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Jeschurun · 1886-12-02 · Heft 48 (2.12.1886) · p. 757

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 48 (2.12.1886)
Article
Spanien und die Juden
Date
1886-12-02
Page
757 (sequence 2)
Language
German
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757 Sinne, wie General Prim fort. Die letzte Mittheilung Sagasta's scheint im Jahre!881 erfolgt zu sein. Ob seitdem bis heute offizielle Verhandlungen stattgefnnden haben, wissen wir nicht, doch haben wir Kenntniß von privaten Korrespondenzen erhalten, namenilich von Seiten orientalisch-spanischer Juden, welche in Rumänien und der Türkei ansässig sind. Diese glauben, in unserem Lande eine Zuflucht gegen die Verfolgungen zn finden, deren Opfer sic in den slavischen Ländern sind, und sie fürchten nicht, daß in Spanien die Antipathicn auftauchen, welche in neuester Zeit selbst in Frankreich gegen sie offenbar geworden sind. Sic gehen von einer im Prinzip richtigen Voraussetzung aus: nachdem die durch dir Vertreibung hcrbcigeführten Uebelstände erkannt, nachdem der religiöse Fanatismus, der die Vertreibung hcrbeigeführt, sich gelegt hat und abgestorben ist, nachdem die ökonomischen Ideen des fünfzehnten Jahrhunderts eine vollkommene Umwandlung erfahren, darf es für sicher angesehen werden, daß die Israeliten sich nicht der Gefahr aussetzen, unter den Folgen des Volkshasscs oder der Unkcnntniß der Negierenden zu leiden. Außerdem werden die Gemeinsamkeit der Sprache, wahrscheinlich auch der Gewöhnheiten, die Gleichartigkeit der Traditionen und die lebhaftcste Vaterlandsliebe, welche die Israeliten an den Tag legen, Ursache genug bilden, daß die jüdische Bevölkcrung in kurzer Zeit vollständig den spanischen Nationalcharakter annehmen wird. Eine Schwierigkeit allerdings exislirt, und zwar eine Schwierigkeit, deren Bedeutung heute noch nicht ermessen werden kann, dieselbe beruht in der traditionetten Haltung unseres KlcrnS. Bei einer wahrhaft liberalen Negierung, ohne Kompromisse und theokratisehe Neigungen, könnte das Hindcrniß leicht bekämpft werden, aber bei den heute vorliegenden Antezedentien, von denen die Interpretationen des Artikels 11 der Konstitution in Bezug ans die Duldung des ProtestantismuS Zeugniß ablcgcn, kann das Vertrauen auf die Nespektirung der Rcligionsübung der cinwanderndcn Juden natürlich kein absolutes sein. Allerdings, wenn unserer niederer Klerus, der ja, wie überall, den größten Einfluß auf die Katholiken, mit denen er in Berührung kommt, besitzt, genügend erleuchtet wäre, um den nationalen Vorthcil voll zu begreifen, dann wäre die Schwierigkeit eitle geringere. Man würde alsdann nur mit den Interessen zu kämpfen haben, welche die Handlungen der hohen Geistlichkeit bestimmen. Leider ist die Erleitchtung eine beschränkte, ist nur ein geringer Theil des Klerus derselben thcilhaftig. Aus diesem Grunde läßt sich eine großartige allgcrneine Ein- Wanderung, welche außerhalb der großen BcvölkerungS- Zentren Niederlassungen errichten würde, nicht anrathen. Nur die Einwanderung von Industriellen oder von einzelnen Familien ließe sich heutzutage mit Leichtigkeit bewerkstelligen. Auf diese Weise, und wenn die jüdischen Ein- Wanderer sich mit der zu erwartenden Zurückhaltung benehmen, ließe sich der Moment erwarten, in welchem die Gesetze eine fundamentale Acndcrnng erfahren könnten — Ist aber diese Schwierigkeit, welche in den Verhältnisscn und in dem Zustande unseres Landes ihren Ursprung hat, überwunden, so cxistiren unseres Wissens keine weiteren. Die spanischen Juden im Orient erweisen sich in ihren freundschaftlichen Privaten Mitthcilungcn, welche ich bereits erwähnte, so liebevoll und aufrichtig, wie sic in ihren! offiziellen Auftreten bescheiden und respektvoll sind. Als Beweis dessen, wie gleichzeitig als Beispiele für ihre Bildung und Sprache, zitircn wir einige Stellen ans Briefen, die wir von ihnen empfangen. ״Glauben Sie mir, mein Herr," heißt es Ln einem dieser Briese, ״daß noch heute der Wunsch in mir brennend ist, die Bande zwischen Spanien und den Israeliten des Orients so eng als möglich zu knüpfen." ״Wenn ich jcrnals etwas mir gewünscht habe, so ist es das Genie, Ihnen den Genuß ausmalcn zu können, den Ihr herrlicher Brief mir bereitet hat, dessen Inhalt so hochwichtig ist." Au allderem Orte spricht er von ״literarischen Dokumenten, welche in die Geschichte dieses Reiches (Spaniens) neues Licht bringen, bisher unbekannte Dinge aufklären werden. Viele solche habe ich bereits in der Türkei gesehen." — Ein anderer Israelit schreibt: ״Meine Liebe zum Vaterlande ist heftig erwacht, zu dem Vaterlande, von dem wir schon so lange entfernt sind . . . Das Feuer, das nur in einer kleinen Flamme bestanden, ist zn einem mächtigen Brande, der nicht mehr zn löschen ist, geworden. — Ich sehe, daß der Geist der jetzigen Generation in Spanien mit der Jndenfrage beschäftigt ist, und ich wundere mich, daß bis jetzt noch kein Schritt geschehen ist, um sie zur Nückkehr in das Vaterland ihrer Väter zu veranlassen. Wir kennen die Lprache nur von unseren Vätern, welche sie im Hanse sprachen und die sie mit fremden Worten vermengten und darum nicht rein erhalten konnten ... Es ist wohl ein guter Beweis für unsere Liebe zum Vaterlande unserer Väter, daß wir trotz unserer langen Entfernung die Sprache bewahrt haben ... Ich wäre der Erste, welcher von hier nach meinem schönen, wahren Vatcrlandc, zu dem ich mein Herz mit attcr Macht mich ziehen fühle, wandern würde." Ferner schreibt Herr Lapuya: ״Das von mir seit einigen Wochen beobachtete Schweigen hat seinen Grund keineswegs darin, daß ich mein Versprechen

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