Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1886)
- Article
- Der jüdische Religionsunterricht
- Date
- 1886-12-02
- Page
- 754 (sequence 2)
- Language
- German
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754 trotz aller Konfirmandenstnnden, trotz aller Reden und Schriften herrscht eine so trostlose Oede in den Ge׳ mcinden, ist Ln ihnen so wenig von der alten innigen, aufrichtigen Frömmigkeit, von dem früheren treuen jüdischen Leben aiizntressen, daß selbst die Ministranten der Reform sich darob entsetzen. Wenn die Herren Rabbiner und Lehrer der Wahrheit die Ehre geben wollen, so müssen sie zngcstehen, daß sie trotz ihrer vielgepriesenen rcformatorischen Thätigkeit nichts Anderes erreicht haben, als die Ertödtung des jüdisch-religiösen Bewußtseins, als religiöse Bcdürfnißlosigkeit, als Unwisscnhcit und unjüdischen Wandel. Sollte eS da nicht am Platze sein, sich doch einmal ernstlich die Frage vorznlegen, ob man denn mit den Veranstaltungen für die Pflege der Religion das Nichtige getroffen habe und aus dem Wege, den man einschlagen möchte, um dem nicht zu verkennenden Nebel zu begegnen, sich auch ans dem richtigen befinde? Denn darüber ist auch ein allseitiges Einvcrständniß zweifellos, daß es bei dem Unterrichte, den wir unserer Jugend in Religion er- Lheilcn, nicht auf ein theoretisches Wissen abgesehen sein kann, sondern daß die Unterweisung in der Religion deren Bethatigung im Leben zum alleinigen Ziele hat. Wenn aber die Thatsache nicht geleugnet werden kann, daß der Gemeinden sehr wenige sind, in welchen der Ncligionslchrer sich des Gedankens erwehren könnte, daß seine Schüler znm größten Theite die Satzungen der Religion, die er sie lehrt, nicht beobachten werden, dann möchte wohl die Erwägung nahe liegen: weiß sich der Unterricht frei von aller Schuld, wenn der Schüler die Gebote der Religion mißachtet und ihnen zuwider handelt? Freilich wissen wir wohl, daß der Einfluß des Hauses nnd des Lebens außerhalb der Schulräume auch die beste Unterweisung vollständig paralysiren kann, wie ja auch die sorgfältigste Erziehung des Eltern- Hauses oft nicht eine spätere sittliche Verirrung des Kindes verhindern kann. Wie aber doch der Vater nnd die Mutter an dem Grabe der sittlichen Reinheit ihres Kindes sich die ernste Frage vorznlegen haben, ob ihre Erziehung die rechte gewesen nnd sie cs an nichts haben fehlen lassen, um ihr Kind zu stählen für den Kampf mit der Lcidenschast, also hat auch die Neligionsschnle sich die gleich ernste Frage vorznlegen, ob sie ihre Pflicht in vollstem Maße geübt habe und sie lein Verschulden treffe ob deö Ungehorsams, den ihre Schüler den Ncligionsgejetzen bezeigen. Weil wir der Ansicht sind, daß diese Frage in den zahllosen -Erörterungen über die Hebung des NeligioiisunlerrichtS nicht in der nothwcndigen Schärfe gestellt ist, die Herren Fachmänner vielmehr oft derselben geradezu aus dein Wege gehen, so möchten wir in schlichter- Laiencinsalt uns klar zu machen suchen, ob denn hier nicht ebenfalls eine der Hauptursachen des beklagenswerthen religiösen Verfalls zu suchen sei. Liegt doch die Pflicht für die religiöse Unterweisung in allererster Linie jedem Vater ob, für welchen der. Lehrer nur subsidiarisch eintritt. Es sind ja die Kinder der Laienvätcr, um deren Wohl es sich handelt, darum ist jeder Vater so berechtigt wie verpflichtet, darüber Klarheit zu gewinnen, ob der Unterricht, den die Religionsschule seinen Kindern gewährt, ein dem hohen Ziele desselben entsprechender ist. Es will uns aber bcdünken, als ob die mit so vielem Geräusch aufgeworfene und mit nicht minder Lärm behandelte Frage einer Verständigung über einen Normalplan für die Rcligionsschule, oder der Einsührung des liturgischen Gesanges in den Stundenplan, oder die Erörterung, ob der Schreibnnterricht obligatorisch oder fakultativ sein soll u. dcrgl. m. mit dieser alterwichtigsten Frage nur wenig zu thnn haben. Irren wir nnS hierin, so bitten wir um geneigte Entschuldigung. Wir hoffen aber, daß inan uns nicht ganz Unrecht geben will, wenn wir die uns am Herren liegende Frage durch die einfältige Erwägung zu beantworten suchen, erstens, wie muß der Lehrer bcschaffen sein, welcher unsere Kinder in der jüdischen Religion unterrichtet, nnd zweitens, wie muß der Unterricht beschaffen sein, den der Lehrer unfern Kindern in der Religion ertheilt. (Fortsetzung folgt.) llütMkiifljitni lind Indechmslhlist. (Fortsetzung.) Ein Mann, der ein solcher Künstler ist, vermag noch viel erstaunlichere Dinge zu leisten. Er läßt sich kein Genüge daran sein, die Verderbtheit, Schlechtigkcit, Gemeinheit und Gemeingcfährlichkeit der Jliden ans der angeblichen Verderbtheit, Schlechtigkeit,׳ Gemcinhcit nnd Gcmcingcfährlichkcit arabischer und turkmcnischer Näuberhordcn zu erweisen, seine Titanennatur wagt sich auch an die Gottheit und schreibt dem Himmcl das Gesetz seiner Laune vor. Er stößt den Einen, Einzigen, Allgcrechtcn, Allliebenden nnd Allmächtigen, den allbarmherzigen Schöpfer, Erhalter nnd Lenker der Welt, den die jüdische Bibel die Menschheit als Gott erkennen und verehren lehrt, von seinem Thron und setzt an seiner Statt den Typhon oder Seth der Aegypter. Nach derselben ״Sokratschen Methode" des köstlichen Ncntcr'schen .,Schaulmeister Nosengraun" dckretirt er: statt Typhon, Seth, Moloch u. s. w. müßt ihr den Gott setzen, den Abraham, Moses, David und die Propheten erkannt und verehrt. Moses wird ihm aus