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Jeschurun · 1886-12-09 · Heft 49 (9.12.1886) · p. 772

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 49 (9.12.1886)
Article
Die Toleranz des Judenthums
Date
1886-12-09
Page
772 (sequence 2)
Language
German
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772 als Anhänger deS Christenthums dabei auch von dem ihm heiligen Gedanken des Stifters -er christlichen Religion geleitet wird, was aber für einen Juden, der eben ausschließlich an den Schöpfer des Himmels und der Erde glaubt, durchaus keine Veranlassung ist, einen Christen nicht schwören zu lassen." ') (Siehe die literarischen Notizen der הגהות ל עקיבא זצ״ל.) Rabbi Elieser Aschkenasi in seinem Werke ״Maasse Haschern" erklärt den Davidischen Vers zu Psalm 79: ״Schütte aus deinen Zorn auf ״die" Völker, die dich ״nicht" kennen, und auf ״die" Reiche, die ״deinen Namen nicht, anrufen", als auf Heiden bezüglich, während die Völker, unter bcncu wir ״jetzt" leben, einen gemeinsamen Gott, der Himmel und Erde ge-׳ schaffen, mit uns im Verein anbeten. Aber der Gott der Liebe mag selbst seiner Widersacher Untergang nicht sehen, wie jene schöne Para- Phrase im Talmud, Tract. Megillah 10 b. sinnreich erzählt: ״Als die Aegypter den Wellentod fanden, wollten die Engel einen Triumphgesang austimmcn, da sprach der Gott Israels: Wiel meiner Hände Werk sank ins Meer, lind ihr wvuei Lieder singen'?" So erkören die Tossafot zu Aboda Sara 26 b., daß das im Talmud gebräuchliche Wort: "עבוט" schon durch dessen Initialen: ״ ,עובדי כוכבים ומזלותAubctcr der Sterne und Planeten" sich auf die ״Götzendiener" beschränkt, die keinen Gottesglanben und folglich auch keine Moral gekannt. Und wie sollte ich hier meiner Feder freien Lauf lassen, um ׳das so massenhafte Material aus der rabbinischen Literatur zusammenzttstellen, das unwiderlegbar ״das Verhältnis der Juden zu den dieselben unigebenden Vekennern deS Christenthums als ein durch den gemeinsamen Glauben an Gott sich harmonisch zu gestellcndcs bezeichnet?" ״) Aber auf ein altes, zweimal wöchentlich zu sprechendes- Gebet möchte ich hier aufmerksam machen, worin Israel ״selbst" und zwar in den Mauern seines Gottes- Hauses, von Christen unbclauscht, zu Gott spricht, daß Ihn ja auch die Völker verehren und somit der Vorzug Israels in dem eigentlichen Gottesgcdanken vor Nicht׳ israclitcn anfgehört hat, es sei denn, sic doknmentircn H Siehe ברבי יוסף Kap. 156, Schluß. נודע ביהודה £11. יורה דעה Kap. 148, siehe שך j־1״e den. Kap. 151, Schlagwort:ונהגו להקל -) Ucbcr die ,,Bruderliebe", die zwischen Juden und den Christen der Gegenwart herrschen soll, siehe das NeligionSbuch meines BaterS זצל, Kap.: ״Aichtisraeliten" von Seite 258—268, ganz besonders die große Anmerkung ans Seite 266 im Namen des Nabbi MoseS ChagiS. Ferner Einleitung zu ״Noda Bijhnda", Theil I, Einleitung zn ״Hamzaref", Theil I, ebendasetbst Kap. 97, Ciuleitnng znm ״Ben Jochen", Nabbi Jakob GmdcnS Koin« mentar zu ״Pirke Aboth", Abschn. 4, Mischnah 13, u. s. w. ihr spezifisches Jsraelitenthnm durch Forschung in der Thora und der Bethatignng der den Juden speziell erthcilten Gebote. Es ist dies der Satz: ״Dir, Ewiger, vertrauen wir, auf Dich, Ewiger, hoffen wir, Dein, Ewiger, harren wir, daß du nicht schweigen wirst und uns Inden leiden lassen; (du wirst uns unverdiente Gnade augedeihen lassen!) denn es sprechen die Völker: ״Verloren ist der Juden Hoffnung! da ja bereits jedes Knie, jede Höhe nur dir allein sich beugt!" ״Worin zeichnen sie sich also als ״Juden" aus?" "!כל ברך וכל קומה לך לבד השתהות" Nun fügt der israelitische Deter hinzu: ״Du reichst ja, Allgütiger, väterlich-huldvoll den Abgesallcnen und Sündigen die Hand zur Wiederausnahme, wenn sie Reue fühlen. Es ist wahr, daß wir weder Gerechtigkeit noch irgend ein Verdienst anfznwciseu haben, wir können uns in der That nur aus dein mit unfern Vorfahren geschloffenes Bündniß und darauf, daß wir dich täglich als Ewigen, aber auch ״Äiuigcu" bezeugen, berufen." Im weitern Verlauf wird aus Israels Leiden hingewiescn, ans seine liesi-raurige Stellung unter den Völkern, die Israel ja doch nur um seines GlaribcnS willen hassen, ״darum", so schließt das Gebet, ״sei gnädig deinem Volke, stehe ihm bei, Allgütiger, denn cs bleibt ewiglich treu der Parole: ״Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, einziges Wesen!" Und das eben ist die wahre Signatur des JudenthumS, dies siin Kennzeichen seit seiner Entstehung, daß cs neben dem Schöpfer des Himmels und der Erde keinem Wesen im Himmel und auf Erden huldigt. DaS Judcnthum achtet den Glauben des ChristenthumS, wie überhaupt jede Glaubcnsrichtung aller Religionsgenossenschastcn und cs wird zu dieser Würdignng seitens der jüdischen Urkunden aufgefordert. Aber für sich selbst steht das Judenthum heute noch und wird immer und ewig felsenfest auf dem Standpunkte Abrahams, deS ersten GtauvenShclden, stehen bleiben. Man hat Scheiterhaufen den Söhnen JndaS errichtet, man hat ans die Folterbänke sie geschraubt, um sie durch Tortur zum Abfall von dem Glauben ihrer Väter zu zwingen; doch standhaft zeigten sich die <L>öhne Judas und, geschmückt mit der Mänyrerkronc, flüsterten sie angesichts ihrer Vergewaltiger noä) in den letzten Athemzügen ein leises: ״Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, einziges Wesen \l) Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für und ') Bekanntlich wird der ישראל >'M.VcrS verschiedenartig übersetzt, was jedoch näher zu erörtern hier nicht am Platze ist. Siche die Auslegung der ׳ עלDin רבותינו יעלי התורה des שמע ישראל.

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