition gegen die jüdische Schlachtweise bei dem Reichstage erneuert hat. Es wird in derselben auch auf die von nnS bereits früher bekannt gegebene gutachtliche Erklärung des Herrn Wertheimcr in Genf, welcher irriger Weise als Oberrabiner der Schweiz auSgegeben wird, Bezug genonlmen. Die Petition des ThierschntzverbandcS bezweckt nichts GeringereS als die Tödtung der Schlachtthiere nach Vorschrist des jüdischen NeligionSgesetzeS zu inhibircn und danlit den in Deutschland vorhandenen Inden den Genuß der Fleischspeise überhaupt zu entziehen. Wir jordern wiederholt auf, die von jüdischer Seite gegen diese Petition erlassenen Vorstellungen zu erneuern. 6. Berlin, 6. Dezember. Es sind bis jetzt etwa 120 Petitionen von verschiedenen Synagogen-Gemeinden bei dem Bureau des Reichstags eingegangen, welche um Ablehntmg der von anderer Seite ins Werk gesetzten Petition gegen die jüdisch-religiöse Schlachtmethode bitten. Wie versichert wird, soll allerdings kaum anznnehmen sein, daß die Mehrheit des Parlaments einer Resolution zustinunen wird, die geeignet wäre, den Juden die Ausführung der von ihren Reliaionssatzungen gebotenen Schlachtweise zu versagen. Mir wird aber trotzdem es als sehr dringend bezeichnet, daß aus einer thunlichst viel umfassenden Anzahl israelitischer Gerneinden gegen die thierfcenndlichen aber Menschenfeindlichen — weit einer immerhin beträchtlichen Bevölkerung den Genuß an Fleischnahrung entziehend — Bestrebungen des Thierschntzvereins - Verbandes Vorstellungen an den Reichstag gelangen. Man möge sich auch nicht in dem Glauben wiegen, daß der gegenwärtig versammelte Reichstag keine Muße finden dürfte, sich mit der Sache zu beschäftigen. Man könnte sich in dieser Hinsicht sehr täuschen. Selbst ans die Gefahr hin, zum dritten Male petitioniren zu müssen, soll man jetzt nicht lässig sein. Unsere Gegner ermüden nicht, darum müssen wir stets auf den gui vive stehen. M. Berlin, 7. Dezember. Die ״Neue Preuß. Ztg." enthält in ihrer heutigen Ausgabe die folgende Notiz: Die Verbreitung der hebräischen Uebersetzung des Neuen Testaments von Delitzsch nimmt in Rußland immer größere Dimensionen an. Neuerlich beginnen die Inden in Sibirien es mit besonderem Eifer zu lesen; es machen sich religiöse Bewegungen unter den Inden dort bemerklich, welche an die bessarabische Christenthumsbcwegung erinnern. Der Platz, von dem aus die Verbreitung des hebräischen Neuen Testamentes unter den Juden besonders gefördert wird, ist Tomsk. Die Juden in Sibirien kennen den Talmud nur sehr wenig und sind dadurch zugänglicher für das Evangelium." Es dürste allerdings wohl nicht zu bezweifeln sein, daß die Delitzsche hebräische Uebersetzung, falls sich eifrige Kolporteure dafür finden, sehr leicht verbreitet werden kann, wie ja wohl eS kein einziges Buch giebt, das sich in vielen Tausenden von Exemplaren vertreiben ließe, wenn dem Empfänger durch Erwerb keine Kosten entstehen. Ob aber durch die Lektüre dieser hebräischen Uebersetzung deS Neuen Testaments Juden für die Taufe zu gewinnen sind, möchte doch wohl kaum anzunehmen sein. W. Hamburg, 5. Dezember. Wie Beharrlichkeit doch endlich zum erwünschten Ziele führt, davon hat unser Herr Rabbiner Stern einen erfreulichen Erfolg zu verzeichnen. Der von der Gemeinde in neuerer Zeit gegen seinen Willen benutzte sogenannte OhlSdorfer Friedhof war bis jetzt doch der einzige, welcher den Gemcindeangeyörigen zur Verfügung stand. ׳ Ich will in diesem Augenblicke keine noch nicht ver-

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