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Jeschurun · 1886-12-02 · Heft 48 (2.12.1886) · p. 758

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 48 (2.12.1886)
Article
Spanien und die Juden
Date
1886-12-02
Page
758 (sequence 3)
Language
German
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758 vergessen hätte, die Mittet anzugeben, welche nach meiner Meinung angcweudct werden müßten, um die Rückkehr der Juden des Orients in ihr thcures Vaterland zu erleichtern, wie auch die Haltung zu kennzeichnen, welche die vor den Verfolgungen in den anderen Ländern nach Spanien flüchtenden Israeliten einnchmen müßten. Die Zeit allein hat mich verhindert, früher mein Versprechen zu erfüllen. Die Frage, um welche eS sich hier handelt, verdient die sorgfältigste Prüfung. Artikel XI der spanischen Konstitution bestimmt, daß ״Niemand auf spanischem Gebiete wegen seiner religiösen Ueberzengung oder wegen der Ausübung seines Kultus belästigt werden darf, vorausgesetzt, daß er die christliche Moral rcspektirt. Andere öffentliche Zeremonien und Kundgebungen, als die der Staatsreligion, sind jedoch nicht gestattet." Der letzte PussuS verbietet also, daß in der Straße, oder in Sälen, durch deren offene Thürcn man sie von außen sehen kann, Zeremonien ausgeübt werden; dagegen sichert die bestehende Jurisdiktion noch außer dem Gesetz die Unverletzlichkeit der Druckwerke, des Tempels und des Friedhofes. Diese Bedingungen genügen den Protestanten für die Aus- Übung ihres Kultus; sic besitzen allein in Madrid fünf oder sechs lutherische unö lalvinische Kapellen und etwa sechsundzwanzig in den Provinzen, dabei existircn eine ganze Anzahl von Vereinen und Missionen ohne eigene Kapellen. Dies dürfte, wie ich glaube, auch den Juden genügen, da sie ja ihren Kultus ohne irgend welche Furcht ausübcn können. Bcinerkenswcrth ist noch, daß der gegenwärtige Minister-Präsident, Herr Sagasta, formell erklärt hat, daß gesetzlich der Niederlassung von Inden auf spanischem Gebiete durchaus nichts cntgcgenstcht, da das Vertreibungsdekrct von 1492 durch die bestehende Verfassung virtuell aufgehoben ist. Dies schrieb Sagasta am 21. August 1881 an Herrn Guedalla in London, indem er die absolute Sicherheit der Juden und gleichzeitig ihre Berechtigung, unverletzbare Friedhöfe cinzurichtcn, koustatirte. Man sieht also, daß der Niederlassung der Inden nichts entgegenstcht. Aber wie ist sie praktisch anszuführcn? Die letzte Volkszählung vom Jahre 1877 crgiebt für die in Spanien wohnenden Juden folgende Zahlen: In der Provinz: Männer Frauen Albacete 1 — Almeria 4 2 Barcelona 15 6 Cadix 125 84 Canarische Inseln 33 2 Cordoba 6 — Gerona 3 — Guipuzcoa 11 10 Huelva 3 — Jaen 1 — In der Provinz: Lerida Logronno Madrid Malaga Murcia Pontrevcdra Scgovia Sevilla Tarragona Saragossa Männer 2 3 14 15 2 1 1 8 3 1 Frauen 14 2 Nordafrikauische Besitzung 21 8 Die fiiiftnirciibc Bevölkerung einiger Städte, wie Malagas, hat eine größere Wichtigkeit, weit dieselbe aus marokkanischen Juden bestehend, eine ungemeine Rührigkeit im Handel entfaltet. Alle diese Juden können den Kern der orientalischen Auswanderung nnd der Niederlassungen im Lande bilden; nur müßten Verbindungen hergestellt werden, und wie dies zu erreichen ist, das ist zunächst die erste Frage. Ein Christ, der die Juden einladet, sich zu vereinigen, befindet sich in einer schiefen Lage, die Initiative muß von Glaubensgenossen ansgchcn. So könnten z. V. jüdische Zeitungen die spanischen Juden auffordcrn, sich zu einem Verein zu sammeln, dessen Sitz die Hauptstadt Madrid sein müßte. Wenn ein Christ auch aus noch so ehrlichem Herzen heraus etwas Derartiges thäte, würde er doch keine genügende Autorität besitzen, um eine solche Bewcgung ins Werk zu setzen. Ist eine solche jüdische Zentralstelle in Spanien in legaler Weise gebildet/ so kann von derselben allen Glaubensgenossen in der ganzen Welt jede gewünschte Auskunft crthcilt werden; cs würde der Gottesdienst in einem öffentlichen Tempel ansgeübt werden, wie cs bei den Protestanten geschieht; es würden Zeitungen herauSgcgeben werden können, (die Protestanten lassen 5 erscheinen, 4 in Madrid, I in Sevilla), Schulen eröffnet (die Protestanten haben deren bei allen Vethäusern und in ihren sämmilichen Niederlassungen), und ein Depot von Drucksachen eingerichtet werden, wie auch die Protestanten ein solches besitzen. Dieser Zentralpnukt müßte auch kommerziellen Charakter tragen, finanzielle Statistiken und Jnformationen aller Art veröffentlichen. Mit Unterstützung dieses israelitischen Zentralpnnktes würde sich die Ein- Wanderung in voller Sicherheit organisiren lassen. Es ncüßte allerdings ernst gearbeitet werden, aber cs giebt nichts, was ohne Anstrengung möglich ist. Mein Vorschlag geht also dahin, daß ein spanisch-jüdischer Zentralptmkt auf Einladung jüdischer Zeitungen oder hervorragender Israeliten geschaffen werde.

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