Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1886)
- Article
- Nomadenthum und Judenherrschaft
- Date
- 1886-12-09
- Page
- 775 (sequence 2)
- Language
- German
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775 in welcher alle Nichtjuden nur als Judcnsklavm ihr Dasein zu fristen haben? Wahrlich, cö gehört eine eiserne Stirn dazu, eine solche bodenlose Unwahrheit in die Welt hinauszurufen. Wahrmund hat den Math, der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen und als keines Beweises bedürfende Thatsachen die tilgen zu verbreiten, daß die Juden ״durch ihr Gesetz zur Vernichtung oder Knechtung der Nichtjuden anfgefordcrt werden," daß der Juden ״Natioualreligion" ,.Härte gegen alle Nichtjuden zur Pflicht mache," u. s. w. u. s. w., Alles um des einzigen hohen Zweckes willen, die Inden zu ver-- nichten. Wo ist in der Vergangenheit des jüdischen Volkes auch nur jemals eine Spur vorhanden, daß die Juden die Herstellung einer Weltmonarchie an gestrebt? Wo eine solche in den heiligen Bekeuntnißschriften des Judenthums, daß eine solche angestrcbt werden solle? Wo in dem Leben der Gegenwart eine solche, daß die heutige Jndenheit sich mit einem solchen Gedanken trüge? (Schluß folgt.) ®iftfaiit. Von Naphtali S i m o n. --־ (Nachdruck verdotcn.) (Fortsetzung.) ES war eine schmerzliche aber heilsame Erfahrung gewesen, welche zum Schlüsse der Schuljahre Joseph Friedlich nicht erspart werden sollte. Sie hatte ihn ia geeignetester Weise für das Leben und ganz speziell für die Studentenzeit vorbereitet. Der große Agitator und seine Genossen hatten nicht vergebens die Giftsaat der Zwietracht, des Mißtrauens und des Neides 6uSgestreut, und die Stätten der Wissenschaft hatten sich als ein ganz besonders empfänglicher Boden für die, üppigste Ernte verheißende, Kultur des schnödesten Hasses und nacktesten Egoismus, dcS eigentlichen Wesens der sich ״Antisemitismus״ nennenden Bestrebungen, erwiesen. Das in erster Zeit noch nicht ganz unterdrückte Schamgcfühl war bald ertödtet. Man hatte bald aufgchört, die Bezeichnung ״Antisemit" als ein die menschliche Wurde verletzendes Brandmal zu betrachten, gegen dessen Anhaftnng die Strafgewalt deö Staates schirmend einschreiten muß. Man schämte sich nicht mehr seiner Leidenschaft. Männer der Wissenschaft, Namen von Klang, traten auf und ׳deckten mit dem Gelehrtenmantel den noch schwachen Keim der giftigen Saat. Unter dem Hauche der Philosophie, Theologie, Gcschichtsforschnng, Jurisprudenz. Nationalökonomie ging sie prächtig auf und schlug kräftige Wurzeln in den Herzen der akademischen Jugend, der Elite und Hoffnung des Volkes. Den hochstrebenden Jünglingen, für Wissenschaft und Erkcnntniß, für Vaterlandsliebe und Nationalstolz erglühend, ward der jüdische Mitbürger als Feind alles Edlen und Nationalen geschildert. Judenhaß und Patriotismus wurden ihnen zu sich völlig deckenden Begriffen. Sic vermeinten, ihr nationales Bewußtsein am besten in dem Ausschluß der jüdischen Kommilitonen von allen studentischen Vereinigungen zu bethätigen. Sie wähnten, eine edle Gesinnung zu pflegen, wenn sie dem 311bcu ans dem Wege gingen. Sie glaubten, tapfer und muthig zu sein, wenn sie Hohn und Spoit ans das Haupt der Kameraden häuften, welche Abraham zum Ahn hatten. Ja. cS war Dank der unermüdlichen Thätigkeit der Leiter der Bewegung ein Bund errichtet worden, welcher die gcsammte Studentenschaft umfassen sollte und ausgesprochener Maßen die Aechtung der Juden als heiligste Aufgabe der Nation proklamirte. Der leicht zu bcthörendcn Jugend, welche übrigens meistens die Disposition zu der Verachtung der Juden als Erbtheil aus bcm Elternhause mrtgcbracht hatte, erschien diese Aufgabe als Förderung der Befreiung des Vaterlandes und Hebung vaterländischer Gesittung. Eine solche Atmosphäre umgab die Welt, in welche Joseph Friedlich eintretcn sollte. Hatte er darum nicht alle Ursache, dem weisen Gymnasialdircktor dankbar zu sein, daß cr ihn hierauf vorbereitete? Damit hatte ihn auch der Vater in seiner bedächtkgcn Weise getröstet. ״(Zs harren Deiner noch viele ähnliche trübe und schmerzliche-Erfahrungen, lieber Sohn. Lasse Dich dadurch niemals beirren. Verliere darum nicht das Vertrauen zu dem edlen Kern, der trotzdem in jegliches Menschen Brust lebt. Er ist nur überwuchert von dem Unkraut der Leidenschaften. Bewahre Dir aber vor Allem das Bewußtsein der eigenen Würde. Lerne der Thorheit lächeln und ihre Streiche treffen Dich nicht hart. Dein Werth aber beruht vor Allem in der Treue, die Du Deinem Gotte bewahrst. Halte unverbrüchlich fest an den heiligen Satzungen des JudmthumS. Sei streng gegen Dich, milde und nachsichtig gegen Andere. So segne Dich Gott und geleite Dich durch das Leben!" Das waren die Abschiedsworte des Vaters gewesen. Joseph hatte in der Universitätsstadt nur wenige Genossen gefunden, zu welchen er in näheren Verkehr treten mochte. Der kleine Kreis genügte sich aber gegenseitig. Er bestand aus wirklich ihren Studien obliegenden jungen Männern, die in der Erkenntniß die höchste Befriedigung suchten und fanden. Nach des Tages Arbeit traf man sich und verlebte in dem AuStausch heiterer Jugendlust und ernster Gedanken den Abend, unbekümmert um das geräuschvoll austretende Treiben ringsum. So wenig sie Anderen hindernd in den Weg traten, so fanden sich doch einige Heiß-