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Jeschurun · 1886-12-09 · Heft 49 (9.12.1886) · p. 774

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 49 (9.12.1886)
Article
Nomadenthum und Judenherrschaft
Date
1886-12-09
Page
774 (sequence 1)
Language
German
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774 ItafikRtSp!!lieb Mdcllljerrschast. 1 (Fortsetzung.) Nicht weniger als sieben Kapitel verschwendet Wahr-! mund an der breitspurigen Abhajpeiung der Gefahren des NomadenthumS für den Staatsverbaud, der Lüge zu Liebe, daß Inden Nomaden seien. Was nur boshafte Verleumdung und krasse Dummheit jemals Unwahres und Ungereimtes zu Tage gefördert, wird hier in nuce aufs Neue dem Publikum geboten, aus dessen Gedankenlosigkeit und Böswilligkeit man rechnen zu können glaubt. Oie frechsten Entstellungen und bodenlosesten Lügen werden hier aus den verrufensten und zum Ueberdruß als Trug nachgewiesenen Quellen exzerpirt, ostensibel zu keinem andern Zwecke, als dem schüchternen ungelehrten Antisemitismus, welcher vielleicht doch noch so viel Schamgcsnh! besitzt, um Anstand zu nehmen, sich aus eben in ihrer Schändlichkeit und Verlogenheit entlarvte Subjekte zu berufen, Math einzuflößen und getrost zu JustuS-Brimann, Rohling und ähnlichen Pcunphletisten zu greisen und deren Lügen abermals den Juden ins Antlitz zu schleudern. Warum sich genircn, wenn ein Professor sich nicht entblödet, trotz ihrer Entlarvung aufs Nene deren boshafte Ungereimtheiten wiederum aufs Tapci zu bringen und dabei die ernstwissenschastliche Miene auszusctzen, als wenn sie die klassischsten von keiner Seite widersprochenen Zeugen gegen Juden und Jndenthum wären. Ein solches Ver« fahren ist vor Gott und jedem redlich denkenden Menschen gerichtet. Man braucht kein Jude und kein Jndensieund zu sei, man kann der enragirtcste Judenfeind sein, man kann die Inden wie die Pest fliehen und wird dennoch den Stab über ein Unternehmen wie das Wahrnnmd'sche in sittlicher Entrüstung brechen müssen, daS sich nicht entblödet, solche Waffen in dem Kampfe gegen die bitter gehaßten Juden zu führen. ES giebt keine frechere Leugnung der historischen Wahrheit, als die Juden zu Nomaden stempeln zu wollen, und keinen frivoleren Mißbrauch der dem Mcnscheu verliehenen GotteSkräste, als das entsetzliche Spiel, welches in dem Wahrmun-'schen Pamphlet mit dem Heiligsten getrieben wird. Wir kennen kein Werk, welches in umfassenderer, planmäßiger Weise die Entfesselung der unwürdigsten und verwerflichsten Leidenschäften zum Ziele hat, keines, das cS übertrisst in der niedrigen und widrigen Kunst der Entstellung und Lüge. Man könnte einen Preis cmSsctzen für die Entdeckung eines einzigen wahren Satzes, eines einzigen reinen Gedankens in den sechzehn Bogen, welche das Wahrmund'sche Buch ausmachen׳, cs würde ein Problem sein, welches der scharfsinnigsten Forschung ebenso spottet wie die Auffindung der Quadratur des Zirkels. Nachdem der Verfasser durch den schmählich abgenutzten Kunstgriff endloser Wiederholung einer und derselben Unwahrheit den Verstand des Lesers so umgarnt zu haben glaubt, daß ihm die Begriffe Jude — Nomade — Räuber völlig identisch geworden, predigt er den Krcuzzug gegen die Juden. Um aber zu einem solchen edlen Werke die allgemeinste Begeisternng zu entflammen, bedarf es der Schilderung der unmittelbaren Schädigung, welche einem Jeden von den Juden zu gefügt werde. Welcher Deutsche, Oesterreicher oder Franzose würde an einem Vernichtung«- kriege thcilnehmen, wenn es allerdings einer Räuberbande gelte, aber diese hauste in entlegenen Wäldern und bedrohte gerade ihn nicht? Der ganze bisherige Aufwand an Lng und Trug wäre verloren, so lange nicht ein Jeglicher überzeug! wird, daß er in dem Kampfe gegen die Inden das Schwert zum Selbstschutz gegen ihn unausgesetzt schädigende Räuber führt, die keine Schonung kennen, vor denen weder das Vieh auf .der Weide, noch der Halm auf dem Acker sicher sind, gegen die das dicbs sicherste Schloß nichts verschlägt, die kein Erbarmen kennen weder mit den! am Boden verendenden Feind, noch mit dessen! verzweifelnden Weibe, die des Kindes im Mutterschotze nicht schonen, die den Later von Haus und Hof treibet! und die Söhne und Töchter auf den Sklavenmarkt, die die Fürsten von dem Thron stoßen, die Väter zu Heloten machen und die ganze Welt in einen Räuberstaat umwandeln, in welcher sie allein die Herrscher, alle Andern aber Sklaven sind, aus welchem alle Kultur, Sitte, Tugend, Wissenschaft verbannt sind und somit die Welt zu einer trostlosen Oedc umwandclt wird, die von dem Seufzer, dem Wchgeschrci und Kcttenklirren mißhandclrcr Christcnskaven und der baccchantischen Lust der Judcnhcrrscher wicderhallt. Diese furchtbare Perspektive muß darum einem Jeglichem unmiüdbar tu das Gesichtsfeld gerückt würden, auf daß er sich zur Heeresfolge entschließt unter Ausühruug vou Wahrmnnd- Dnriug'-Drumvnt-Lagarde die Judenbande zu überwattigen. Und darum gesellt sich 311 der Lüge von dem Nomadcn-Nänbcr-Judcnthnm die nicht geringere der ״In den Herrschaft", welcher Alle, Alle, auSnahmsloö verfallen sind, so sic nicht noch in der gegenwärtigen zwölften Stunde sich dagegen aufznrafsen Muth und Kraft besitzen. Den Popanz der Juden Herrschaft in scheußlichster, grotesker Gestaltung vorzuführen, dafür werden wettere fünf Kapitel geopfert. In denselben reicht die plumpeste Lüge der schamlosesten Verdächtigung die Hand. Lüge ״kann nur durch Lüge gestützt werden. Wo aber wäre auch nur die Leiseste Spur einer Wesenheit für die Ausgeburt wahnwitzigen Hirngespinstes, für das Phantom der von Juden angestrebten jüdischen Welrmonarchie,

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