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Jeschurun · 1886-12-09 · Heft 49 (9.12.1886) · p. 771

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 49 (9.12.1886)
Article
Der jüdische Religionsunterricht
Date
1886-12-09
Page
771 (sequence 3)
Language
German
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771 י Wir möchten die ernste Frage aufwersen, ob wir hierin uns in einem Jrrthum befinden und möchten ferner fragen, ob wir hierin einen Punkt berührt haben, welcher so außerhalb der gewöhnlichen Sphäre liegt, daß man uns entgegnen könnte, wir hätten uns hier ein Problem konstrnirt, das' in der Wirklichkeit selten anzutreffen wäre? Und wenn inan zugeben wird, daß wir hier nichts Außerordentliches berührt haben, daun wird man uns auch zugestehen müssen, daß wir wohl berechtigt sind, den Satz anszustellen: der Lehrer der Religion sei vor Allem in der Erfüllung ihrer Anforderungen streng gewissenhaft. (Fortsetzung folgt.) Die Tolera«; des fiikutiiini«. Von Rabbiner D1\ E. Pleßner. Bildet die Glaubensrichtung der Juden eine Scheidewand zwischen denselben und ihren andersgläubigen Mitmenschen? Sieht der Jude mit Hohn auf die Bekenner deS Christenthums herab? Kann man begeisterter Jude sein, und mit dem innigen Durchdrungensein von dem Geiste deö Judenthums auch Hochachtung vor der Glaubensanschauung der die Juden umgebenden Mitbürger empfinden? Hegt der gebildete Jude tolerante Gesinnungen gegen die Vereh rer der christlichen Religion? Alle diese und diesen ähnliche Fragen beantworte ich von dem Standpunkte deS Judenthums zu Gunsten meiner Glaubensbrüder. An der Toleranz des jüdischen Volkes gegen Andersgläubige kann nicht gezweifelt werden, liest man die Kundgebung seines Gottes in den ״Zehn Geboten" in Betreff deS Götzendienstes: ״Du sollst keine andere Götter vor meinem Angesichte haben." Sind sie denn in der That ״Götter" in den Augen Gottes, des Schöpfers deS Himmels und der Erde? Sollte nicht Israel eben jetzt jetzt gereinigt werden von den Schlacken des starren Aberglaubens, um für die Thora fähig und empfänglich gemacht zu werden? Allein, aus dieser GottcSquctle hat Israel seine Toleranz geschöpft und spricht mit Micha, dem Propheten: ״Wenn auch alle.Völker wandeln im Namen ihrer Götter, ״wir" wollen feslhaltcu an ״unserm" Gotte immerdar." (4, 5.) ״Dich, Israel, habe ich für mich allein auserkoren. Darum "">לא יהיה ל" dir sollen nicht sein andere ״Götter" neben meinem Angesichte, mache dir keine Bilder u.. s. w. Du hast dich ja überzeugt, ו) daß all' die Wesen, die die Aegypter ״Götter" nennen, ״nichts״ vermochten meiner Allgewalt gegenüber, die dich mit starker Hand und mit auSgestrecktem Arme entfesselte. ״Ihr", die ihr Nachkommen des Stammvaters Abraham seid, der in einer Zeit des finstern Aberglaubens und -krassen Unglaubens mit der Fackel der Ausklärung über den Glauben an mich, den Einig-Einzigen, leuchtend voranging, und dem ich knndthat, daß ״ihr" in ägyptischer Knechtschaft werdet schmachten müssen, um nach überstandenen Qualen erlöst zu werden, ihr sollet euch ausschließlich um das Banner des wahren GlaubenS scharen. ״Was deS Glaubens ist," sagt MoseS Mendelssohn in dem ״Anhänge" zu seinem ״Phädon", ״wollen wir dem Gewissen und der Beruhigung eines Jeden überlassen, ohne uns zu Richtern darüber aufzuwerfen. Aus wahrer Menschenliebe!vollen wir da nicht streiten, wo das Herz lauter spricht als die Vernunft und zu dem atlgnädigen Gott das Zutrauen haben, daß er uns alle rechtfertigen wird, wenn uns unser Gewissen rechtfertiget. Aber die Vernunftwahrheitcn wollen wir mehr als brüderlich theilen, wir wollen sie, wie das Licht der Sonne, gemeinschaftlich genießen. Hat es dich, Bruder, eher beleuchtet als mich; sei vergnügt, aber uicht stolz darauf, und, was noch unmenschlicher wäre, suche mir eS nicht gar zu verstellen.". Aber selbst zugegeben, daß ״Götzendienst", wohl verstanden: ״Götzendienst in des Wortes wahrer Bedeutung" nach Talmud, Megillah 25, b. und Synhedrin 63, a., dem Hohne und dem Spotte int Judenttjiime preisgegebcu ist, so erblicken wir Juden ja m den Bekennen! des Christenthums, unter welchen wir heutzutage nach allen Richtungen der Windrose zerstreut leben, die Genossen ״unseres" Glaubens. Mit klaren, .jeden leisen Zweifel ausschließenden Worten lehrt dies Rabbi Moses Jsserlein — die hellstrahlende Leuchte auf dem Gebiete der Ritualien, — zu Schulchan Aruch ״Orach Chajim", Kap. 156, indem er auSfnhrt, daß ״Jude und Christ" bei ״Eidesleistuugen" den Schöpfer deS HimnielS nnd der Erde ins Auge fassen und daß der Christ selbstverständlich Hat je schon ein Soff in dieser großartigen Weise <§ott kennen gelernt wie du durch den Auszug aus Aegypten? ״Wahrlich, dir, nur dir ist gezeigt worden, daß Keiner mehr da ist als mir der wahre, einzige Gstt " (5. B. M. 4. 34 11. 35.) Darum singt Moses: ״Gott liebt zwar die Völker" n. f. w Doch die ״Thora" befahl ״uns" Moses, sie ist Erbe Jakobs.— ״Gott beschwor Israel," sagt der Talmud Ketuboth 111, a., ״daß es sich den Völkern nicht widersetze." ף Und was die ״Aegypter persönlich" betrifft, die Aegypter, die Israel so hart bedrängten, so gebeut die heilige Schrift: Verabscheue den Aegypter nicht, Du hast seine Gastfreundschaft genossen. (5. B. M. 23, 8.)

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